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50 Jahre Weilheim-Schongau: Zwei Altlandräte im Gespräch

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Von: Manfred Ellenberger

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Blaschke Braun
Altlandrat Manfred Blaschke (links) im Gespräch mit seinem Nachfolger Luitpold Braun (rechts). © Ellenberger

Schongau – Ein Landkreis Landsberg-Schongau? Oder Füssen-Schongau? Das war zwischenzeitlich im Gespräch, im Zuge der Landkreisreform vor 50 Jahren. Altlandrat Manfred Blaschke hat anlässlich des Jubiläums zuletzt einige Male seine Erfahrungen geschildert. Die 1. Vorsitzende des Historischen Vereins Heide-Maria Krauthauf zeigte sich nun erfreut darüber, ihn und seinen Nachfolger als Landrat Luitpold Braun im Stadtmuseum Schongau begrüßen zu dürfen.

Auch 21 interessierte Besucher waren gekommen, um bei dem von Luitpold Braun mit seinem Amtsvorgänger als Landrat des Landkreises (Lk) Weilheim-Schongau geführten Interview dabei zu sein. Überdies kamen zwei hybrid zugeschaltete Teilnehmer dazu.

Eingangs wollte Braun wissen, wie für Blaschke „der 30. Juni und der 1. Juli 1972“ waren und was sich in welcher Weise änderte. Einen besseren Adressaten hierfür hätte er nicht finden können, schließlich war Blaschke vor seiner von 1978 bis 1996 andauernden 18-jährigen Amtszeit als Landrat des heutigen Lk schon einmal im März 1970 zum Landrat des bis einschließlich 30. Juni 1972 bestehenden Lk Schongau gewählt worden.

Blaschke nahm die Besucher mit auf eine Zeitreise in die frühen 1970er Jahre. Seinerzeit hatte er die Wahl zum Landrat gegen Dr. Sepp Klasen (wie auch zwei weitere Male nach der Reform) gewonnen. Im Oktober 1970 verbrachte er mit seiner Frau einen Kurzurlaub in Südtirol, als ihn dort sein Stellvertreter Franz Horner anrief. Er solle sofort nach Hause kommen, der Lk sei in Gefahr.

„Landkreis in Gefahr“

Natürlich sei es um die Gebietsreform gegangen, bei der Bayern im Vergleich zu anderen Bundesländern recht spät dran war. In Nordrhein-Westfalen waren hierdurch einzelne Kreise mit gut 400.000 Einwohnern entstanden. „Bei uns war die Richtzahl 80.000 in Bayern“, bezogen auf die spätere Einwohnerzahl eines Lk.

Wenn man sich die Gegend damals angeschaut habe, sei mit mehreren an den Lk Schongau mit seinen über 30.000 Einwohnern grenzenden Kreisen diese Voraussetzung erfüllt worden. Insbesondere mit Füssen habe man ernsthafte Verhandlungen geführt. Zwischen beiden verlief jedoch neben der Landkreisgrenze auch die der Regierungsbezirke Oberbayern und Schwaben.

Auch habe es die Idee gegeben, mit Garmisch-Partenkirchen einen neuen Lk zu bilden. Aber auch hier kam es anders. Nachdem sich auch für die Altkreise Marktoberdorf und Kaufbeuren im Westen als auch Landsberg im Norden andere Lösungen abzeichneten (siehe Kasten), lief alles ohne eigenes Zutun auf einen Zusammenschluss mit Weilheim und damit zweier „völlig unterschiedlicher Landkreise“ hinaus.

Am 30. Juni 1972 habe man in Schongau zum Abschied geblase, „die Lk-Fahne wurde eingeholt“ und „ein relativ fröhliches Fest“ im Garten des Landratsamtes gefeiert, erinnerte sich Blaschke. Aufgrund der Entwicklungen „hatte der Herausgeber der Schongauer Nachrichten August Motz eine Todesanzeige in der Zeitung abgedruckt“, die dem eigenen alten Lk galt. Das habe „ziemlich viel Ärger gegeben.“

Blaschke selbst sei noch am 30. Juni der zweitjüngste Landrat in Bayern gewesen, 24 Stunden später „der jüngste Ruhestandsbeamte“. Am 1. Juli 1972 hatte der neue Landrat des ebenso neuen Lk Weilheim in Obb. (ab Mai 1973 Lk Weilheim-Schongau) Dr. Georg Bauer, zuvor Landrat in Weilheim, im Schongauer Rathaus eine Pressekonferenz einberufen, um zu erörtern, wie es weitergehen soll.

