»Jeder Geimpfte zählt«

Bislang 2.300 Corona-Impfungen im Landkreis Weilheim-Schongau

Impfzentrum in Peißenberg
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Das Landkreis-Impfzentrum wurde im Westflügel des ehemaligen Krankenhauses in Peißenberg eingerichtet.

Weilheim-Schongau – Überlastete Telefonhotline und fehlende Impfstofflieferungen – der Start für das Impfzentrum im ehemaligen Peißenberger Krankenhaus verlief holprig. Bis zum vergangenen Mittwoch konnten jedoch bereits 2 300 Landkreisbürger gegen das Coronavirus geimpft werden.

Christoph Wittermann, der ärztliche Leiter des Zentrums, sprach bei einem Pressetermin bezüglich der Zahl an Geimpften von einer „ordentlichen Hausnummer“. „Das ist ein Lichtstreifen am Horizont.“ Und: „Unser Motto lautet: ‚Jeder Geimpfte zählt‘. Die Ansteckungsgefahr wird dadurch reduziert und Geimpfte werden keine Intensivbetten belegen.“

70 Prozent der Gesamtbevölkerung müssten geimpft werden, so Wittermann, um eine Herdenimmunität gegen Covid-19 zu erreichen. Pro Tag werden derzeit im Zentrum 100 Impfdosen gespritzt, dieselbe Menge wird von mobilen Teams in Alten- und Pflegeheimen verabreicht. Doch der Impfbetrieb ist von den Nachschublieferungen abhängig. „Es ist immer noch nicht so, dass wir den Impfstoff verlässlich bekommen“, bedauert Landrätin Andrea Jochner-Weiß. Ihr wäre es lieber gewesen, wenn aufgrund der vielen „Unwägbarkeiten“ mit dem Impfstart im Landkreis erst Anfang Februar begonnen hätte werden können. Doch das Gesundheitsministerium habe Druck gemacht.

Warten auf den Impfstoff

Am morgigen Freitag muss das von den Johannitern betriebene Impfzentrum laut Verwaltungsleiter Christian Achmüller „wieder auf null zurückfahren“. Erst am Dienstag wird die nächste Impfstofflieferung erwartet. Die Termine für die Zweitimpfung seien aber gesichert. „Da braucht keiner Angst haben“, so Achmüller. Zielgruppe für die Impfungen ist aktuell ausschließlich die „Personengruppe 1“, die höchste Priorität besitzt und zu der neben Pflegepersonal unter anderem auch Senioren im Alter über 80 Jahren gehören. Letztere werden im Laufe der nächsten Woche ein Schreiben erhalten, in dem über das Impfangebot informiert wird. Ein Aufklärungsbogen und eine Einwilligungsbestätigung sind den Unterlagen bereits beigefügt. Eine Impfpflicht – wie es in dem Brief ausdrücklich heißt – besteht „selbstverständlich nicht“. Die Verantwortlichen im Landratsamt und im Impfzentrum bitten darum, trotz des Schreibens mit den Terminabfragen noch zu warten – um die Angelegenheit zu entzerren. „Es sollen nicht alle in den ersten zwei Tagen anrufen“, appelliert die Landrätin an die Geduld der Senioren. Im Landkreis gibt es derzeit rund 9 800 Bürger im Alter Ü 80. Neben der Hotline, das Callcenter wurde inzwischen personell aufgestockt, ist auch eine Online-Terminvergabe möglich. „Das wäre uns am liebsten. Online ist für alle entspannter“, so Achmüller. Die „Personengruppe 1“ soll in zehn Wochen durchgeimpft sein.

Eine Impfstoffauswahl gibt es im Impfzentrum bislang noch nicht. Der aufgrund der Einhaltungspflicht von Kühlketten schwer aufzubewahrende Moderna-Impfstoff wird derzeit primär an Kliniken geliefert. Das Impfzentrum in Peißenberg bekommt gegenwärtig den Biontech-Impfstoff, der zwar eine Schutzrate von 98 Prozent aufweisen soll, aber laut Wittermann logistisch ebenfalls „nicht gut zu händeln“ sei. „Der Impfstoff ist für Hausärzte deshalb nicht geeignet.“ Genau die spielen mittelfristig aber eine wichtige Rolle in der Impfstrategie. Nur über die Arztpraxen, so Wittermann, könne man die Impfungen in die Breite der Bevölkerung tragen. An entsprechenden Impfstoffen werde bereits gearbeitet: „Bis Mitte des Jahres kann da durchaus was kommen.“

Bis Mitte des Jahres läuft vorerst auch der Vertrag zwischen dem Landkreis und den Johannitern. Neben Peißenberg plant der Betreiber, jeweils an zwei Tagen in der Woche Termine mit mobilen Impfteams auch in Schongau und Penzberg anzubieten. „Dort wird aber nicht im großen Stil geimpft werden können“, relativiert Achmüller. Als Standorte sind die jeweiligen Krankenhäuser angedacht. Startschuss für die „Impf-Filialen“ soll Anfang Februar sein. „Das haben wir angepeilt. Wir sind mit den Planungen aber erst ganz am Anfang und müssen schauen, ob es funktioniert und praktikabel ist.“

Von Bernhard Jepsen

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