Projekt-Zwischenstand vorgestellt

Märkte auf dem Prüfstand

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Auf dem Hellmairplatz ging´s noch etwas gemütlicher zu. Trotzdem wollen die Wochenmarkt-Händler lieber auf dem Hauptplatz bleiben.

Landsberg – „In den Landsberger Märkten steckt so viel Potenzial“, sagt Stadtrat Hans-Jürgen Schulmeister (Landsberger Mitte), in weiterer Funktion auch Referent des Marktwesens . Im Frühling 2016 hatte er seinen Antrag für ein neues Marktprojekt in Stadtrat und Wirtschaftsausschuss durchgesetzt. Seither nimmt ein elfköpfiges Projektteam sämtliche hiesigen Märkte ins Visier, analysiert Stärken und Schwächen der einzelnen Events. Nach rund einem Jahr mit etwa 260 Arbeitsstunden zogen die Verantwortlichen nun eine Zwischenbilanz, die erste Aufschlüsse gibt.

Ein kurzer Abriss zu den ersten Schritten: Zu Beginn des Projekts im Mai 2016 mussten die Beteiligten zunächst ihren Auftrag definieren. Das oberste Ziel: Landsbergs Märkte zu einer Marke etablieren. Dafür war in der Folge eine Analyse für sämtliche Märkte in der Landsberger Innenstadt zu erstellen. „Noch nie zuvor war ich so oft auf dem Wochenmarkt“, sagt Christine Baumgartner von Change Business, Begleiterin des Vorhabens. Sie beobachtete fortan das Bürgerverhalten an den kleinen Ständen, machte eifrig Notizen. Auf dieser Basis stellten die Projektteilnehmer Ist- und Soll-Zustand gegenüber, benannten außerdem Stärken und Schwächen der Märkte.

Damit war bereits die operative Phase erreicht, in der schon erste Handlungsschritte umgesetzt wurden. Fieranten, die Markthändler, wurden dabei ebenso miteinbezogen wie lokale Einzelhändler.

Beispielsweise am Christkindl­markt sei das laufende Konzept schon zum Tragen gekommen, berichtet Baumgartner. Besonders wichtig sei dort die Achse zwischen Haupt- und Hellmairplatz, die zusätzlich belebt wurde. Das Alleinstellungsmerkmal des gut frequentierten Marktes sei die Tradition. Würde man den Christkindlmarkt zu einem „Internationalen Weihnachtsmarkt“ umkrempeln wollen, würde das nicht funktionieren, meint Baumgartner. Also lieber bei Bewährtem bleiben. Abgerundet werde die „Perle für den Kleinhandel“ durch das historische Stadtbild, das einen würdigen Rahmen verleihe.

Ähnlich gut bewertet, auch von Bürgern im Rahmen von „Landsberg 2035“, wurde der Wochenmarkt. Dort überprüfte das Projektteam unter anderem das Sortiment und den Standort des Marktes – mit erfreulichem Ergebnis: Die angebotenen Waren würden sehr gut den Kauf­interessen der Marktbesucher entsprechen. Durchschnittlich 35 Minuten halten sie sich zu den Hauptzeiten (10 bis 13 Uhr) zwischen den Ständen auf. „Bei so einer langen Verweildauer wären Einzelhändler froh“, meint Baumgartner.

Händler wollen bleiben

Ein Manko am Hauptplatz sei dagegen die Schieflage, die den Standaufbau erschwere – „die ist immer ein heißes Thema“, so Baumgartner. Zurückwechseln zum Ex-Standort am Hellmairplatz wollen die Fieranten trotzdem nicht. Auf dem „kleinen, kuscheligen Platz“, so Ordnungsamt-Chef Ernst Müller, müssten die Händler ihre Standfläche verkleinern. Und dagegen hätten die Fieranten bereits ihr Veto signalisiert, sagt Baumgartner.

Einen Ortswechsel gab es dagegen letztes Jahr beim Süddeutschen Töpfermarkt. Einst vor dem Mutterturm abgehalten, ist der Besuchermagnet seit 2016 an der St. Laurent-du-Var-Promenade zu finden. Die neue Infrastruktur des Marktes habe inzwischen große Akzeptanz, berichtet Baumgartner. In der Gesamtkonzeption mit dem Stadtfest könne man gar von einem „kulturellen Wahrzeichen“ sprechen.

Nicht mehr zeitgemäß

Passé ist dieser Status bei Veits- und Kreuzmarkt. Beide seien inzwischen „Relikte aus der Vergangenheit“, nachdem die Einkauffrequenz in den vergangenen Jahren stark nachgelassen habe. Insgesamt sei das Angebot nicht mehr zeitgemäß. Die Händler hätten es verpasst, den Generationswechsel auch in ihrem Angebot zu berücksichtigen. Stehen die Märkte deshalb vor dem Aus?

„Man könnte stattdessen etwas zeitgemäßeres machen“, blickt Baumgartner voraus. Wichtig sei perspektivisch aber auch, dass das Angebot auch auf Dauer übernommen werde. Dafür fordert Müller vom Ordnungsamt allerdings zusätzliche Ressourcen. Derzeit wären seine Mitarbeiter mit ihrem Pensum am Anschlag. Sein Plädoyer deshalb: Lieber erstmal etwas umsetzen, anstatt noch viele weitere konzeptionelle Schritte zu gehen.

Mit den bisherigen Ergebnissen zeigte sich der Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr und Stadtentwicklung aber zufrieden. Zweite Bürgermeisterin Doris Baumgartl lobte: „Die Ergebnisse können sich sehen lassen.“ Abgeschlossen sein soll das Projekt im Januar 2018. Bis dahin werden unter anderem noch die weitere Entwicklung des Veits- und Kreuzmarktes erarbeitet und bereits umgesetzte Maßnahmen analysiert.

Marco Tobisch

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