Im OP mit einem Roboter

Krankenhaus GmbH erweitert chirurgisches Angebot mit neuester Technik

Katrin Schulze (OP-Leitung Krankenhaus Schongau), Liane Schetilin (OP-Leitung Krankenhaus Weilheim) und die Chefärztin der Gynäkologie Dr. Nuray Cimin-Bredée bei einer Roboter-OP.
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Sind seit Kurzem mit dem Roboterassistent „Da Vinci Xi“ im Einsatz (v.li.): Katrin Schulze (OP-Leitung Krankenhaus Schongau), Liane Schetilin (OP-Leitung Krankenhaus Weilheim) und die Chef- ärztin der Gynäkologie Dr. Nuray Cimin-Bredée.

Weilheim/Schongau – Was es in Deutschland fast ausschließlich in großen Universitätskliniken gibt, findet sich bei der Krankenhaus GmbH: Ein Robotikzentrum, in dem Menschen mit der neuesten Technik operiert werden können. Zwei verschiedene Roboter kommen als Assistenten zum Einsatz. Seit Kurzem auch in der Gynäkologie. Bei einem Onlinetreffen sprachen die Zuständigen mit Journalisten über ihre bisherigen Erfahrungen.

Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, dass in Weilheim die ersten Patienten mit dem „Mako“ operiert wurden. Erst zehn solcher Robotersysteme waren damals in Deutschland im Einsatz. Rund 350 implantierte Knie- und Hüftprothesen später ist Dr. Thomas Löffler immer noch begeistert. „Es kommen sogar Patienten aus anderen Bundesländern extra zu uns“, beschreibt der Chefarzt des Zentrums für muskuloskeletale Chirurgie das Robotikzentrum als „Erfolgsstory“. Die Operationen seien durch die Assistenz des Roboterarms noch präziser und sicherer. Allerdings könne ein Arzt die Vorteile nur ausspielen, wenn er auch erfahren und gut ausgebildet sei.

So mussten Löffler und sein Team bevor sie mit dem „Mako“ operierten, erst viele Übungsstunden an Simulatoren und Modellen, an Tierkadavern und schließlich an Menschen absolvieren. Dazu waren Reisen nach Belgien nötig.

Ebenso bei den Ärzten und Mitarbeitern, die mit dem jüngsten technischen Zugang der Krankenhaus GmbH, dem „Da Vinci Xi“ arbeiten. Als dieser Ende der 90er-Jahre auf Medizinerkongressen vorgestellt wurde, nahmen ihn viele Ärzte noch nicht ernst. „Wir schaffen das genauso gut mit der Schlüssellochtechnik“, sei die damalige Meinung vieler Chirurgen gewesen, erinnert sich Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhold Lang. Doch was zunächst eher als Spielzeug gesehen wurde, fand nach und nach immer mehr Anhänger. Darunter auch der Weilheimer Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie.

„Man kann sich den Da Vinci vorstellen, wie ein Hubschraubercockpit“, veranschaulicht Lang. Mit Händen und Füßen werde gleichzeitig agiert. „Fast wie bei einem Flugschein“, beschreibt er die Komplexität und Dauer der Schulungen am Gerät. Das alles stemmten die Teams neben dem normalen Krankenhausalltag. Doch der Aufwand hat sich gelohnt: Schilddrüse, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse, Gallenblase, Magen, Darm, Leistenhernie oder die Magenverkleinerung bei Adipositas: Das Spektrum des „Da Vinci Xi“ ist sehr breit aufgestellt. „Wir bekommen ein gigantisch tolles Bild und können in drei Dimensionen operieren“, hat Lang nur lobende Worte für die technische Neuerung. Entsprechend oft kommt das Gerät zum Einsatz. „Wir nähern uns mit Siebenmeilenstiefeln der hundertsten Operation seit Oktober“, sagt Lang.

Präzise und akkurat

Die meisten Patienten sind angetan von den Möglichkeiten des Roboterassistenten, der immer nur auf Befehl eines Arztes agiert. An der Chirurgensäule steuert der Operateur die Instrumente. Diese Befehle werden über einen Rechnerturm an den Patientenwagen weitergegeben, an dem das Operationsbesteck befestigt ist.

„Es ist für den Operateur bequemer und daher auch nicht so ermüdend“, findet Dr. Nuray Cimin-Bredée, die erst vorletzte Woche ihren ersten Eingriff vor Ort mit Roboterassistent durchführte. „Es hat höllisch Spaß gemacht und war einfach faszinierend“, kennt ihre Begeisterung fast kein Halten. Wie auch ihre Kollegen hebt sie die Präzision und die Akkuratesse der Methode hervor. Zudem sei die Heilung nach dem Eingriff oft unkomplizierter und schneller. Die Chefärztin der Gynäkologie plant für die nächsten Monate Gebärmutterentfernungen, Operationen von Myomen und Endometriosen sowie am Beckenboden auch onkologische Eingriffe mit dem „Da Vinci Xi“. „Wir haben Maßstäbe gesetzt“, findet GmbH-Geschäftsführer Thomas Lippmann. Vor allem, da die Roboter nicht über das allgemeine Vergütungssystem abgebildet würden. Zwischen zwei und drei Millionen Euro wurde für ein Exemplar investiert. Dennoch beruhigt er: „Keiner muss mehr zahlen im Vergleich zur klassischen Operation.“ Er sehe die Investition als Qualitätssteigerung für die Patienten, die die exzellenten Ärzte nochmals verstärke. Mittelfristig kann er sich vorstellen, auch in weiteren Bereichen die Robotertechnik anzuwenden, beispielsweise in der Wirbelsäulenchirurgie oder in der Urologie. Lippmann blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Ich gehe davon aus, dass das erst der Anfang ist.“

Von Ursula Gallmetzer

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