Corona-bedingte Einbrüche

Hospizverein im Pfaffenwinkel ringt um Spenden

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Dr. Anton Schuster (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Hospizverein im Pfaffenwinkel), Renate Dodell (Vorsitzende Hospizverein und stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrates) sowie Thomas Dorsch (Vorsitzender des Stiftungsrates) (v. links) würden sich freuen, wenn die neuen Spendenboxen gefüllt werden.

Landkreis – Die Corona-Pandemie trifft fast alle Lebensbereiche. So steht auch der Hospizverein im Pfaffenwinkel derzeit vor großen Problemen: Ein dramatischer Einbruch an Zuwendungen für die Stiftung zeichnet sich ab. Mit Spendenboxen will der Verein nun eine Verbesserung der Lage erzielen.

Stitftungsratsvorsitzender Thomas Dorsch erläutert die Problematik beim Pressetermin in den Räumen des Hospiz im Kloster Polling: Es finden nicht viele Veranstaltungen statt und das bringt den Verein finanziell in eine kritische Lage. Lagen die Spenden und Zustiftungen 2019 noch bei rund 113.000 Euro, so konnten in diesem Jahr bisher lediglich 32.000 Euro an Eingängen verbucht werden, ergänzt der Vorsitzende des Stiftungsvorstandes Dr. Anton Schuster.

Nach wie vor finden Beerdigungen im kleinen Kreis statt, weshalb es kaum Spendenaufrufe in Todesanzeigen gebe, so Schuster weiter. Auch zahlreiche Vereins- und Betriebsfeste fallen aus, deren Erlös bisher für die Hospizarbeit gestiftet worden sei. „Bei vielen Menschen dürfte aber auch eine große Verunsicherung angesichts der momentanen Lage herrschen“, so der Vorstandsvorsitzende.

Die Stiftung hat die langfristige Förderung der regionalen Hospiz- und Palliativarbeit zum Ziel. Mit den jährlichen Erlösen aus dem Stiftungsvermögen und den Spenden, die nicht in das Grundstockvermögen einfließen, werden vor allem Tätigkeiten des Hospizvereins im ambulanten wie auch im stationären Bereich unterstützt, ebenso die Arbeit der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung.

Die gesamte Hospizarbeit wird von den Krankenkassen nicht vollumfänglich gegenfinanziert. Das verbleibende Defizit muss durch Spenden ausgeglichen werden. Weitere Stiftungszwecke sind die Finanzierung von Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie die Förderung und Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements und der Öffentlichkeitsarbeit.

„Wir benötigen 220.000 bis 250.000 Euro Spenden, um auf Null rauszukommen“, verdeutlicht die Vorsitzende des Hospizvereins Renate Dodell, die die Stiftung als die „mittlere Lebensversicherung des Vereins“ bezeichnet. Dabei seien es oft nicht die großen Spenden, sondern die kleinen Beträge, die den Verein tragen. „Auf die sind wir angewiesen, Kleinvieh macht eben auch Mist“, verdeutlicht Dodell.

Aus diesem Grund wollen Dodell, Schuster und Dorsch nun 100 neue Spendenboxen unters Volk bringen. „Wir freuen uns über jeden, der eine Spendenbox bei sich im Geschäft oder in der Gaststätte aufstellen will“, so die Vereinsvorsitzende. „Ich bringe sie auch gerne persönlich vorbei“, bietet Dodell an.

Während Corona große Auswirkungen auf die Spendensituation entfaltet hat, hat das Virus für die Arbeit im Hospiz bisher kaum Veränderungen mit sich gebracht. „Wir hatten zum Glück keinen Corona-Verdacht bei uns“, sagt Dodell. Zehn Plätze stehen im Kloster Polling zur Verfügung. Derzeit darf niemand ohne negativen Test aufgenommen werden. „Aber wir haben kein Besuchsverbot und niemand musste alleine sterben“, so die Vereinsvorsitzende.

Wichtig sei es nach wie vor, dass die Patienten und Angehörigen in persönlicher Atmosphäre Abschied nehmen können. Kosten tut sie das nichts. Dass sich für den Abschied auch Zeit genommen wird, verdeutlicht Dodell: „Wenn jemand verstirbt, darf er noch mindestens 24 Stunden bleiben.“

asn

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