Zwischen Chips und Lego-Steinen

Hubert Finidori (Franz Krauß, mit Daniela Echterbruch) entpuppt sich in Variante 2 als Casanova. Foto: Eckstein

Es ist der Albtraum aller Eltern: das Kind liegt im Bett, will partout nicht schlafen und demontiert mit seinem permanenten Gequengel alle Chancen auf einen gemütlichen Abend. Noch schlimmer, wenn plötzlich wichtiger Besuch vor der Tür steht. Welche Konsequenzen sich daraus ergeben können, zeigt das Stück „Drei Mal Leben“ der französischen Erfolgsautorin Yasmina Reza in drei Varianten. Die „landsberger bühne“ feiert am Freitag Premiere im Stadttheater.

Henri (Harald Dollinger) und Sonja (Daniela Echterbruch), ein modernes Ehepaar, sie erfolgreiche Geschäftsfrau, er etwas weniger erfolgreicher Astrophysiker, haben Henris Vorgesetzten Hubert Finidori (Franz Krauß) zum Abendessen eingeladen, in der Hoffnung, ihn ihm einen Förderer zu finden. Aber eigentlich erst am nächsten Abend. Der berühmte Gast platzt mit Gattin (Franziska Dietrich) mitten in das abendliche Chaos, in eine nur allzu bekannte Diskussion um die „richtige“ Erziehung des Sprösslings – Kekse nach dem Zähneputzen??? Auch das für den nächsten Abend ausgeklügelte Dinèr ist natürlich nicht bereit, mit Keksen, Chips und Wein versuchen Henri und Sonja, die Situation zu retten, doch die Nerven liegen blank, zumal Finidori Henri mit der Nachricht konfrontiert, einen Artikel gesehen zu haben, der Henris langjährige Forschungen überflüssig machen könnte. Aus dieser Grundsituation heraus ergeben sich drei Versionen für den Verlauf des weiteren Abends, ausgelöst von Kleinigkeiten, winzigen Bemerkungen oder Handlungen. Ein gruppendynamisches Experiment, ein Planspiel mit der ewigen Frage „Was wäre wenn?“ Aus Banalitäten entwickeln sich Streitereien, bröckeln gesellschaftliche Konventionen und eingespielte Rollenmuster und münden in einen Show-Down um Ehrgeiz, Arroganz, Neid und Versagensangst. Oder doch nicht? Wenn nun er…, oder sie vielleicht…? Die Darsteller der „landsberger bühne“ unter der Regie von Claudia Dlugosch und Dietke Lichtenstern spielen die Varianten gekonnt durch, überzeugen in ihren Rollen. Keine leichte Aufgabe, denn „Drei Mal Leben“ ist ein reines Konversationsstück, nahezu inhaltslos, lebt allein von den Dialogen, die sich in Teilen gleichen und dann doch eine andere Richtung nehmen. Keine leichte Aufgabe auch für die Zuschauer, denn das emotionale Auf- und Ab, das Ahnen, was kommen könnte und besonders das lautstarke Kinderquengeln aus dem Off (Raphael Spatz) zerrt an den Nerven – besonders bei letzterem sah man ebenso gequälte Eltern förmlich zusammenzucken und spürte die kollektive Erleichterung, wenn dann Ruhe einkehrte. Auch dies ein Beweis dafür, wie es die Schauspieler verstanden, das Publikum trotz einiger Schwächen des Stücks in den Bann zu ziehen. Weitere Vorstellungen im Stadttheater Landsberg: 19., 20., 21., 26., 27. und 28. Januar um 20 Uhr und 22. Januar um 18 Uhr.

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