Gemeinsam gegen den Hass

Glaubensgemeinschaften im Landkreis Weilheim-Schongau schließen sich zusammen

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Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche sowie Imame und Moscheenvorstände wollen zukünftig enger zusammenarbeiten – für den Frieden im Landkreis.

Weilheim-Schongau – Auch wenn der Termin zuerst recht unscheinbar anmutete. Was bei dem Treffen der Vertreter dreier großer Religionen beschlossen wurde, war für den Landkreis Weilheim-Schongau durchaus ein denkwürdiger Moment. 

Welchen Beitrag können Religionsgemeinschaften für den sozialen Frieden im Landkreis leisten? Diese Frage war bei der Erarbeitung eines Integrationskonzeptes für den Landkreis wiederholt aufgekommen. Das brachte Jost Herrmann, evangelischer Pfarrer aus Schongau, auf eine Idee: Warum nicht alle drei großen Religionsgemeinschaften – Katholiken, Protestanten und Muslime – an einen Tisch bringen und gemeinsam diese Frage diskutieren?

Die muslimischen Gemeinden waren mit ihren fünf Imamen und Vorsitzenden bei den Gesprächen komplett vertreten, so Herrmann. Auch die Beteiligung der katholischen und evangelisch-lutherischen Geistlichen sei äußerst gut gewesen. Letztendlich kamen rund 20 Religionsvertreter zusammen.

„Wenn es uns Geistlichen schon nicht möglich ist, offen und respektvoll miteinander umzugehen, wie viel schwerer werden sich unsere Gemeindemitglieder tun?“, war Hermanns Impuls für die gemeinsamen Gespräche. Die Treffen sollten der Anfang von etwas sein, das im Landkreis – vielleicht sogar in ganz Oberbayern – einzigartig ist. So wurde an einem gemeinsamen Text gearbeitet, der klarstellt, dass Religion niemals als Rechtfertigung von Hass und Gewalt gelten darf. „Durch diesen Text sollen sich die Gemeinden öffentlich festlegen und ihre Worte und Taten daran messen lassen“, so der Schongauer Pfarrer.

Bei den Zusammenkünften wurden auch sensible Themen angesprochen und offen diskutiert. Trotz, oder vielleicht gerade wegen der offenen Worte, näherten sich die Vertreter der Religionen an und konnten sich auf einen gemeinsamen Text zur Selbstverpflichtung festlegen.

Darin steht unter anderem, dass sich die Vertreter „für eine gute Nachbarschaft der verschiedenen Religionsgemeinschaften“ einsetzen. Weiter heißt es: „Rassismus, Islamfeindlichkeit, christenfeindliche Übergriffe und Antisemitismus haben in unseren Religionsgemeinschaften keinen Platz.“

Bei einem vierten Treffen im Weilheimer Haus der Begegnung wurde die Erklärung kürzlich unterzeichnet. Als nächstes Ziel soll festgelegt werden, wie eine konkrete Zusammenarbeit der Glaubensgemeinschaften aussehen kann.

Von Stephanie Novy

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