Von Einsparungen und echten Energieschleudern

Energiebericht 2019 liegt vor: Es ist noch Luft nach oben

Archivfoto: Landratsamtsgebäude in der Pütrichstraße.
+
Beim Landratsamtsgebäude in der Pütrichstraße soll untersucht werden, welche Maßnahmen zur CO2-Reduzierung möglich sind.

Landkreis – Der Landkreis will seine klimaschädlichen Emissionen reduzieren. In wie weit das bisher gelungen ist, davon berichtete der Leiter der Bau- und Liegenschaftsverwaltung des Landratsamtes Florian Steinbach in der jüngsten Umweltausschusssitzung. Auch die anstehenden energetischen Maßnahmen für 2021 waren im Gespräch.

So viel vorab: Ja, in den vergangenen Jahren wurden etliche Maßnahmen ergriffen, um die Liegenschaften des Landkreises umweltfreundlicher zu machen. Dennoch: Das globale Klima wird von diesen Anstrengungen wohl eher weniger profitieren. Doch alles der Reihe nach: Ziel ist es, die klimaschädlichen Emissionen um 40 Prozent zu reduzieren. Und zwar im Zeitraum von 1995 bis 2020. Ob das wirklich gelungen ist, lässt sich noch nicht sagen. Denn bisher stehen nur die Daten von 2019 fest. Diese stellte Steinbach den Ausschussmitgliedern nun vor.

Thema Wärme: Positiv ist, dass viele Liegenschaften im Landkreis mit Fernwärme beheizt werden. Nur die Stadt Weilheim schlägt da etwas aus der Reihe. Sie ist, wie Steinbach sagte, „erdgaslastig“. Insgesamt wurden 2019 10 774 MWh Wärme verbraucht. Das sind 2 406 Tonnen CO2. So wahnsinnig viel hat sich da gegenüber 1995 nicht getan. Damals lag der Verbrauch bei 11 862 MWh.

Der Grund dafür ist relativ einfach. Was Steinbach mehrmals betonte, ist, dass die Flächen der Liegenschaften in den vergangenen 25 Jahren deutlich zugenommen haben. So hat zum Beispiel die Realschule Schongau einen Anbau erhalten. Über 2 400 m2 Fläche sind dadurch hinzugekommen. Bei der Förderschule Penzberg waren es etwas mehr als 160 m2 und bei der Landwirtschaftsschule Weilheim gut 610 m2. Bedeutet also, wo mehr Fläche, da muss auch mehr geheizt werden.

Sieht man sich die einzelnen Liegenschaften an, fällt vor allem das Landratsamtsgebäude II in der Weilheimer Stainhartstraße auf. Hier konnte, wie aus dem Energiebericht hervorgeht, der Wärmeverbrauch um satte 47 Prozent reduziert werden. Steinbach erklärte, dass dies auf die Sanierung der Fenster und Fassaden zurückzuführen sei.

Ebenfalls positiv ins Gewicht fallen die Realschule und das Gymnasium Weilheim. Hier wurde immerhin 30 Prozent weniger Wärme verbraucht. Es gibt aber auch einige Negativbeispiele. Das Landratsamtsgebäude in Schongau am Schloßplatz hat um 16 Prozent zugelegt. Eine Sanierung ist laut Steinbach schwierig. Am alten Amtsgebäude in der Weilheimer Pütrichstraße könnte theoretisch investiert werden, aber bisher „ist hier noch gar nichts gemacht worden“.

Als „absoluten Ausreißer“ bezeichnete Steinbach das Sportzentrum und das Hallenbad in Weilheim. Dabei handele es sich um eine „uralte Immobilie“ und damit um eine „echte Energieschleuder“.

Profitiert das Klima?

Zusammengefasst: Der Wärmeverbrauch bei den Liegenschaften ist insgesamt um sieben Prozent gesunken. Den Klimaschutzmaßnahmen standen die gestiegenen Flächen gegenüber. Und genau hier liegt das Problem, wie auch Ausschussmitglied Prof. Dr. Stefan Emeis (Grüne) kritisierte. „Am CO2-Verbrauch hat sich nichts wesentliches getan.“ Waren es im Jahr 1995 2 585 Tonnen, sind es 2019 immer noch 2 406 Tonnen. Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU) wiederholte zwar nochmals Steinbachs Aussage der gestiegenen Flächen. Doch Emeis konterte: „Das globale Klima interessiert nur, was wir tatsächlich ausstoßen.“

Thema Strom: Hier werden die negativen Seiten der Digitalisierung sichtbar. Im Energiebericht von 2019 zeigt sich deutlich, dass der Stromverbrauch gegenüber 1995 stark angestiegen ist. In einigen Liegenschaften ist der Verbrauch zwar gesunken. In der Mehrzahl aber um neun bis 105 Prozent gestiegen. Steinbach nannte die technische Ausstattung als Grund. „In jedem Zimmer steht mittlerweile ein Rechner.“ Und auch zentrale Lüftungsanlagen, über die man in Zeiten von Corona froh sei, würden viel Strom verbrauchen.

So erhöhten sich die MWh von 1 532 im Jahr 1995 auf 2 726 im vergangenen Jahr. Jedoch merkte Steinbach an, dass 2013 komplett auf Ökostrom umgestellt wurde. Der CO2-Ausstoß konnte deshalb trotzt erhöhtem Verbrauch stark reduziert werden. Von 1 068 auf 91 Tonnen.

Thema Wasser: Der Verbrauch von Trinkwasser hat sich im Vergleichszeitraum um rund 16 Prozent reduziert, obwohl 2016 die Sporthalle in Penzberg hinzukam. „Schaut gut aus“, war dann auch das knappe Statement von Steinbach.

Der Energiebericht weist also ein eher durchwachsenes Ergebnis auf. Ob das Ziel, die Emissionen um 40 Prozent zu reduzieren, im vergangenen Jahr erreicht wurde, wird sich dann in rund einem Jahr zeigen, wenn die Zahlen für 2020 vorliegen.

Keine großen Maßnahmen

Bis dahin gibt es sicherlich noch einiges zu tun. Doch für das laufenden Jahr sind keine großen energetischen Maßnahmen geplant, wie Steinbach in der Sitzung erklärte. „Das heißt aber nicht, dass wir nichts tun.“ Die bisherigen Maßnahmen seien soweit abgeschlossen oder müssten nun zu Ende gebracht werden. Neue Projekte betreffend sagte Steinbach: „Wir arbeiten uns jetzt in das nächste rein.“ Sprich: Jetzt steht erstmal die Grundlagenermittlung an.

Im Auge haben die Verantwortlichen die Amtsgebäude in der Weilheimer Pütrichstraße und der Schongauer Bauerngasse. Auch die Realschule in Penzberg soll auf mögliche Maßnahmen hin untersucht werden.

Ebenfalls ein Thema wird die Schulturnhalle am Gymnasium Weilheim sein. Wegen der knappen Kasse des Landkreises wird im Kreistag diskutiert, ob statt dem Neubau nicht doch eine Sanierung ausreicht (wir berichteten). Außerdem stehen auf der To-do-Liste: der Pavillon an der Peißenberger Realschule, die Landwirtschaftsschule Weilheim, das Gymnasium Penzberg und der Altbau der Schongauer Realschule.

Von Stephanie Novy

Bilder, Videos und aktuelle Ereignisse aus Ihrer Heimat: Besuchen Sie den Kreisboten Weilheim-Schongau auch auf Facebook.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kommentare