Zwischen Hoffnung und Ratlosigkeit

Einzelhändler im Landkreis äußern sich zur momentanen Einkaufssituation

Symbolfoto: Maske und Schnelltest.
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Im Einzelhandel herrscht großteils Testpflicht. Die Geschäftsinhaber erklären, wie sie die Situation sehen.
  • vonRasso Schorer
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Landkreis – Der Landkreis Weilheim-Schongau liegt momentan zwischen einer Inzidenz von 100 und 200. Daher ist in vielen Geschäften Click&Meet nur unter Vorlage eines negativen Corona-Tests möglich. Der Kreisbote hat bei einigen Einzelhändlern im Landkreis nachgefragt, wie sie und ihre Kunden damit umgehen.

Laut Benedikt Daller, der unter anderem in Weilheim ein Trachtengeschäft betreibt, kamen in den ersten Tagen nicht viele Kunden. Jedoch würden gerade auch die Anlässe, wie Feste oder Hochzeiten, fehlen, um sich eine neue Tracht anzuschaffen. Er hofft auf den Ausbau der Testkapazitäten – am Freitag wurde eine Teststation am Weilheimer Marienplatz eröffnet. Für Dallers Laden, der in unmittelbarer Nähe liegt, ist das ein großer Vorteil. Jedoch sei die Station seiner Meinung nach für alle gut. Auch Geschäfte, beispielsweise in der Pöltnerstraße, könnten davon profitieren. Die neue Testmöglichkeit sei zwingend notwendig und „ein super Zeichen“. Er glaubt aber auch, dass es vielen Kunden schwer fällt bei den Regeln den Überblick zu behalten. Es werde noch eine Zeit brauchen, bis man sich daran gewöhnt habe. Ihm sei allerdings kein Fall bekannt, bei dem ein Kunde ohne Test in einen seiner Läden spazieren wollte. Diese seien aber auch nicht so hoch frequentiert wie zum Beispiel Baumärkte.

Florian Lipp vom Kaufhaus Rid (Vorsitzender des Vereins für Standortförderung Weilheim) bietet momentan nur Click&Collect an, da der Einkauf für seine Kunden „aus unserer Sicht“ gerade relativ mühselig“ sei. Dies sei aber nur eine vorübergehende Maßnahme und die Lieferung von Waren ist ebenfalls weiter möglich. Die aktuellen Beschränkungen würden die Situation zusätzlich erschweren, weswegen er sich eine baldige Besserung wünscht. „Der Einzelhandel ist kein Infektionsherd“, stellt der Geschäftsmann klar. Als Beleg nennt er unter anderem Studien von der Berufsgenossenschaft Handel und dem Robert-Koch-Institut. Deswegen sei die Schließung von Geschäften für ihn nicht verständlich. Auch er hofft auf weitere Testmöglichkeiten, vor allem wenn die momentane Situation anhält. Jedoch würden sich dafür „wir alle“, unter anderem auch die Stadt, bemühen.

Ausfallende Kunden

Negative Erfahrungen hat Christine Hapfelmeier von Schuh Sport und Mode Hapfelmeier gemacht. Die Leute würden sich überhaupt nicht mehr auskennen und die genauen Regeln seien viel zu wenig kommuniziert worden. Auch wo es Testmöglichkeiten gibt – mit oder ohne Anmeldung – sei für viele unzureichend ersichtlich. Manche Kunden würden sogar ausfallend reagieren, weil sie glauben, dass die Einzelhändler die Beschränkungen erhoben haben. Es sei ein „heilloses Durcheinander“ – „und jeder fragt uns.“ Hapfelmeier hat das Gefühl, dass „wir“, zum Beispiel Einzelhändler, Gastronomen und Fitnessstudiobetreiber, dafür zuständig gemacht würden, dass das Gesundheitssystem nicht zusammen bricht. Die Geschäftsfrau würde sich stattdessen wünschen, dass mehr Zeit und Geld in die Akquise von neuen Pflegekräften gesteckt wird. Besonders leid tut es ihr, wenn sie ältere Menschen, die sich mit der Informationsbeschaffung im Internet schwer tun, wieder wegschicken muss.

Anton Perchermeier, Goldschmiede Perchermeier, hält nicht viel von Schnelltests zum selbst durchführen. Deswegen brauchen Kunden bei ihm einen Nachweis von einer offiziellen Teststation. Click&Collect ist außerdem weiterhin möglich. Wie die Beschränkungen von den Kunden angenommen werden, konnte er zum Zeitpunkt unserer Nachfrage noch nicht ausreichend beurteilen.

