Inzidenzwert liegt über 50 – Verschärfte Schutzmaßnahmen greifen ab sofort

Landkreis ist jetzt Corona-Hotspot

Regal mit Toilettenpapier in Drogeriemarkt
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Die ersten Landkreis-Bürger haben schon wieder mit den Hamsterkäufen begonnen (Foto). Aber keine Sorge, noch haben die Supermärkte und Drogerien in ihren Lagern reichlich Nachschub.

Weilheim/Landkreis – Es war schon am vergangenen Freitag abzusehen. Der Landkreis Weilheim-Schongau wird wohl zum Corona-Hotspot werden. Am Montag hat es Landrätin Andrea Jochner-Weiß in einer Pressekonferenz bestätigt: der Inzidenzwert liegt laut Robert-Koch-Institut (RKI) über 50.

Die Zahlen der positiv auf Corona getesteten Personen steigen weiterhin an. So wurden dem Gesundheitsamt über das Wochenende 36 neue Fälle gemeldet. In den zwei Tagen davor waren es 42. Wie Jochner-Weiß mitteilte, sei der Krankheitsverlauf bei vielen jedoch nicht so schlimm wie am Anfang der Pandemie. Daher ist die Lage bei der Krankenhaus GmbH noch überschaubar. Geschäftsführer Thomas Lippmann bestätigte, dass in Weilheim drei Covid-19-Patienten (94, 75, 73) auf der Isolier- und zwei (70, 77) auf der Intensivstation behandelt werden (Stand 20. Oktober). In Schongau seien es vier auf der Isolierstation (68, 75, 79, 89). Intensiv würde derzeit niemand behandelt. Jedoch befinden sich 102 Menschen in häuslicher Quarantäne. Und eine Besserung ist laut der Landrätin nicht in Sicht. Während die Krankenhäuser von der zweiten Welle noch relativ verschont bleiben, wird im Gesundheitsamt auf Hochtouren gearbeitet. Wie der Arzt Paul Kriner berichtete, sei man „in Anbetracht der schieren Masse“ teilweise mit den Testungen im Verzug. Man generiere derzeit aus anderen Abteilungen des Landratsamtes Personal. Die Landrätin ergänzte, dass ein Antrag in die Wege geleitet worden sei, um bei der Nachverfolgung Unterstützung von Polizei und Bundeswehr zu bekommen. Nach einem Betreiber, der bei Bedarf eine zweite Teststation im Landkreis eröffnen könnte, sei man derzeit auch auf der Suche.

Vom Bayerischen Staatsministerium wurden derweil „automatische Beschränkungen“ für Hotspot-Regionen festgelegt. Infos dazu unter www.weilheim-schongau.de/corona.

Solidarität gefragt

Eine der größten Einschränkungen trifft Schüler und Lehrer. Sie müssen nun alle, unabhängig von der Jahrgangsstufe, eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Und zwar auch am Platz. In Kindertagesstätten gilt indes keine Maskenpflicht, wie die Landrätin beim Pressetermin erklärte. Jedoch dürften Kinder mit Erkältungssymptomen nicht mehr in die Einrichtung gebracht werden. Erst nach einem negativen Test können Eltern ihren Nachwuchs wieder in Obhut geben.

Was private Feiern oder Treffen angeht wurden die Regeln nochmals verschärft. Nur noch fünf Personen dürfen sich treffen, beziehungsweise zwei Hausstände. „Das ist so eine Sache, wie man das auslegt“, bezog sich Jochner-Weiß auf das Thema Hausstand. Im Moment gehe es um Menschen, die zusammen leben. Familiengrade würden keine Rolle spielen.

Die Personengrenze betrifft auch die Gastronomie. Für diese gilt zudem eine Sperrstunde von 22 bis 6 Uhr. Selbiges trifft für den Verkauf von Alkohol an Tankstellen zu.

Der Konsum von Alkohol soll laut Staatsministerium „auf (...) stark frequentierten öffentlichen Plätzen in der Zeit von 22 bis 6 Uhr“ untersagt werden. Jochner-Weiß erklärte, dass es im Landkreis noch keine Brennpunkte gebe. Daher sei ein Alkoholverbot auf bestimmten Plätzen derzeit nicht notwendig.

Veranstaltungen wie Tagungen, Kongresse, Theateraufführungen oder Kinovorstellungen dürfen weiterhin stattfinden. Hier gilt wie gewohnt: 1,5 Meter Abstand und Maskenpflicht. Letztere gilt ab sofort auch am Arbeitsplatz, wenn der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann oder auf Begegnungsflächen wie Fahrstuhl, Flur, Kantine und Eingang.

An öffentlichen Plätzen gilt derzeit nur eine Maskenpflicht, wenn dort ein Markt stattfindet. Neu ist jedoch, dass jeder, der sich auf diesem Areal aufhält, einen Schutz tragen muss. Auch, wenn er dort nicht einkauft.

Wie lange die verschärften Regeln gelten ist derzeit nicht absehbar. Wie Georg Leis, Geschäftsleiter beim Landratsamt, erläuterte, hänge das von den Inzidenzwerten ab, die das RKI und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) bekannt geben. Erst wenn der Wert sechs Tage lang unter 50 liegt, wird der Landkreis wieder auf die gelbe oder sogar grüne Liste gesetzt. Am Tag darauf werden die Maßnahmen aufgehoben. Allerdings weist das Staatsministerium darauf hin: „Kommt der Anstieg der Infektionszahlen nicht spätestens binnen zehn Tagen zum Stillstand, sind weitere gezielte Beschränkungen unvermeidlich, um öffentliche Kontakte weitergehend zu reduzieren.“ Leis bittet um eine „gemeinsame Solidarität“, um das Infektionsgeschehen einzudämmen.

Von Stephie Novy

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