Keine Gefahr für andere:

Trotz Corona-Bündelung im Krankenhaus Schongau: "Beste Sicherheitsstandards"

+
Jeder Patient, auch werdende Mütter, dürfen sich im Schongauer Krankenhaus trotz Corona sicher fühlen, bekräftigen Dr. Michael Platz (Ärztlicher Direktor), Kirsten von der Heide (Pflegeleiterin Gynäkologie und Geburtshilfe) und Dr. Ikechukwu Emmanuel Anikwe (Chefarzt Gynäkologie und Geburtshilfe (v. links).

Schongau – Das Krankenhaus Schongau sieht sich für die Behandlung von Covid-19-Patienten bestmöglich aufgestellt. Auch das ist ein Grund, weshalb es zu der Mitte dieser Woche veröffentlichten Entscheidung kam, dass am hiesigen Standort fortan möglichst die Fälle aus dem ganzen Landkreis aufgenommen werden, um das Schwesterhaus in Weilheim zu entlasten. Unter den Schongauer Patienten führte das zu Verunsicherung. Doch das sei völlig unbegründet, versichert der Ärztliche Direktor Dr. Michael Platz.

Es sei ein „wahnsinnig gutes Ergebnis“ bewertet Dr. Platz die Zahlen am heutigen Freitag, 24. April, nachdem die Zahl der Covid-19-Fälle im Landkreis tagelang stagnierte. Zu diesem Zeitpunkt war in Schongauein Corona-Verdachtsfall untergebracht, wegen Covid-19 behandelt wurde niemand. Mit Blick darauf zu sagen „okay, jetzt ham mer‘s ja“ hält der Ärztliche Direktor jedoch für verkehrt. Die Todesfallzahl der Grippewelle 2017/18 sei nicht erreicht, doch das könne sich immer noch ändern. Bis zu einer Corona-Impfung dauere es noch. „Und die zweite Welle wird kommen.“ Dr. Platz unterstreicht aber auch: Er sieht sein Schongauer Krankenhaus gerüstet.

Verstärkt in Schongau

Und zwar so gut, dass die Krankenhaus GmbH hier die Behandlung ihrer Covid-19-Patienten bündelt – solange die Fallzahlen es zulassen. Das Schongauer Haus mit seinen baulichen Gegebenheiten und auch klar abgrenzbaren Stationen eigne sich für die Umsetzung entsprechender Konzepte und Laufwege sehr gut. „Viren krabbeln keine Wände entlang“, erklärt Dr. Platz.

Schutzmaterial sieht er als ausreichend vorhanden, ausnahmslos jeder Patient im Haus werde mittels Abstrich getestet. Die zu durchlaufende Triage am Eingang habe sich bewährt. Man habe sich ausgiebig vorbereitet und Routine entwickelt, seit ab Ende Januar die ersten Verdachtsfälle unter Webasto-Mitarbeitern aufkamen und auch in Schongau behandelt wurden. „Die Abläufe erwiesen sich von Anfang an als gut“, fasst der Ärztliche Direktor zusammen. Der Standort weise gebündelte Kompetenz auf – „und diese ist trainiert“.

Die hiesige Isolierstation zählte am heutigen Freitag 36 Betten in 18 Doppelzimmern. Ein Eskalationsmodell, wann bei Bedarf Trennwände einzuziehen wären, steht. Sieben Beatmungsplätze sind sofort verfügbar, zwei in unmittelbarer Reserve. Bis auf 16 lasse sich aufstocken. „Das wäre aber in Sachen Personal hardcore“, schildert Dr. Platz. Kurzfristig schwierig werde es auch, wenn zwei, drei Covid-Patienten gleichzeitig ankommen. „Die Behandlung ist sehr aufwendig.“

"Hochsicherheitstrakt"

Zirka 40 Erkrankte waren bis zum heutigen Freitag in den beiden Häusern der GmbH behandelt worden, rund die Hälfte davon in Schongau, wovon wiederum ein Mann künstlich beatmet werden musste (wir berichteten). „Sie alle sind wieder gesund zuhause“, fasst Dr. Platz das Geschehen an seinem Standort zusammen. Kein einziges Mal sei Corona von Patienten auf Mitarbeiter übertragen worden. Jene Mitarbeiter, bei das Virus festgestellt wurde, hatten sich anderweitig angesteckt. „Davor ist man nicht gefeit“, so Dr. Platz. Das Krankenhaus Schongau gleiche einem „Hochsicherheitstrakt“.

Dennoch: Dass Corona-Fälle hier gebündelt werden sollen, habe bei den Patienten für Unruhe gesorgt, schildert Krankenhaus-Pressesprecherin Isa Berndt. „Vor allem bei werdenden Eltern.“ Die Botschaft sei aber klar: „Besser als hier kann man es in Sachen Sicherheitsstandards nicht machen“, versichert Dr. Platz. „Jeder Patient kann sich wohl und sicher fühlen.“

Keine Ansteckung im Krankenhaus

Das bekräftigen Dr. Ikechukwu Emmanuel Anikwe, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, sowie Hebamme Nadine Lachmann. „Die Frauen müssen sich in Schongau keine Sorgen machen.“ Zumal 90 Prozent der Schwangeren ohnehin gegen Corona immun seien. Zur Geburt, auch im Falle eines Kaiserschnitts, darf der Mann in Schongau weiterhin mitkommen. Das sei nicht überall so. Mancherorts werde der werdende Vater erst in den Kreißsaal vorgelassen, wenn bereits Presswehen eingesetzt haben.

