Pressekonferenz zur aktuellen Lage

Corona: Fünf Todesfälle im Schongauer Krankenhaus - Staatsanwaltschaft ermittelt

Krankenhaus Schongau
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Krankenhaus Schongau

Schongau - Nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am heutigen Freitag informierten Krankenhaus-Geschäftsführer Thomas Lippmann sowie die Ärztlichen Direktoren Prof. Dr. Andreas Knez (Weilheim) und Dr. Michael Platz (Schongau) in einer Pressekonferenz über die aktuelle Lage am Schongauer Krankenhaus. Dabei ging es vor allem um die fünf Todesfälle in der Klinik, die am gestrigen Donnerstag bekannt wurden. Bereits seit zwei Wochen kämpft man in dem Krankenhaus gegen die zahlreichen Corona-Infektionen unter den Mitarbeitern und Patienten.

Die fünf Verstorbenen seien alle „hochbetagte und seit langem multimorbide Patienten“ gewesen, so Lippmann. Konkret bedeutet das: zwei waren über 90 Jahre alt, zwei über 80 und einer über 70. Alle hätten verschiedene, schwere Vorerkrankungen gehabt. Auf die Frage, ob sich die Verstorbenen im Krankenhaus infiziert hätten, antwortet man zunächst ausweichend: „Es werden nur negativ getestete Patienten auf der Station aufgenommen.“ Auf Nachfrage dann ein klareres Statement: „Die Patienten haben das Corona-Virus bei uns aufgefangen.“ Zwar würden strenge Besucherregeln herrschen, doch Besucher an sich seien gestattet gewesen. Ob sich die fünf Verstorbenen also von außen oder bei Mitarbeitern infiziert haben, könne nicht abschließend geklärt werden.

Mit aus diesem Grund hat man wohl auch die Staatsanwalt und die Kriminalpolizei eingeschaltet. „Am gestrigen Tage haben wir proaktiv die Staatsanwaltschaft München II über die fünf Todesfälle in Kenntnis gesetzt. Ebenso haben wir die Kriminalpolizeiinspektion Weilheim über den Sachverhalt informiert“, so Lippmann. Hintergrund dieser Anzeige sei es, dass man die Schaffung einer vollständigen Transparenz für zwingend erforderlich halte. „Nur auf diese Weise bleibt Vertrauen erhalten bzw. kann neu wachsen“, hofft der Geschäftsführer. Man sei deshalb auf die Ermittlungsbehörden zugegangen, „um hierzu eine lückenlose Aufklärung anzustoßen“. Weitere Hintergründe zu den Krankheitsverläufen und Angaben über die Todesursachen macht Lippmann mit Verweis auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte der Verstorbenen nicht.

Schongaus Ärztlicher Direktor Platz führt auf Nachfrage weiter aus: „Mit Covid sind alle fünf Patienten gestorben und nicht an.“ Allerdings glaube das nicht jeder. Alle Mitarbeiter seien trotz allem hoch motiviert und bedauerten den Corona-Ausbruch, so Platz weiter, der auch den Angehörigen der Verstorbenen sein Beileid aussprach. Ziel sei es nun weiterhin, die Gesundheitsvorsorge zu sichern.

Mit Stand heute, 6. November, sind 88 Mitarbeiter und 14 Patienten im Schongauer Krankenhaus positiv auf Covid-19 getestet. Dass der Ausbruch etwas mit der Abschlussfahrt von Absolventen der Krankenpflegeschule nach Berlin Anfang Oktober zu tun haben könnte, weist auch Krankenhaus-Geschäftsführer Lippmann entschieden von sich. Die Reise stünde in keinem Zusammenhang mit dem Corona-Ausbruch unter den Mitarbeitern.

Ein Ausblick

Die am 26. Oktober behördlich angeordnete häusliche Quarantäne der 600 Mitarbeiter am Standort Schongau läuft heute aus. Ab Montag, 9. November, werden diese Mitarbeiter wieder ihre Tätigkeite aufnehmen können. Es bestehe nach wie vor im Haus in Schongau für den Regelbetrieb ein Aufnahmestopp von Patienten, mit Ausnahme von Covid-19 positiven Patienten, erklärt Lippmann. „Leider bleibt auch nach wie vor ein Besucherstopp in Kraft.“ Wann die Geburtsstation wieder in Betrieb genommen werden kann, muss außerdem weiter unklar bleiben. Bisher gebe es dafür keinen Zeitplan.

Derzeit werden vier Corona-Patienten auf der Intensivstation in Schongau betreut. Insgesamt stünden hier 13 Betten zur Verfügung.

Astrid Neumann

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