Kompromiss gefunden

Kreistag Weilheim-Schongau entscheidet über Luftreiniger

Symbolfoto: leeres Klassenzimmer.
+
Der Kreistag hat sich in Sachen Luftfilter für Schulen für einen Kompromiss entschieden.
  • Ursula Gallmetzer
    VonUrsula Gallmetzer
    schließen

Landkreis – Werden für die Schulen, für die der Landkreis zuständig ist, Luftfilter besorgt oder nicht? Dieses Thema wurde in der jüngsten Kreistagssitzung heiß diskutiert. Letztendlich einigten sich die Mitglieder des Gremiums auf einen Kompromiss.

„Wenn wir wüssten, dass die Anlagen Kinder schützen, wären wir uns sofort einig“, war bereits zum Beginn der Sitzung klar, dass es keine einfache Diskussion geben würde. Vor allem, weil es vom Freistaat keine Zusage gibt, dass die Investition Distanzunterricht verhindern kann. Außerdem ist die Situation, welche Förderungen es konkret und in welcher Höhe geben wird, noch nicht gänzlich geklärt und ändert sich ständig.

„Ein derart emotionales und schwieriges Thema ist mir selten untergekommen“, leitete Kreiskämmerer Norbert Merk seinen Vortrag ein. Von den insgesamt 650 betroffenen Klassenzimmern seien derzeit alle mit CO2-Ampeln und bereits 113 Räume mit fest eingebauten Lüftungsanlagen ausgestattet.

Um zu verdeutlichen, wie die Lüfter arbeiten und aussehen, waren in der gesamten Peißenberger Tiefstollenhalle verschiedene Modelle aufgestellt: Die HEPA-Geräte kämen bei vierjähriger Nutzung inklusive Anschaffung und Wartung auf rund 5 000 Euro pro Stück, die kürzlich zugelassenen UVC-Filtergeräte auf etwa 3 200 Euro. Kostendeckend förderfähig seien beide nicht. Bei einer Anschaffung für 500 Räume kämen auf den Landkreis rund eine Million Euro für die HEPA- und bis zu 1,7 Millionen Euro für die UVC-Geräte zu. Dies müsste rein rechtlich europaweit ausgeschrieben werden und wäre daher nicht schnell realisierbar. Hierzu ergänzte Merk: „Lüften wird nicht unnötig.“ Denn eine Frischluftzufuhr könnten beide Ausführungen nicht gewährleisten.

Noch ein Haken: Wen die maximal 1 750 Euro Förderung pro Gerät vom Freistaat in Anspruch genommen werden, müssten die Filter auch drei Jahre lang laufen. Der Betrieb wird von den Geräten selbst dokumentiert. Somit kann auch nicht geschummelt werden.

Die Kinder verbreiten die Pandemie wieder in den Familien.

Dr. Kerstin Engel (Grüne)

Do-it-yourself-Varianten schloss der Kämmerer von vornherein aus, denn diese seien weder brandschutzkonform noch TÜV-zertifiziert und würden mit allen eingerechneten Zusatzkosten ähnlich viel kosten.

Als Kompromiss schlug Merk vor, eine Fachfirma zu beauftragen, alle Klassenzimmer in Augenschein zu nehmen. Diejenigen, die man nicht gut lüften könne, zum Beispiel weil die Fenster nur kippbar sind oder sie direkt an einer Straße liegen, könnten dann mobile Luftfilter bekommen. Zwischen 15 und 25 Prozent der Räume seien vermutlich betroffen. Für alle Räume könne sich Merk mittelfristig festinstallierte Lüftungsanlagen vorstellen. Da diese zwischen 10 000 und 15 000 Euro kosten, sei diese Variante jedoch nicht schnell umsetzbar.

„Eine Nichtbeschaffung kommt nicht infrage“, sagte Manuel Neulinger (Grüne). Er plädierte daher, die mobilen Lüfter für die Zimmer, bei denen es sinnvoll erscheine, zu kaufen. Mittelfristig sei er aber für die Installation festinstallierter dezentraler Lüftungsanlagen: „Das ist eine pragmatische Lösung.“ Neulingers Fraktionskollege Prof. Dr. Stefan Emeis wies darauf hin, dass auch andere Viren und Bakterien gefiltert und somit weitere Krankheiten verhindert werden könnten.

Markus Bader (SPD) zeigte sich bezüglich der mobilen Geräte skeptisch. „Man will etwas tun, aber es ist eine Ersatzhandlung.“ Er sprach sich für die dauerhaftere Lösung aus, denn die mobilen Geräte seien lediglich der „Elektroschrott von morgen“. „Lieber gehen wir den teureren Weg, aber sind dann die nächsten Jahre mit Lüftungsanlagen ausgestattet.“

Die Schulen sind nicht die Infektionstreiber, sondern die Freizeitaktivitäten.

Susann Enders (Freie Wähler)

Peter Erhard (CSU) wies darauf hin, dass auch die Kitas nicht vergessen werden dürfen. Doch auch er war sich unsicher ob der anstehenden Entscheidung: „Sie beruht auf dem Prinzip Hoffnung.“ Denn es sei nicht endgültig bewiesen, dass die Lüfter wirklich wirksam seien. Er mahnte trotzdem zum Handeln: „Wir sollten etwas tun, auch wenn es nur Symbolcharakter hat.“ Erhard plädierte mittelfristig ebenfalls für die fest installierten Anlagen, die zu rund 80 Prozent förderfähig seien. Außerdem schlug er vor, die nächsten Schritte lediglich im Kreisausschuss zu verhandeln, da die Dauer bis zur Beschaffung von mobilen Lüftern so verkürzt werden könne.

Beschleunigen wollte auch Manuela Vanni (Unabhängige) und kritisierte die bisherige Planung: „Wir haben eineinhalb Jahre Zeit gehabt und haben nichts gemacht. Jetzt muss es schnell gehen. Die Kinder haben genug gelitten.“ Den Vorwurf wollte Landrätin Andrea Jochner-Weiß so nicht stehen lassen: Bisher seien sich alle im Kreistag einig gewesen, die Filter nicht zu beschaffen. Erst die jüngsten politischen Entwicklungen hätten zum Umdenken geführt: „Jetzt ist alles neu.“ Klar sei jedoch, dass es nicht, wie von der Landesregierung angekündigt, bis nach den anstehenden Sommerferien mit den Lüftern klappe, sondern frühestens zu den Herbstferien.

Nach fast zweistündiger Debatte stimmten die Kreisräte ab: Es gewann der Kompromiss. Eine Fachfirma wird nun alle Räume untersuchen und gegebenenfalls werden mobile Lüfter beschafft. Als Ergänzung wurde als Datum, bis zu dem dies geschehen soll, der 30. Oktober festgelegt. Zusätzlich wurde beschlossen, bei allen künftigen Neubauten und Sanierungen feste Lüftungsanlagen anzustreben.

Bilder, Videos und aktuelle Ereignisse aus Ihrer Heimat: Besuchen Sie den Kreisboten Weilheim-Schongau auch auf Facebook.

Auch interessant

Kommentare