Volksbegehren

Man habe zwar gehofft, dass der alte Kreis überlebt, bei dem anschließenden Volksbegehren hierzu „waren 30 Prozent für einen Erhalt des alten Lk“. Damit sei man in Bayern sogar ziemlich weit vorn gewesen und „das Bestreben, das Ganze in geordnete Bahnen zu lenken“ habe danach zugenommen.

Angesichts teils immer noch schwelender Konflikte entschied der damalige Innenminister Bruno Merk, selbst einmal auf einem Plakat als „Mörder von Schongau“ diffamiert, das müsse aufhören. Schongau sollte 14 Millionen DM für die Zustimmung zum neuen Lk bekommen, andernfalls werde die Gebietsreform trotzdem umgesetzt, jedoch ohne Geld.

Zum Boten, der Merk die Nachricht zur Entscheidung für das Geld im Innenministerium übergeben sollte, war dem Hinweis von dessen Sohn Wolfgang zufolge der langjährige Stadtrat Konrad Resch „ausgeguckt“ worden. Luitpold Braun zufolge sei das Geld in den Bau der ohnehin bedarfsnotwendigen Hauptschule sowie eines Freibads investiert worden.

Landkreis eine Fehlplanung?

Aber auch nach wie vor aktuelle Themen waren Gesprächsgegenstand. Dazu gehörten sowohl die (gegenwärtig erneut im Brennpunkt stehenden) Krankenhäuser in Weilheim und Schongau als auch die Autobahn, „die nicht kam“ und deshalb Brauns Hinweis zufolge die Verkehrsanbindung jetzt „suboptimal“ sei. „Die B 17 ist Ersatz für die Autobahn“, stellte dazu Altlandrat Blaschke fest. Auf Brauns Frage, ob der Lk Weilheim-Schongau eine Fehlplanung gewesen sei, sinnierte Blaschke, welche andere Lösung sich geographisch besser angeboten hätte. Er fügte dem hinzu „Drei Landkreise wären vielleicht besser gewesen“.

Trotz der so bedeutsamen Geschehnisse damals sei es im Vergleich zu jetzt eine ruhige Zeit gewesen, meinte er weiter und fügte hinzu: „In der Früh, wenn ich die Zeitung aufschlage, bin ich froh, dass ich in Rente bin“.

Zu den Besuchern im Historischen Museum gehörten auch Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman sowie Ehrenbürger Fritz Holzhey. Nach dem Gespräch wies Sluyterman gegenüber dem Kreisboten/Lechkurier darauf hin, dass Weilheim-Schongau „ein sehr starker Landkreis“ sei. Es müsse nun weiter zusammenwachsen, was vor 50 Jahren zusammengelegt wurde. Bei der Zugverbindung wünscht er sich schnellere und zeitlich enger getaktete Fahrten in beide Richtungen.

Hintergrund: Die Landkreisreform bei den Nachbarn

Gleich mehrere der im Südwesten und Westen an den damals über 30.000 Einwohner zählenden eigenen Lk Schongau grenzenden Kreise wie Füssen, Marktoberdorf und Kaufbeuren mit jeweils zwischen 35.000 bis 40.000 Einwohnern erfüllten annähernd die Voraussetzungen für eine Zusammenlegung. Im Norden ging die kreisfreie Stadt Landsberg im neuen Lk Landsberg auf, zu dem weitere 14 Gemeinden hinzukamen. Dazu gehörten auch die zuvor im Lk Schongau gelegenen Orte Kinsau, Apfeldorf, Reichling und die früher selbstständige Gemeinde Epfach. Alle vier wechselten nach Landsberg.

In Kaufbeuren verlief die Entwicklung umgekehrt. „Da blieb die kreisfreie Stadt“, aber der Lk wurde aufgelöst und die Gemeinden in die heutigen Lk Ostallgäu als auch Landsberg integriert. Der im Süden angrenzende Lk Garmisch-Partenkirchen (GAP) hatte damals gut 60.000 Einwohner. „Nach Süden konnte dieser nicht ausweichen“, da sei die Grenze zu Österreich, so Blaschke. Um aber die vom Innenministerium gesetzte Vorgabe an Einwohnern zu erreichen, musste der Lk wachsen und bekam so das zuvor zum Lk Weilheim gehörende Staffelsee-Gebiet mit dem Hauptort Murnau. Vom Lk Schongau kam noch Bayersoien hinzu. Weitere im Süden des Lk Weilheim gelegene Gemeinden gingen an den Lk Bad Tölz-Wolfratshausen. Lediglich die im vormals zu Marktoberdorf gehörende Gemeinde Ingenried kam neu hinzu. 

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