Geburtstags-Interview mit Landrätin Jochner-Weiß

»Best Ager mit Ausdauer«

Landrätin Andre Jochner-Weiß Weilheim-Schongau
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Feierlichkeiten – wie hier die Wiedereröffnung des Steingadener Welfenmünsters – gehören für Landrätin Andrea Jochner-Weiß normalerweise zum Alltag.
  • vonRasso Schorer
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  • Astrid Neumann
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Landkreis – Familienfeiern sind seit einem Jahr Corona-bedingt kaum möglich. Vor dieser Situation steht nun auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß, die am heutigen Samstag einen runden Geburtstag begeht. Im Interview verrät sie dem Kreisboten, wie ihr Ehrentag ablaufen wird, blickt zurück und in die Zukunft. 

Grüß Gott Frau Landrätin, wie hätte Ihr runder Geburtstag denn unter normalen Umständen – ohne Corona – ausgesehen?

Jochner-Weiß: „Geplant war zum einen eine Feier in der Weilheimer Stadthalle mit meinen Landratskollegen, den Bürgermeistern, Kreisräten, Partei- und Geschäftsfreunden sowie langjährigen Wegbegleitern. Und dann natürlich eine Feier mit meiner Familie, meinen Freunden und Bekannten.“

Können Sie es während normalen Zeiten bei derlei Anlässen auch mal richtig krachen lassen? Was sind Sie für ein Party-Typ?

Jochner-Weiß: „Ja, ich bin schon der Typ Mensch, der gerne feiert, es gelegentlich auch mal krachen lässt und vor allem auch viel Ausdauer mitbringt!“

Nun gilt: „Hilft ja alles nix“. Wie wird Ihr Ehrentag ablaufen?

Jochner-Weiß: „Vermutlich wie ein ganz normaler Samstag – vielleicht mehr Telefonate, aber ansonsten völlig unspektakulär. Mit meinen engsten Freunden werde ich wohl digital anstoßen. Mehr aber nicht, weil ich hoffe, dass wir dies baldmöglichst persönlich nachholen können.“

Wird bei Gelegenheit nochmal in größerem Rahmen nachgefeiert?

Jochner-Weiß: „Auf alle Fälle. Auch wenn ich noch nicht weiß wann, wie und wo, freue ich mich heute schon darauf, weil ich eben gern feiere.“

Mit 60 – geht es da erst richtig los oder gehört man schon zum „alten Eisen“? Wie nehmen Sie das Älterwerden wahr?

Jochner-Weiß: „60 ist ja bekanntlich das neue 40 – und um ehrlich zu sein, manchmal fühle ich mich nicht mal wie 40. Also dauert es hoffentlich noch lange, bis ich zum ‚alten Eisen‘ gehöre. Wir führen heute ja auch einen wesentlich ‚jüngeren Lebensstil‘ als die Generationen vor uns, deshalb ist man mit 60 höchsten falls ein Best Ager. Also egal, welches Alter in meinem Ausweis steht, ich bin immer noch zu fast allen ‚Schandtaten‘ bereit.“

Wie blicken Sie auf die bisherigen 60 Jahre zurück?

Jochner-Weiß: „Es klingt jetzt zwar ziemlich abgedroschen, aber ich sehe tatsächlich dankbar zurück. Ich hatte bisher sehr viel Glück im Leben. Seit über 30 Jahren mit demselben Mann verheiratet, drei Kinder, auf die ich sehr stolz bin, Eltern, die noch Mitten im Leben stehen und einen Beruf, den ich mit Leidenschaft ausübe! Dazu kommt ein unglaublich toller Freundeskreis und viele unvergessliche Begegnungen und Glücksmomente. Zur Wahrheit gehören natürlich auch dunkle Stunden und Tage wie z.B. beim Verlust eines nahen Angehörigen, die schwer zu bewältigen waren und sind.“

Sie sind im Landkreis aufgewachsen, nun seit gut sieben Jahren seine Landrätin. Zieht es Sie nochmal dauerhaft weg?

Jochner-Weiß: „Es zieht mich schon immer wieder weg – aber nur in den Urlaub. Hier gibt es auch noch Länder, die ich gerne bereisen möchte. Aber mein geliebtes Bayernland dauerhaft verlassen, kam mir noch nie in den Sinn und kann ich mir auch nicht vorstellen.“

Zurück ins Hier und Jetzt: Vor Corona haben Sie ein beachtliches Pensum an Terminen abgespult, auch abends und am Wochenende. Wie hat sich das geändert? Wie nehmen Sie das wahr?

Jochner-Weiß: „Viele Menschen glauben tatsächlich, dass sich das Arbeitspensum während der Coronakrise wesentlich verringert hat. Tatsache ist aber genau das Gegenteil. Ein 12 bis 14 Stunden-Arbeitstag ist auch jetzt ganz normal. Und Corona kennt ja auch kein Wochenende und keinen Urlaub. Also sind wir auch hier gefordert. Die Arbeit hat sich verändert, das stimmt. Es läuft vieles am Telefon und digital. Also keine schönen Termine wie Festumzüge etc. sondern koordinieren, organisieren, planen und vieles mehr. Oftmals – gerade am Wochenende, habe ich auch das Gefühl, der seelische Abfalleimer unserer Bürgerinnen und Bürger zu sein – auch das muss weggesteckt werden. Also kurzum: Die aktuelle Krise fordert viele meiner Mitarbeiter und mich seit über einem Jahr fast bis an die Grenzen.“

Haben Sie durch die Corona-Zeit alte Hobbys wiederentdeckt oder neue aufgespürt?

Jochner-Weiß: „Leider blieb dafür keine Zeit. Was aber stimmt – da sich die Wochenendarbeit auf zuhause verlegt hat, sehe ich meine Familie wieder wesentlich mehr.“

Apropos Freizeit: Bei der nächsten Wahl um den Posten der Landrätin sind Sie rund 65 Jahre alt. Treten Sie dann nochmal an?

Jochner-Weiß: „Diese Entscheidung werde ich in vier Jahren treffen!“

Gibt es schon Pläne für die Zeit danach?

Jochner-Weiß: „Nein, vom Pläne schmieden über einen so langen Zeitraum halte ich nichts. Wer weiß, was in fünf oder elf Jahren ist. Deshalb will ich es weiter so halten wie bisher: Nichts auslassen, nichts verschieben, jeden Tag leben, denn die Zukunft hängt immer von dem ab, was man heute tut.“

Vielen Dank für das Gespräch und herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

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