Krankenhaus-GmbH-Geschäftsführer berichtet im Kreistag: Krankenhäuser kämpfen gegen Corona-Virus

Außenansicht Krankenhaus Schongau
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Aus Sicherheitsgründen musste im Schongauer Krankenhaus auch die Geburtenstation geschlossen werden.

Landkreis – Die Corona-Pandemie hat das Schongauer Krankenhaus mit voller Wucht getroffen. Bis Montag, 2. November, waren 77 der rund 600 Mitarbeiter mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert (Weilheim 4), bei 32 Schongauer Patienten (Weilheim 4) lagen bis Dienstag positive Testergebnisse vor. 

Wie Thomas Lippmann, Krankenhaus-GmbH-Geschäftsführer, in der Kreistagssitzung berichtete, gibt es derzeit „keine Überlegungen“, die Klinik in Schongau zu räumen. Man verfahre nach der Strategie, „das Krankenhaus nur von außen geschlossen zu halten“. Die Patienten würden „mit viel Liebe betreut, geheilt und strukturiert entlassen“. Allerdings: „Wir sind in einer Pandemie. Ich kann nur den Stand von heute sagen.“

Lippmann hatte bei seinem Lagebericht im Kreistag am Freitag noch von 50 positiv getesteten Mitarbeitern gesprochen, aber bereits angekündigt, dass sich die Zahl aufgrund der Inkubationszeit nach oben schrauben werde. Genau das sollte sich bei weiteren Zahlen-Updates bestätigen. Lippmann betonte, dass die Klinik in Schongau das erste Krankenhaus in Deutschland sei, das zyklische Massentests für die Mitarbeiter organisiert. Die steigenden Infektionszahlen unter dem Personal dürften „nicht erschrecken“. Erst, wenn die Kurve nach 14 Tagen nicht nach unten zeigen sollte, müsse man in Kooperation mit den Gesundheitsbehörden über einen Strategiewechsel nachdenken. Interessant: Laut Lippmann sind fast alle positiv getesteten Mitarbeiter symptomfrei.

Der Geschäftsführer sprach im Kreistag auch über die finanziellen Folgen. Die Umsätze in der Schongauer Klinik würden derzeit gegen Null gehen, die Kosten jedoch bleiben. Aus dem Zuschusstopf des Landkreises zur Bewältigung der ersten Corona-Welle im Frühjahr könne man nun bei der zweiten Welle einen Teil zur „Anfinanzierung“ verwenden. Vom Staat bekomme man nichts. Auch die Vorhaltung von Intensivbetten für Covid-Patienten werde aktuell nicht ausgeglichen. „Jedes leere Bett bedeutet null Umsatz“, so Lippmann: „Da muss etwas passieren.“ Der Geschäftsführer betonte, dass man bereits an Konzepten arbeite, das Schongauer Krankenhaus „wieder hochzufahren“. Selbiges müsse „mit absoluter Vorsicht und Bedacht“ geschehen. Keine guten Nachrichten hatte Lippmann am Freitag bezüglich der Geburtenstation in Schongau parat. Eine Wiedereröffnung nach dem Covid-Ausbruch sei für „heute und morgen ausgeschlossen“.

„Es hat uns getroffen wie ein Tsunami.“ Die Stimmungslage bei Krankenhaus-GmbH-Chef Lippmann war bei seinem Auftritt im Kreistag ziemlich getrübt: Für das Schongauer Krankenhaus bedeutet der Corona-Ausbruch in der Klinik einen Imageschaden. „Wir werden leider der Vorreiter sein“, konstatierte Lippmann.

Die Krankenhaus-GmbH, so der Geschäftsführer, wolle in der Angelegenheit transparent und offensiv auftreten: „Wir haben nichts zu verbergen.“ Die Pandemie werde die Krankenhäuser weiter in Atem halten, man stehe erst am Anfang der zweiten Welle. Es brauche Zusammenhalt in der Gesellschaft und eine gemeinsame Kraftanstrengung. Lippmann sprach die „Stigmatisierung von Klinik-Mitarbeitern“ an. So seien Kinder von Schongauer Krankenhaus-Angestellten in manchen Kindertagesstätten abgewiesen worden. Pflegedirektorin Anne Ertel erklärte, dass Kinder von negativ getesteten Eltern keine Kontaktpersonen ersten Grades seien: „Wir können die Patienten nur versorgen, wenn wir die Schwestern und Ärzte dazu haben.“

