Sicherheitsbericht 2020 des Landkreises

Insgesamt weniger Kriminalfälle – Anstieg aber bei Sexualdelikten

Polizeipräsident Robert Kopp und Landrätin Andrea Jochner-Weiß.
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Polizeipräsident Robert Kopp und Landrätin Andrea Jochner-Weiß bezeichneten den Landkreis als „sicheres Pflaster“.
  • Stephanie Novy
    vonStephanie Novy
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Landkreis – Ein Bündel guter Nachrichten hatte der Polizeipräsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd Robert Kopp im Gepäck, als er kürzlich den Sicherheitsbericht 2020 des Landkreises vorstellte. Allerdings berichtete Kopp auch von einem deutlichen Anstieg im Bereich der Sexualdelikte.

Landrätin Andrea Jochner-Weiß kam aus dem Gespräch mit dem Polizeipräsidenten sichtlich erfreut zum Pressetermin. Der Landkreis sei ein „sehr sicheres Pflaster“, verkündete Jochner-Weiß. „Schön, dass ich‘s auch heuer wieder sagen darf“, nahm sie auch gleich Bezug auf die ebenfalls recht positiven Sicherheitsberichte aus den vergangenen Jahren. Besonders habe sie gefreut, dass die Zahl der Verkehrstoten zurückgegangen sei. Fünf waren es 2020. „Das sind immer noch fünf zu viel, aber wir hatten schon ganz andere Zahlen.“

Polizeipräsident Kopp bestätigte nochmals das insgesamt positive Fazit des Sicherheitsberichts. Weilheim-Schongau sei ein Landkreis, der „in der Premium-League“ spiele, was das Thema Sicherheit betreffe.

Kriminalität

Was die Kriminalitätsentwicklung im Gesamten angeht, ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen. 4 542 Straftaten gab es im vergangenen Jahr im Landkreis. Damit waren es 159 weniger als im Vorjahr, beziehungsweise 3,4 Prozent.

Als Gradmesser für die Kriminalitätsbelastung der Bevölkerung dient die Häufigkeitszahl, die im Bereich des Landkreises bei einem Wert von 3 353 pro 100 000 Einwohner liegt. Kopp betonte, dass es sich dabei um einen sehr guten Wert handele. Zum Vergleich: Im gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd liegt die Häufigkeitszahl bei 4 206, in Bayern bei 4 528. Wobei der Freistaat damit das sicherste Bundesland sei.

Aus dem Sicherheitsbericht geht nicht nur hervor, dass es verhältnismäßig wenig Straftaten im Vergleich zur Bevölkerungszahl gibt. Auch was die Aufklärungsquote angeht, steht der Landkreis gut da. Diese ist um 4,2 Prozent auf 74,1 Prozent gestiegen. Der Polizeipräsident sprach von einem „absoluten Spitzenwert“. In Bayern betrage der Wert 66,4 Prozent, bundesweit 57,2 Prozent.

Bei genauerer Betrachtung der einzelnen Straftaten fällt der Rückgang der Wohnungseinbrüche positiv auf. 22 waren es im vergangenen Jahr. Das entspricht einem Rückgang von 26,7 Prozent. Wobei Kopp auch erklärte, dass es sich in 14 Fällen nur um versuchte Einbrüche gehandelt habe. „Für die Größe des Landkreises eine sehr erfreuliche Zahl.“

Beim Thema Diebstahl konnte der Polizeipräsident vermelden, dass die Zahl erstmals unter 1 000 gesunken ist. 935 waren es; davon 634 Mal (2019: 787) einfacher und 301 (305) schwerer Diebstahl. Verantwortlich ist dafür wohl die Corona-Pandemie. Durch geschlossene Geschäfte gab es weniger Möglichkeiten für Diebe.

Allerdings gibt es bei der Kriminalitätsentwicklung auch weniger positive Aspekte. Kopp sprach von einem „deutlichen Anstieg“ von Sexualstraftaten. In Zahlen ausgedrückt: 121 waren es 2020. Das entspricht einem Plus von 40,7 Prozent. Auch in den vergangenen Jahren war ein Anstieg in diesem Bereich zu verzeichnen. Kopp erklärte es damit, dass es 2016 eine Änderung im Strafrecht gab. Tatbestände, die vorher als Beleidigung gewertet worden seien, würden mittlerweile als Sexualstraftat behandelt werden. Doch die Gesetzesänderung ist mittlerweile einige Jahre her. Warum steigen die Zahlen weiter? Der Polizeipräsident berichtete, dass die Zahlen im Bereich der Kinderpornographie steigen würden. Die ständige Verfügbarkeit eines Internetzugangs und auch die Nutzung von Smartphones würden für diese Entwicklung sorgen. Vergangenes Jahr waren es 56 Fälle – 2019 lag die Zahl noch bei 20. Die Polizei ermittelte zudem in neun Fällen von Vergewaltigung, Missbrauch und sexueller Nötigung. Erfreulich ist hier jedoch, dass alle Fälle aufgeklärt werden konnten.

