Universitäre Medizin für den Landkreis

Brückenschlag zwischen MRI, Krankenhaus GmbH und Ärztlichem Kreisverband

Dr. Silke Wunderlich und PD Dr. Christian Maegerlein versorgen gemeinsam mit den Kollegen aus München einen Schlaganfallpatienten.
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So sieht die Medizin der Zukunft aus: Dr. Silke Wunderlich und PD Dr. Christian Maegerlein können von München aus einen Schlaganfallpatienten gemeinsam mit ihren Kollegen in Weilheim versorgen. Das Bild stammt aus einem Imagefilm für das Projekt. 
  • Ursula Gallmetzer
    VonUrsula Gallmetzer
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Weilheim-Schongau – Von den medizinischen Entwicklungen an Universitätskliniken profitieren meist nur die Patienten vor Ort. Das soll sich nun ändern. Durch die Kooperation „Brückenschlag“ kommen die neuesten Behandlungsmethoden auch im Landkreis Weilheim-Schongau zum Einsatz.

Ungewohnt nervös begann Landrätin Andrea Jochner-Weiß ihren Beitrag in der großen Gesprächsrunde, zu der sie mit weiteren zehn Mitstreitern am Dienstag ins Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (MRI) angereist war: „Ich bin der glücklichste Mensch hier herinnen“, sagte sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht beim Treffen der Verantwortlichen des Projekts „Brückenschlag“, das live auch ins Weilheimer Landratsamt übertragen wurde.

Die breit angelegte Kooperation sichert die Zusammenarbeit zwischen der Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau, dem MRI und dem Ärztlichen Kreisverband Weilheim-Schongau. Jochner-Weiß war es, die vor rund drei Jahren den Stein ins Rollen brachte, als sie mit einer Delegation im MRI zu Besuch war. Sie war angenehm überrascht, dass man sich auf Augenhöhe begegnete. „Wir werden alles unternehmen, dass den Menschen bei uns die qualitativ beste Medizin angeboten wird“, erklärte die Landrätin die Intention des Vorhabens. So sei sie froh, den „Vorzeigepartner MRI“ gewonnen zu haben. „Wir holen universitäre Medizin in den Landkreis“, verkündete sie stolz.

Prof. Dr. Markus Schwaiger betonte, dass die Krankenhäuser auf keinen Fall miteinander konkurrieren. Viel mehr sah der Ärztliche Direktor des MRI Vorteile für beide Seiten. Pflegepersonal und Mediziner können die Abläufe in den anderen Kliniken kennenlernen und zahlreiche Patienten müssen erst gar nicht nach München gebracht werden, wo die Betten ohnehin knapp sind. Außerdem können diejenigen, die doch nach München müssen, wieder zurückverlegt werden, wenn es ihnen besser geht.

Es sei möglich, dass „der Patient ohne viel Bürde die Therapie erhält, die für seine Krankheit richtig ist“, sagte Schwaiger. Innovationen sollen durch die Partnerschaft flächenweit angewendet werden. Wichtig sei es, die niedergelassenen Ärzte einzubinden. Sie können sich künftig direkt an die Spezialisten in München wenden und auch die Patienten können selbst Fragen an die Fachärzte stellen. „In der Telemedizin gab es bereits im letzten Jahr einen wahnsinnigen Schub“, sprach Dr. Karl Breu für seine rund 800 Kollegen im Ärztlichen Kreisverband Weilheim-Schongau. Der „Brückenschlag“ sei nun ein nächster Schritt auf dem Weg in die Zukunft. Schwaiger ergänzte: „Die Kommunikationswege existieren, aber sie müssen noch professionalisiert werden.“

Die ersten Menschen konnten schon von der Zusammenarbeit des MRI, der örtlichen Krankenhäuser und der Ärzte im Landkreis profitieren. Acht Schlaganfallpatienten sind seit Januar im Landkreis erfolgreich mit den neuen Methoden behandelt worden.

„Da hat man schon Tränchen in den Augen, wenn eine 80-Jährige nach ein paar Tagen wieder spricht“, zeigte sich Prof. Dr. Andreas Knez, Ärztlicher Direktor im Krankenhaus Weilheim, begeistert. Bei Schlaganfällen ist es wichtig, keine Zeit zu verlieren. So können Patienten sich sicher sein, dass sie – egal zu welcher Uhrzeit – gemeinsam von Medizinern aus dem hiesigen Krankenhaus und dem MRI begutachtet werden. Vor der Kamera können Bewegungsmuster abgefragt und Lähmungen angesehen werden, parallel dazu sehen alle beteiligten Mediziner an den Bildschirmen nötige Aufnahmen des Computertomographens. Entsprechend der gemeinsamen Analyse fällt das weitere Vorgehen aus. Im Notfall macht sich ein Münchner Spezialist sofort auf den Weg nach Weilheim oder Schongau, um zu helfen. Das Ziel: die „beste Gesundheitsversorgung mit allem, was verfügbar ist und nicht, wo es verfügbar ist“, wie es Diversitätssoziologin Dr. Elisabeth Wacker an der TUM auf den Punkt brachte.

„Wir haben die gleiche Blickrichtung: die in Richtung des Patienten“, verdeutlichte Dr. Elke Frank, Kaufmännische Direktorin des MRI. Thomas Lippmann pflichtete ihr bei. Er habe keine Angst eines Identitätsverlustes seiner Häuser, gab der Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH zu verstehen: „Als kleine Kliniken müssen wir loslassen können.“ Dies beinhalte sich einzugestehen, dass man nicht alle Leistungen alleine erbringen könne. Umso wichtiger sei es, dass die Kooperation die medizinische Qualität in den Fokus rücke. Dann entstehe auch das „Abfallprodukt Wirtschaftlichkeit“ automatisch. Dennoch hatte er noch einen Appell an Schirmherrin Ilse Aigner, denn: „Ein Hubschrauberlandeplatz und genügend Parkplätze gehören da dazu“.

Auch in weiteren Bereichen könnte die Telemedizin in Weilheim und Schongau künftig zum Einsatz kommen. „Eine sich anbahnende Langzeitehe“ könne sich gar entwickeln, scherzte Lippmann. „Wir müssen das Schritt für Schritt entwickeln“, hofft auch Schwaiger, der in der kommenden Woche in Rente geht, dass auch sein Nachfolger die Kooperation vorantreiben wird. Gerade im Bereich der Krebsbehandlung oder bei Stoffwechselerkrankungen sei eine Weiterentwicklung denkbar. Die Landrätin ist sich sicher: „Das ist der beste Weg für die nächsten Jahrzehnte.“

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