Wie es genau zum Infektionsherd im Schongauer Krankenhaus kam, darüber war im Kreistag nichts Konkretes zu erfahren. Auf Nachfrage von Rüdiger Imgart (AfD) erklärte Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU), dass laut Statistik 75 Prozent der Infektionsketten nicht nachvollziehbar seien. Lippmann nahm die Lockerung der Pandemieschutzmaßnahmen im Sommer ins Visier: „Das gehört zur Wahrheit dazu. Wir wollten die Lockerungen, jetzt müssen wir auch mit dem Ergebnis leben.“ Im Gegensatz zu vielen anderen Kliniken in Deutschland habe die GmbH als kommunaler Träger bei der Patientenannahme in den zurückliegenden Monaten keine „Rosinenpickerei“ betrieben. Auch künftig werde man Covid-Verdachtsfälle aufnehmen. Das Schongauer Krankenhaus sei für die Behandlung von SARS-CoV-2 „exzellent aufgestellt“.

Zur Sprache kam auch die im Zuge des Corona-Ausbruchs ebenfalls geschlossene Geburtenstation. Das Schongauer Krankenhaus war nach der Schließung in Weilheim einzige Anlaufstelle für werdende Mütter im Landkreis, sie fällt nun weg. Kreisrätin Manuela Vanni (Unabhängige/ÖDP) wollte wissen, wann die Schongauer Station wieder ihre Tore öffnen würde: „Die Mütter können den Krankenhausaufenthalt ja nicht verschieben wie andere Dinge“, konstatierte Vanni. Lippmanns Antwort ließ viel Raum für Spekulationen: Ein regulärer Betrieb der Schongauer Geburtenstation sei demnach „für heute und morgen ausgeschlossen“. Sie sei mit die „heikelste Fachabteilung“. Es könne Wochen, wenn nicht sogar Monate dauern, sie wieder zu öffnen. Ein Neustart müsse absolut sicher erfolgen. Man würde intern an alternativen Konzeptionen arbeiten. Lippmann verwies zudem auf „starke Kooperationspartner“ wie das Klinikum Garmisch. Dorthin könnten werdende Mütter vorerst ausweichen.

Nach Lösungen, so hieß es von Jochner-Weiß und Lippmann, würde man auch in Bezug auf die freiberuflichen Hebammen suchen. Das Schicksal der Berufsgruppe hatte Grünen-Kreisrat Hans Schütz aufs Tapet gebracht: „Die Hebammen haben keine Kundschaft, keine Lohnfortzahlungen, die stehen praktisch auf der Straße ohne Einkommen.“ Schütz sah auch ein langfristiges Problem: Hebammen seien „nicht wie Sand am Meer auf dem freien Markt verfügbar. Die werden sich woanders umschauen.“ Das könne für die Geburtsstation in Schongau bedeuten, dass sie zwar irgendwann wieder hochgefahren werden könnte, aber kein Personal mehr vorhanden sei.

Von Bernhard Jepsen

Schrittweise zurück zum Regelbetrieb

Die tägliche Steigerungsrate bei den Mitarbeiter-Infektionen in der Schongauer Klinik ist rückläufig, meldete die Krankenhaus GmbH dann am Montag. Wie eine zweite Corona-Testung ergeben hat, sank die Zuwachsrate von 38 Prozent am Freitag (Höchststand) auf 2,7 Prozent am Montag. Am 6. November endet für 600 Beschäftigte des Krankenhauses Schongau die häusliche Quarantäne, ab 9. November wird die Klinik schrittweise zum stationären Regelbetrieb zurückkehren. Als Grundlage für diese Entscheidung werden „die strikte Einhaltung der 14-tägigen häuslichen Quarantäne“ sowie eine „Trendwende im Infektionsgeschehen“ genannt. Ein „detaillierter Fahrplan mit Sicherheitskonzept“ wird für den heutigen Mittwoch angekündigt. Für die Wiedereröffnung der Geburtshilfe Schongau soll im Laufe der Woche ein „verbindlicher Zeitplan mit Sicherheitskonzept“ vorgelegt werden.

Von Kreisbote

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