Das Schongauer Krankenhaus sieht sich im Falle einer neuen Corona-Welle gerüstet – auch Schutzmaterial sei ausreichend vorhanden.

Wenn möglich überweist das Krankenhaus Schongau hochschwangere Covid-19-Patientinnen an die Kollegen in Garmisch-Partenkirchen. Auch dafür stehen die Handlungsanweisungen“, erläutert Dr. Platz. „Bei einem Blasensprung schicken wir aber selbstverständlich niemanden weg.“ Einmal wurde in Schongau bisher ein Kind auf die Welt gebracht, noch bevor das im Nachhinein negative Testergebnis der Mutter, die als Corona-Verdachtsfall galt, feststand. „Wir haben sie mit Maximalschutz betreut“, schildert Dr. Anikwe. Ansonsten laufe das Tagesgeschäft ganz normal, fasst Hebamme Lachmann zusammen. Einziger Unterschied sei der allgegenwärtige Mundschutz.

Seinem Eindruck nach habe keine der Frauen, die er behandelte, Angst gehabt, sich im Krankenhaus mit Corona anzustecken, berichtet Dr. Anikwe. Ungeachtet der Corona-Pandemie setzt sich im bisherige Jahr der stets positive Trend an Geburten fort, der seit 2012 zu beobachten ist. Waren es zum 23. April 165 Kinder, die im Vorjahr in Schongau auf die Welt kamen, lag diese Zahl in diesem Jahr schon bei 186.

Sehr wohl anders sei aber der Alltag auf der Wochenstation nach der Geburt, berichtet die dortige Pflegeleiterin Kirsten von der Heide. Denn im Anschluss an eine Kuscheleinheit noch im Kreißsaal sehen die frisch gebackenen Väter ihre Frauen und Neugeborenen erst wieder, wenn diese nach Hause dürfen. Für sie und ihre Kollegen ergibt sich daraus ein neuer Aufgabenschwerpunkt, berichtet von der Heide. „Wir sind mehr als Gesprächspartner und Bezugsperson gefordert.“ Die Väter und Angehörigen der Babys lernen die Mitarbeiter so höchstens über Skype kennen. „Das ist dann auch ganz nett.“ Die Situation auf der Station habe allerdings auch ihre positiven Seiten: Mütter und Kinder kommen sehr gut zur Ruhe. „Wir haben überhaupt keine Stillprobleme mehr.“ (Update vom 28. April: Papabesuche sind wieder möglich

Normalität kehrt derweil ebenfalls bei weiteren Aufgaben wieder ein, die das Hebammenteam bietet. „Man darf sich jederzeit bei uns melden, auch bei leichten Schwangerschaftsbeschwerden“, so Lachmann. Akupunktur und Tapen sind ebenso wieder möglich, wie die Geburtsvorstellung. Dasselbe gilt für Kreißsaalbesichtigungen nach Anmeldung, allerdings ohne Begleitung. Kontakt mit den Patientinnen hält man zudem über Facebook und Skype. Von Geburtsvorbereitungsabenden wird weiterhin abgesehen.

Kein Zögern im Notfall

Besonders aufgefordert, den Weg ins Krankenhaus nicht zu scheuen, sind indes auch Notfallpatienten. Ihre Zahl nimmt vielerorts seit Beginn der Corona-Pandemie ab. Die Erklärung: „Verdrängungstendenzen“, weiß Dr. Platz. „Viele, die Herzinfarkt oder Schlaganfall schon kennen, bagatellisieren jetzt“ – aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus. Das sei ebenso unbegründet wie gefährlich. „Für Schwangere wie für Notfallpatienten gilt: ab ins Krankenhaus.“ Der Ärztliche Direktor fasst für seine Kliniken zusammen: „Hier kann man sich sicherer fühlen, als beim Einkaufen oder Tanken.“

Das ist auf der Gebursstation in Schongau derzeit zu beachten: Ohne Papa und Besuch auf der Wochenstation.

ras

Auch interessant

Meistgelesen

Rotes Kreuz sucht Förderer
Rotes Kreuz sucht Förderer
Leader-Förderung unterstützt Radom Raisting GmbH mit 23 000 Euro
Leader-Förderung unterstützt Radom Raisting GmbH mit 23 000 Euro
Heimliche Fotos unter den Rock: Gespräch mit der Beratungsstelle Weilheim und Oberland
Heimliche Fotos unter den Rock: Gespräch mit der Beratungsstelle Weilheim und Oberland

Kommentare