Zahl der Ratsuchenden steigt

Die Katholische Jugendfürsorge erreichte 2019 über 2 000 Personen

Hände halten „Papierfamilie“
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Immer mehr Menschen wenden sich an die Katholische Jugendfürsorge.

Landkreis – Immer mehr Kinder, Jugendliche und Eltern nehmen die Hilfe der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) in Anspruch. Die steigenden Fallzahlen gehen auch auf ein ausgebautes Angebot zurück. Im Jugendhilfeausschuss wurde der Jahresbericht 2019 vorgestellt.

Die Kernaufgabe der KJF ist es, Hilfe und Beratung für Eltern, Kinder und Jugendliche anzubieten. Dabei kann es zum Beispiel um die Klärung und Bewältigung individueller und familienbezogener Probleme und Lösungen von Erziehungsfragen gehen. Auch bei Fragen der Partnerschaft, Trennung und Scheidung kann die KJF helfen. Nicht zu vergessen ist die Zusammenarbeit mit entsprechenden Stellen bei Kindeswohlgefährdung. Konkret sieht die Arbeit dann so aus: Die elf Mitarbeitenden in den drei Standorten in Schongau, Weilheim und Penzberg bieten zum Beispiel Elterncafés an. Auch ein Vätertreff oder Trennungs- und Scheidungsgruppen für Kinder von acht bis zwölf Jahren finden regelmäßig statt. Die „Pegasus“-Kindergruppe richtet sich indes an Kinder und Familien mit psychisch erkrankten Eltern.

Wie in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses klar wurde, gibt es immer mehr Menschen, die all diese Angebote wahrnehmen. Kurt Dorn vom Schongauer Standort berichtete von den Fallzahlen. Im vergangenen Jahr wurden 991 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene betreut. Zum Vergleich: 2017 waren es laut Dorn 747. Insgesamt wurden 2 113 Personen innerhalb der Familien mit den Angeboten der KJF erreicht.

Beratung der gesamten Familie

Dorn erläuterte auch die Gründe, weshalb die Ratsuchenden zu ihnen kamen. Belastung durch familiäre Konflikte (63,7 Prozent), eingeschränkte Erziehungskompetenz der Eltern (42,2) und Belastung durch Problemlagen der Eltern (19,5) waren die häufigsten Gründe für die Hilfegewährung.

Entwicklungsauffälligkeiten oder seelische Probleme bei Kindern spielen mit 30,9 Prozent ebenfalls eine große Rolle. Wobei Dorn einen Zusammenhang sieht: „Wenn wir bei den Konflikten in der Familie ansetzen, dann können wir auch bei den Entwicklungsauffälligkeiten was verändern.“ Das eine sei durch das andere bedingt, weshalb es auch wichtig sei, systemisch zu arbeiten. Soll heißen, es wird bei der Beratung die gesamte Familie und gegebenenfalls auch die Schule oder andere Stellen miteinbezogen. Wie Dorn weiter erzählte, habe man im vergangenen Jahr besonders viele Kinder im Vorschul- und Grundschulbereich erreicht. Das liege am Ausbau der aufsuchenden Arbeit. „Wir gehen mehr in die Einrichtungen.“ Auch Hausbesuche, etwa bei jungen Müttern, die unter einer postnatalen Depression leiden, seien deutlich angestiegen.

Dass die aufsuchende Arbeit so gesteigert werden konnte, liegt auch an der finanziellen Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales. Dadurch konnte, zunächst auf zwei Jahre beschränkt, eine zusätzliche halbe Stelle geschaffen werden. Das war wohl auch bitter nötig. Wie die Leiterin der KJF-Stellen Mechtild Gödde in ihrem Vorwort zum Jahresbericht schreibt, bewege man sich „hart an der Obergrenze der Belastbarkeit“.

Dennoch schaffen es die Mitarbeitenden, die Wartezeiten für ihr Angebot sehr gering zu halten. 2019 konnten 46,5 Prozent der Beratungen innerhalb einer Woche nach Anmeldung beginnen. Bei 18 Prozent war es innerhalb von zwei Wochen.

Für die Zukunft ist noch eine Außensprechstunde in Peißenberg geplant, wie Dorn zum Schluss erklärte. Das Thema Cybermobbing, das Ausschussmitglied Alexander Majaru (SPD) ansprach, wird wohl ebenfalls zukünftig eine wichtige Rolle in der Beratung spielen. Kürzlich gab es dazu eine Inhouseschulung für die Mitarbeitenden. Allerdings betonte Dorn: „Das ist ein gigantischer Bereich. Wir müssen uns erst sortieren.“

Von Stephanie Novy

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