Als abzusehen war, dass der Landkreis die Inzidenz von 100 überschreitet, war für Christian Echter vom Modehaus Echter klar, dass es eine Teststation im Ortszentrum braucht. Niemand würde zum einkaufen kommen, wenn er dafür erst einen Test weiter entfernt machen muss. Er sei relativ überrascht gewesen, dass es auf seine Nachfrage damals kein Interesse von behördlicher Seite gab. Deswegen richtete er auf seinem Kundenparkplatz selbst eine Teststation ein. Diese steht allen – egal ob Kunde oder nicht – kostenlos und ohne Anmeldung zur Verfügung. Die Station ist, wenn das Modehaus geöffnet hat, wochentags von 10 bis 17.30 Uhr und samstags von 10 bis 15.30 Uhr zugänglich. Er geht davon aus, dass sich die Leute noch an die neue Situation gewöhnen müssen. Vor einem Jahr habe man sich auch noch nicht vorstellen können, mit Maske einzukaufen. Viele hätten aufgrund früherer Erfahrungen einen Test noch als unflexibel und kompliziert abgespeichert. Es werde aber von Tag zu Tag besser – die Teststation wird gut angenommen.

Verunsicherung spürbar

Testmöglichkeiten gibt es auch rund um Huber Moden am Marienplatz in Schongau einige. Eingebettet in der Altstadt sind gleich mehrere Apotheken in der nächsten Nachbarschaft, die Teststation am Marienplatz ist wenige Schritte entfernt. „Aber wer macht jetzt schon einen Test, um einkaufen zu gehen“, fragt Andreas Huber. Am Freitag nutzte ein Kunde diese Möglichkeit, für Montag hatten sich zwei angekündigt. „Ein paar Abholer besorgen sich das Nötigste, Nacht- oder Unterwäsche.“ Doch insgesamt sei die Kundschaft verunsichert. „Oder die Leute warten auf die nächste grundlegende politische Entscheidung.“ Ein paar Kunden rufen an, um sich zu erkundigen, was erlaubt ist und was nicht. „Manche trauen sich aber wohl auch nicht nachzufragen.“ Und wieder andere wollen sich einfach aus Prinzip nicht testen lassen.

Das bestätigt Sebastian Lotz von Sprenger‘s Sportland in Schongau. Schon beim Click&Meet habe mitunter Unverständnis geherrscht, wenn es darum ging, seine jeweiligen Kontaktdaten zu hinterlegen. Von der nun eigens eingerichteten Testmöglichkeit, die Sprenger‘s Sportland anbietet, machen viele, aber längst nicht alle Kunden Gebrauch: „Was soll das denn jetzt, ich lass mich doch jetzt hier nicht testen?“, sei bisweilen die Reaktion. Der Test erfolge im Vier-Augen-Prinzip und gelte nur für den einen Einkauf vor Ort. Für weitere Stationen auf einer Shopping-Tour besitze er keine Gültigkeit. Genug Tests aufzutreiben, das sei kein Problem gewesen, so Lotz. „Auch wenn es nicht so günstig war, wie beispielsweise der Maskenkauf.“ Insgesamt verwende die verringerte Belegschaft einige Zeit dafür, Aufklärungsarbeit via Telefon zu leisten. Die Regeln wechseln oft, die Kunden kommen kaum noch mit: Ist offen, ist zu? Sind Click&Meet oder Click&Collect erlaubt? Wird ein Test benötigt oder nicht? „Es ist ein Wirrwarr“, findet Lotz. Doch die Leute kommen. Sein Fazit: „Es ist wirklich schwer, aber wir kommen zurecht.“

Als „sehr gemischt“ nimmt Markus Obermaier von Obermaier Augenoptik, Uhren & Schmuck die Situation wahr und begründet das mit dem Sortiment, das er in der Poststraße 7 in Peiting anbietet: Jene Kunden, die in den Bereich Optik wollen, müssen keinen Test vorlegen – solche, die sich für Schmuck interessieren, schon. Entsprechend verteile sich das Aufkommen. „Bei der Optik geht es“, hier sei eine Terminvereinbarung ohnehin gängiger, schildert Obermaier und verweist auf letztes Jahr, als komplett geschlossen werden musste. Aktuell liege die Kundenzahl 15 bis 20 Prozent hinter dem Normalzustand. Rund 50 Prozent weniger seien es hingegen beim Schmuck. Sich eigens hierfür vorab testen zu lassen, „darauf haben die Leute sehr wenig Lust“, so Obermaier. Auch sein Team leiste gerade viel Aufklärungsarbeit am Telefon. Als ungetesteter Kunde zunächst nach einer neuen Brille Ausschau zu halten und dann innerhalb des Geschäfts noch eine Uhr in Augenschein zu nehmen – das geht nicht. „Die meisten verstehen das nicht“, schildert Obermaier. „Das ist auch für uns saublöd“ – doch Vorgaben seien Vorgaben.

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