Zwischen Barock und Moderne

Die Landsberger Geigenbauerin Antonia Meyer studiert zurzeit im Vogtland. Ihr jüngstes Werk ist ein Barockcello. Foto: Heuer

Manche Berufe umgibt ein Nimbus des Geheimnisvollen, so auch den des Geigenbauers: sofort drängt sich der Name „Antonio Stradivari“ auf, Bilder berühmter Violinvirtuosen, und die Vorstellungen von kleinen, düsteren Werkstätten, in denen Wunderwerke gefertigt werden. Antonia Meyer hat sich längst mit dieser Reaktion auf ihren Beruf abgefunden: die junge Landsbergerin fertigt Geigen, Brat­- schen und Celli nach eigenen Entwürfen, die an historische Vorbilder angelehnt sind.

„Die Leute haben immer den Mythos Stradivari im Kopf“, meint Antonia Meyer schmunzelnd. Kein Wunder, kein Name ist so eng mit dem traditionsreichen Handwerk verknüpft wie der des legendären italienischen Geigenbaumeisters (vermutlich 1648 – 1737), seine Instrumente erzielen Millionen- beträge bei „Christie‘s“. Doch so ganz lösen kann sich auch die moderne Geigenbauerin nicht von ihrem „Mythos“. Nach der Lehre an der Geigenbauschule Mittenwald, die sie mit der Gesellenprüfung abschloss, arbeitete sie eineinhalb Jahre in Werkstätten in Italien: zunächst in Vicenza, dann in Cremona, der Wirkungsstätte des „Meisters“. „Diese Werkstatt war eine Restaurierungswerkstatt, dort habe ich sehr viel zu alten Instrumenten gelernt“, erzählt Meyer, „auch die Restaurierungsarbeit an einer Stradivari konnte ich mitverfolgen“. Wieder zurück in Deutschland hat sich die Landsbergerin entschieden, ihre Ausbildung mit einem weiterführenden Studium zu ergänzen: sie studiert derzeit an der Fachhochschule für Streichinstrumentenbau in Markneukirchen im sächsischen Vogtland, der einzigen Fachhochschule dieser Ausrichtung in Deutschland. Dort hat sie auch eine eigene Werkstatt, denn neben dem Studium ist sie bereits selbstständige Geigenbauerin. Spezialisiert ist sie auf Celli, denn dieses Instrument spielt sie selbst seit ihrem siebten Lebensjahr. „Es ist natürlich sehr hilfreich, wenn man mehr als ein paar Noten auf dem Instrument spielen kann, denn nur so kann man den gesamten Klang erfassen und beurteilen“. Und gerade da liegt das Geheimnis: in der Wahl der Hölzer, der Saiten, der Bearbeitung des Holzes: Fichte aus dem alpinen Raum für die Decke, bosnischer Ahorn für den Boden („der ist besonders geflammt“), Ebenholz für Wirbel, Griffbrett und Saitenhalter. Ihr jüngstes Werk ist ein Barockcello, das sie auf Anregung des Münchener Cellisten Michael Rupprecht gefertigt hat und das jüngst beim Konzert in der Landsberger Christuskirche zum Einsatz kam. „Das war mein erstes Instrument nach historischem Vorbild. Ich habe es an ein Modell von Stradivari angelehnt, die Einlegearbeiten und Verzierungen sind eigene Entwürfe“, erklärt Antonia Meyer. Im Unterschied zum modernen Cello werden keine Stahl-, sondern Darmsaiten verwendet, zudem hat das Cello keinen Stachel, also keinen Kontakt zum Boden und muss mit den Knien gehalten werden. Wie kommt es zu einem solchen Berufswunsch? Antonia Meyer überlegt kurz: „Ich habe schon immer gerne Cello gespielt, und auch gerne handwerklich gearbeitet. Schon als Kind in der Hobbywerkstatt meines Vaters. Das kann ich beides tun, auch viel ausprobieren. Und wenn man dann zum ersten Mal auf einem selbstgefertigten Instrument spielt, ist das eine sehr spannende Sache“.

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