Neuer Alltag im Tierheim

Das Schongauer Tierheim ist in Corona-Zeiten großteils auf sich allein gestellt

Das Team vom Schongauer Tierheim.
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V. li.: Aushilfe Johannes Hohenthaner, Tierheimleiterin Elke Keller, Auszubildende Allegra Rudek und Bundesfreiwilliger Max Geißler versorgen ihre Schützlinge. Auch Hündin Lilly, die Deutsche Dogge rechts im Bild, gehört zum Tierheimpersonal.

Schongau/Landkreis ‒ Auch das Schongauer Tierheim hat mit den Einschränkungen, welche die Corona-Pandemie mit sich bringt, zu kämpfen. Beispielsweise dürfen Ehrenamtliche und Gassi-Geher derzeit das Tierheim nicht unterstützen.

Das Team um Leiterin Elke Keller ist daher bei der Versorgung der aktuell 80 Tiere auf sich gestellt. Zum einen freut man sich deswegen auf die Zeit nach Corona und darauf, dass Helfer wieder kommen dürfen. Zum anderen befürchtet Keller, dass nach der Pandemie-Zeit wieder viele Tiere bei ihnen abgegeben werden.

Denn gerade während des Lockdowns spielt der ein oder andere mit dem Gedanken, sich ein Haustier zur Gesellschaft anzuschaffen. Diese – egal ob Katze, Hund oder Hase – brauchen jedoch auch nach der Aufhebung der Beschränkungen viel Aufmerksamkeit und Zeit.

Im Moment beherbergt das Tierheim in Schongau 51 Katzen, 17 Hunde, elf Wasserschildkröten und eine Kornnatter. Die anfallende Arbeit muss das Team zur Zeit allerdings alleine stemmen. Elke Keller leitet das Tierheim mit der aktuell sechsköpfigen Mannschaft inzwischen schon seit 15 Jahren.

Normalerweise nehmen Ehrenamtliche, Gassi-Geher, Praktikanten und Sozialstunden-Leistende dem Team viel Arbeit ab. Gassi-Geher fragen an, ob sie mit einem Hund spazieren gehen dürfen. „Aber das ist zur Zeit nicht möglich“, sagt Keller. Der Publikumsverkehr entfällt komplett. Stattdessen muss die Mannschaft die ganze Arbeit alleine bewältigen. Zu Kellers Team gehören ein Tierpfleger, eine Auszubildende, ein Angestellter und zwei, die gerade ihren Bundesfreiwilligendienst leisten. Bei all der Arbeit, die die 80 Tiere mit sich bringen, ist ein guter Plan wichtig: Vormittags werden die Tiere versorgt. Dann gilt es auch die Hundezwinger, Katzen-, Quarantäne- und Krankenzimmer sauber zu machen. Die Hunde bekommen vormittags zur Zeit nur auf dem Gelände ihren Auslauf. Erst nachmittags bleibt dem Team Zeit, mit den Vierbeinern Gassi zu gehen. Aber auch die vielen Katzen müssen beschäftigt werden. „Manche Tiere müssen sich auch erst wieder an den Menschen gewöhnen. Da ist es dann wichtig, dass wir viel Zeit mit ihnen verbringen“, sagt die 67-Jährige Tierheimleiterin.

Menschen, die ein Tier aus dem Tierheim adoptieren möchten, können nicht mehr spontan während den Öffnungszeiten vorbeischauen. Sie müssen jetzt vorher einen Termin vereinbaren. Bei der Vermittlung vertraut Keller auf ihr Bauchgefühl. Seit 15 Jahren macht sie das schon und merkt schnell, ob sich Menschen ein Tier nur zum Zeitvertreib anschaffen wollen. Bei Besitzern, die bereits ein Tier hatten, sei das anders. Die wüssten, was ein Tier alles mit sich bringt, sagt Keller.

Vor Kurzem erst wurden drei Katzen abgegeben. Die Halter hatten sich die Katzen aus einem anderen Tierheim geholt. Weil sie jetzt aber wieder arbeiten und keine Zeit mehr für die Tiere hatten, haben sie die Katzen abgegeben, erzählt Keller. Manchmal ist es aber auch ein Schicksal, wie eine Krankheit, weswegen die Halter ihre Tiere ins Tierheim bringen müssen.

Eine Katze zum Mieten?

„Wir bekommen gerade auch Anfragen, ob wir Tiere vermieten – das geht auf keinen Fall“, sagt Keller. Sie seien vielmehr daran interessiert, den Tieren ein endgültiges Zuhause zu vermitteln. Pflegestellen sind aber weiterhin möglich. Hier können sich Tierfreunde melden und Tiere zeitweise bei sich zuhause versorgen. Dabei würde es sich aber um Tiere handeln, die aufgrund ihres Alters oder einer Krankheit eine besondere und aufwendigere Pflege brauchen.

Die Zahl von Fundtieren, also Tiere die ausgesetzt wurden, sei während der Corona-Zeit bisher nicht gestiegen. Keller befürchtet allerdings, dass nach dem Lockdown viele Tiere ausgesetzt oder abgegeben werden, da sich der Alltag der Menschen wieder verändern wird und die Zeit für das Haustier wegfällt.

Neben der praktischen Hilfe von Ehrenamtlichen ist das Tierheim auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Da letztes Jahr keine Feste und Flohmärkte stattfinden konnten, an denen traditionell Kaffee und Kuchen zu Gunsten des Tierheims verkauft wurde, fehlt Geld. „Wir sind froh über Sachspenden. Das waren jetzt auch mehr als im Jahr davor. Die finanziellen Mittel fehlen trotzdem. Die brauchen wir zum Beispiel für Tierarztkosten.“ Feiern für dieses Jahr sind noch nicht vorgesehen. Keller möchte abwarten, bis sie sicher planen kann.

Von Linda Borlinghaus

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