Lebensräume erhalten

Hotspot-Projekt »Alpenflusslandschaften« ist beendet

Symbolfoto: Zwei Baby-Flussuferläufer am steinigen Ufer.
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Alpenflusslandschaften bieten unter anderem den Flussuferläufern eine geschützte Heimat, um ihren Nachwuchs aufzuziehen.
  • vonStephanie Novy
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Landkreis – Ein Ende, das der Beginn der Zukunft ist. So beschreibt Wolfgang Hug vom WWF-Büro in Weilheim den Abschluss des Hotspot-Projekts „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“.

Das große Ziel des Verbundsprojekts, das durch den WWF koordiniert wurde, war „der Erhalt und die Sicherung der bedrohten Schutzgüter der Alpenflüsse“, wie Hug erklärt. Offene Landschaften, Kieshügel und Wälder seien lebenswichtig. Wenn die Alpenflusslandschaften nicht mehr existieren, „können auch die Arten nicht mehr existieren“. Es geht also darum, Lebensräume zu erhalten.

Ins Auge gefasst wurden für das Projekt, das 2014 an den Start ging, insgesamt 30 Gebiete rund um Ammer, Lech, Loisach und Isar – Heimat für Flussuferläufer, Deutsche Tamariske, Kiesbank-Grashüpfer und unzählige weitere Arten. Energiegewinnung, Hochwasserschutz, Landbewirtschaftung und Siedlungsdruck haben jedoch in der Vergangenheit dazu geführt, dass viele der Alpenflüsse begradigt, verbaut und damit ihrer natürlichen Dynamik beraubt wurden. Stickstoff- und Pestizid-Einträge aus der Landwirtschaft tun ihr übriges.

Doch wie können Landschaft und Tiere geschützt werden? Das Hotspot-Projekt basierte auf zwei Säulen: Vorbereitung und Umsetzung praktischer Naturschutzmaßnahmen sowie Sicherung des Rückhaltes in der Gesellschaft durch Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit. Konkret wurden seit 2014 insgesamt 68 Maßnahmen mit über 500 Aktivitäten durchgeführt, wie Hug berichtet. Die Erfolgsbilanz weise „beachtliche Zahlen“ in Bezug auf die Projektlaufzeit auf. Wie der WWF-Experte sagt, hätten insgesamt rund 10 000 Personen an Wettbewerben, Aktionstagen, Veranstaltungen und Symposien teilgenommen. „Wir haben damit auch etwa 7 800 Schüler erreicht.“ Zudem gab es Multiplikatorenschulungen, Studiengänge, Umweltbildung für Botschafter, Schulungen von Landwirten und Exkursionen im Gelände.

An der Ammer, so Hug, wurden zum Beispiel Kleingewässer wie etwa Tümpel bis nach Wielenbach angelegt. „Amphibien und Insekten haben dort einen Lebensraum gefunden.“ Zu beobachten seien dort auch verschiedene Libellenarten.

So ein weitläufiges Projekt verursacht natürlich auch hohe Kosten. Insgesamt waren es fast 5,9 Millionen Euro. 75 Prozent davon wurden mit Hilfe des Bundesprogramms Biologische Vielfalt finanziert. Der Rest kam vom Bayerischen Naturschutzfonds und den Partnern des Projekts. Das waren unter anderem der Landkreis Weilheim-Schongau, der Tourismusverband Pfaffenwinkel oder auch der LBV.

Obwohl das Verbundsprojekt nun offiziell sein Ende gefunden hat, gehen die Bemühungen der Verantwortlichen weiter. „Wir sind weiterhin motiviert“, sagt Hug. Einige Maßnahmen würden fortgesetzt, wie etwa bestimmte Apps fürs Smartphones. Auch Dialoge mit Politik und Bevölkerung würden nach wie vor stattfinden. Speziell der Dialog mit Landwirten. Naturschutz und Landwirtschaft vertragen sich ja bekanntlich nicht immer ohne Probleme. „Wir haben versucht zu verstehen wo es hakt.“ Deshalb seien Landwirte von Anfang an mit am Tisch gesessen – auf Augenhöhe. „Wir verstehen uns heute besser.“ Man habe Vertrauen aufgebaut und das solle auch weitergeführt werden.

Weiteren Handlungsbedarf für die Zukunft sieht Hug auch bei der Besucherlenkung. Vor allem an der Ammer gebe es großen Andrang von Erholungssuchenden wie Radler, Reiter und Spaziergänger.

Von Entscheidungsträgern und Behörden wünscht sie Hug, dass sie „die durch das Projekt entwickelten Stärken“ in Zukunft bei Entscheidungsprozessen nutzen.

Von Stephanie Novy

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