Sorge um Erhalt des Standorts: Stadtrat fasst Resolution

Lichter aus fürs Schongauer Krankenhaus?

Krankenhaus Schongau Resolution
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Für die Zukunft des Schongauer Krankenhauses könnten wichtige Wochen anstehen.
  • VonRasso Schorer
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  • Ursula Gallmetzer
    Ursula Gallmetzer
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Landkreis – Die für kommende Woche angesetzte Klausurtagung des Kreistags und eine für 17. November anberaumte Sitzung könnten wichtige Erkenntnisse für die Zukunft des Schongauer Krankenhauses hervorbringen, womöglich nicht zum Guten für den Standort, befürchten Schongaus Stadträte. Im Rahmen ihrer eigenen Klausurtagung vor zwei Wochen hatten sie eine Resolution entworfen; in der Sitzung am Dienstag erhielt diese ihren Feinschliff und wurde einstimmig befürwortet. 

Das Gremium sei in Sorge, fasste Bürgermeister Falk Sluyterman zusammen. Es sei spürbar, dass große Entscheidungen anstehen. „Wir wissen nicht, ob das Krankenhaus auf Dauer in Schongau beheimatet bleibt.“ Auf einer Pressekonferenz im Juni hatte Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU) vom „Traum“ einer Zusammenlegung zu einem ländlichen großen Krankenhaus gesprochen, in Schongau brodelt es.

Mehrfach hatte Sluyterman die Landrätin und Krankenhausgeschäftsführer Thomas Lippmann in den Stadtrat eingeladen, die Fraktionen hatten Fragenkataloge formuliert. Immer wieder sei man vertröstet worden, bedauerte der Bürgermeister, vor zwei Wochen dann die endgültige Absage: Am 18. November solle der Stadtrat seinerseits ins Krankenhaus kommen.

„Da sind die Würfel bereits gefallen und unsere Belange nicht in den Entscheidungsprozess eingeflossen“, ärgerte sich Sluyterman. „Wir Schongauer werden es uns nicht ohne Weiteres gefallen lassen, dass dichtgemacht oder die medizinische Versorgung reduziert wird.“ Das Krankenhaus in kommunaler Trägerschaft werde man sich nicht nehmen lassen. „Da muss mit unserem Widerstand gerechnet werden.“

Stadtrat und Notfallsanitäter Stefan Konrad (SPD), der gemeinsam mit Dr. Jiri Faltis (CSU) die Resolution entworfen hatte, sah eine sich seit 2018 verschärfende Schieflage. „Alles wird nach Weilheim reingestopft“, Schongau falle hinten runter. „Wir wollen unsere Fachrichtungen zurück.“ Urologie, Schlaganfalleinheit, Gefäßchirurgie, zählte er später auf. „Die meisten Operationen laufen in Weilheim“ und „es kann doch nicht sein, dass wir für einen Dauerkatheterwechsel, der fünf Minuten dauert, nach Garmisch fahren.“ Von der Landrätin habe der Stadtrat seit einem Dreivierteljahr nichts mehr gehört. Für den westlichen Landkreis sei es an der Zeit, auf die Barrikaden zu gehen. „Das können und dürfen wir uns nicht weiter bieten lassen.“ Seitens des Krankenhauses selbst werde alles gemacht, um den Standort zu attraktivieren, warf Faltis ein und nannte beispielsweise das neue Weaningzentrum. „Die Landrätin muss einfach mal vor Ort zuhören.“

Zehn Millionen pro Jahr zahle der Landkreis seit zehn Jahren für die Krankenhaus GmbH erinnerte Friedrich Zeller (SPD), von 2008 bis 2014 selbst Landrat. Ihm passe nicht, dass Jochner-Weiß noch kein klares Konzept öffentlich gemacht habe. Dass sich „ein bayerischer Landrat nicht in eine Gemeinde traut, wenn es um eine Stuktur­entscheidung geht“, sei enttäuschend. „Ich erwarte, dass das Spitzenpersonal kommt.“ Schongau sei nun mehrfach vor den Kopf gestoßen worden.

Auch in der Kreistagssitzung am Mittwoch tat Sluyterman sein Anliegen kund. Er bat darum, sich der Resolution anzuschließen. Sollte es wirklich zur Schließung kommen, wären die Folgen für den westlichen Teil des Landkreises dramatisch.

Jochner-Weiß hielt sich bedeckt. Sie höre gerne, dass der Schongauer Stadtrat hinter seinem Krankenhaus stehe. Dennoch bat sie um Verständnis, da sie nicht über die Köpfe anderer hinweg beschließen könne, zu einem Gespräch zu kommen, um über Interna zu sprechen. Was genau es mit der Geheimniskrämerei auf sich hat, ließ sie jedoch nicht durchblicken und versuchte, zu beschwichtigen: „Ich kann nicht mit irgendwas in den Stadtrat gehen, über das der Kreistag noch nicht entschieden hat.“

Teile der Resolution im auszugsweisen Wortlaut

„Der Stadtrat steht hinter dem Standort des Kreiskrankenhauses sowie hinter der gesamten Belegschaft. Wir sprechen den Mitarbeitern*innen unseren Respekt und unsere Solidarität aus.“

„Der Stadtrat fordert den Aufsichtsrat der Krankenhaus GmbH und dessen Vorsitzende, Landrätin Jochner-Weiß, auf, den Standort zu erhalten und nachhaltig zu stärken und das Schongauer Krankenhaus unbedingt in kommunaler Trägerschaft zu erhalten.“

„Ebenso fordern wir die Mitglieder des Kreistags auf zu berücksichtigen, wie wichtig der Erhalt des Klinikstandortes in seiner Form eines kommunalen Grund- und Regelversorgers für die Bevölkerung in der westlichen Region des Landkreises ist. Dies ist nicht nur in Bezug auf die Akut-/Regelbehandlung für die Patienten von besonderer Bedeutung, sondern auch in wirtschaftlicher und infrastruktureller Hinsicht für alle Gemeinden im westlichen Landkreis.“

„Schongau und die Gemeinden des westlichen Landkreises dürfen bei der medizinischen Versorgung nicht weiter im Landkreis hintenanstehen, dies hat der Kreistag und Aufsichtsrat der Krankenhaus GmbH sicher zu stellen.“

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