Kriminalstatistik 2020 des Landkreises (Auszug)

Einfacher Diebstahl: 634 (2019: 787) -19,4 Prozent

Schwerer Diebstahl: 301 (305) -1,3 Prozent

Gewaltkriminalität: 146 (172) -15,1 Prozent

Rauschgiftdelikte: 455 (381) +19,4 Prozent

Rohheitsdelikte: 869 (1 005) -13,5 Prozent
(Raubdelikte, Körperverletzungen, erpresserischer Menschenraub)

Sexualdelikte: 121 (86) +40,7 Prozent

Straßenkriminalität: 674 (783) -13,9 Prozent

Tötungsdelikte: 3 (3) +/- 0 Prozent

Vermögens-/ Fälschungsdelikte: 608 (573) -26,7 Prozent

Wohnungseinbrüche: 22 (30) -26,7 Prozent

Die Folgen der Pandemie

Für die ein oder andere positive Entwicklung im Landkreis ist sicherlich auch die Pandemie verantwortlich. Die Wohnungseinbrüche haben abgenommen, weil zurzeit eben viele Menschen daheim bleiben, wie die Landrätin anmerkte. Auch die Gelegenheit für Diebstähle hat sich durch Corona verringert. Viele Geschäfte haben zu, Langfinger dadurch deutlich weniger Möglichkeiten.

Durch die aktuelle Lage hat sich das Aufgabenfeld der Polizei deutlich verlagert, wie Kopp ausführte. Es gebe aber nicht, wie vielleicht zu erwarten, mehr Arbeit. Etliche Einsatzszenarien wie Sport- und Brauchtumsveranstaltungen sowie das Nachtleben sind 2020 weitestgehend weggefallen. Dafür habe es einen „deutlichen Anstieg von Versammlungen“ gegeben. 108 waren es. Heuer gab es bereits 80, weswegen Kopp mit einer noch höheren Zahl als im vergangenen Jahr rechnet.

Bei den Versammlungen kommt eine bunte Mischung an Menschen zusammen. „Von Corona-Leugnern bis zur bürgerlichen Mitte ist alles dabei“, sagte Kopp. Für die Polizei sei dabei das Wichtigste, so gut wie möglich Ansteckungen zu vermeiden.

Aber nicht nur auf Versammlungen überprüfen die Beamten das Einhalten von Schutzmaßnahmen. Vom 31. März 2020 bis zum 20. April 2021 hätten die Beamten 53 000 coronabedingte Kontrollen durchgeführt. Dabei mussten sie 3 468 Verstöße feststellen. In 2 810 Fällen wurden diese an das Landratsamt weitergeleitet, das letztlich über eine Ahndung der Verstöße entscheidet. „Wir arbeiten mit Augenmaß, aber auch mit einer nötigen Konsequenz“, fasste Kopp das Vorgehen der Beamten bei Corona-Kontrollen zusammen.

Verkehrs- und Unfallbilanz

Der Sicherheitsbericht des Polizeipräsidiums gibt auch jedes Jahr Aufschluss über die Entwicklung im Bereich Verkehr und damit zusammenhängenden Unfällen. Kopp berichtete auch hier von Auswirkungen der Pandemie. Grundsätzlich sei die Mobilität geringer gewesen. Gleichzeitig sei der Ausflugsverkehr am Wochenende und an Feiertagen gedrängter gewesen.

Mit 3 344 Verkehrsunfällen hat sich die Statistik um 13,5 Prozent verbessert. Jedoch ist bei sinkender Unfallzahl die Anzahl der Verletzten nach oben gegangen; von 685 im Vorjahr auf nunmehr 740. Verkehrstote gab es, wie die Landrätin schon zu Beginn erklärte, fünf (2019: elf). Auf längere Sicht eine sehr positive Entwicklung, waren 2013 doch noch 19 Todesfälle zu beklagen. Kopp zeigte sich optimistisch: „Wir haben die Talsohle hoffentlich durchschritten.“

Als Hauptunfallursache wurden Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren oder Ein- und Anfahren ausgemacht. Zu 756 (960) Unfällen kam es hierbei. Am zweithäufigsten, insgesamt 481 Mal (621), war mangelnder Sicherheitsabstand die Unfallursache. An dritter Stelle machten die Beamten mit 230 (243) Fällen überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit als Ursache aus. Wobei zu beachten ist, dass dies zu den meisten Verletzten führte. 147 Menschen wurden verletzt, zwei getötet.

Motorradfahrer gehören laut Kopp dabei genauso zur besonders gefährdeten Gruppe wie Radfahrer. Beide seien relativ ungeschützt und schwere Verletzungen deshalb wahrscheinlicher. Der Polizeipräsident betonte, dass ein Fahrradhelm sinnvoll sei, aber viele keinen tragen würden. „Ich weiß nicht, was man sich dabei denkt.“

Alles in allem zeigte sich Kopp jedoch zufrieden mit der Verkehrs- und Unfallbilanz, sind die Zahlen doch insgesamt rückläufig.

Verkehrsbilanz: Hauptunfallursachen

Alkohol: 56 (2019: 54) +3,7 Prozent

Falsche Fahrbahnbenutzung, Verstoß Rechtsfahrgebot: 280 (325) -13,8 Prozent

Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren: 756 (960) -21,3 Prozent

Geschwindigkeit: 230 (243) -5,3 Prozent

Sicherheitsabstand: 481 (621) -22,5 Prozent

Überholen und Vorbeifahren: 94 (103) -8,7 Prozent

Straßenkriminalität: 674 (783) -8,7 Prozent

Vorfahrt/Vorrang missachtet: 195 (207) -5,8 Prozent

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