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Nahverkehrsplan verabschiedet – Schwierige Umsetzung

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Von: Bernhard Jepsen

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Symbolfoto: Das Innere eines leeren Busses.
Der Landkreis hat den Nahverkehrswegeplan neu aufgelegt. © Symbolfoto: PantherMedia / manifeesto_v

Landkreis – Die 34 Landkreisgemeinden bestmöglich an den ÖPNV anbinden, das ist das Ziel des neu aufgelegten Nahverkehrswegeplans. Der Kreistag hat das rund 200 Seiten dicke Werk in seiner jüngsten Sitzung in der Peißenberger Tiefstollenhalle einstimmig abgesegnet. Erste Maßnahmen sollen bereits heuer umgesetzt werden. Doch es gibt ein Problem: Die schlechte Haushaltslage des Landkreises.

„Aufbauend auf dem Strukturgutachten der Planungsregion Oberland werden Qualitätsstandards für die verschiedenen Themenfelder (wie zum Beispiel Fahrplan und Netz, Fahrzeuge, Haltestelle, Fahrgastinformation, Barrierefreiheit) entwickelt. Dabei geht es unter anderem um die Verbesserung des Angebotes in den Dörfern und Weilern, aber auch als Zubringersystem zum Schienenverkehr der Werdenfels-, Pfaffenwinkel- und Kochelseebahn sowie zu den großen Arbeitsplatzstandorten im Landkreis.“ So wird der Nahverkehrsplan auf der Homepage des mit der Erstellung beauftragten Kasseler Fachbüros „plan:mobil“ beschrieben.

Das klingt eigentlich recht vielversprechend. Die Frage ist nur, wieviel Verbesserung im ÖPNV-Angebot sich der Landkreis wirklich leisten kann. Kreisrat Hans Mummert (SPD) äußerte im Kreistag jedenfalls Bedenken: „Ich bin skeptisch, ob wir das Geld aufbringen können.“ Auch Vize-Landrat Wolfgang Taffertshofer (BfL) sprach von „dicken Brettern, die gebohrt werden müssen, wenn es um die Umsetzung geht“. Nicht gerade Zuversicht versprühte zudem Kreiskämmerer Norbert Merk. Er verwies darauf, dass der Landkreis seinen Gemeinden die höchste Kreisumlage (54 Prozent) in ganz Bayern aufbürden müsse: „Wenn Sie 1,7 Millionen Euro für etwas ausgeben wollen“, so rechnete Merk den Kreisräten vor, „dann bedeutet das noch einmal einen Punkt mehr bei der Kreisumlage.“ Deshalb sei es geboten, bei den Haushaltsberatungen Prioritäten zu setzen. In welche Richtung, das ließ Merk offen.

Ich habe seit zwei Jahren kein Auto mehr und war noch nie so glücklich wie jetzt.

Maiken Winter, ÖDP

Die im Nahverkehrsplan vorgeschlagenen Maßnahmen stehen denn auch alle unter Finanzierungsvorbehalt. Alfred Honisch (Grüne) sprach bezüglich der Finanzen allerdings von einem „Totschlagsargument“. Die viel wesentlichere Frage sei, wie man einen Berufsschüler aus Wildsteig „auch nur annähernd dazu bekommen kann“, sein Auto stehen zu lassen und mit dem ÖPNV nach Weilheim zu fahren. In einem Flächenlandkreis wie Weilheim-Schongau sei die Implementierung alternativer Verkehrsmittel äußerst schwierig. „Eine Verkehrswende schaffen wir damit nicht – und auch keine Mobilitätswende“, so Honisch über den Nahverkehrsplan.

Doch ob es wirklich die ganz großen Summen braucht? „Große Busse kosten viel Geld, das ist klar“, bestätigte Veronika Schellhorn, Referentin für Klimaschutz und Mobilität im Landratsamt. Aber es gebe inzwischen „viele neue, innovative Ideen“: „Es geht um Effizienzsteigerungen“, so Schellhorn. Ziel müsse es sein, selbige mit den finanziellen Gegebenheiten in Einklang zu bringen.

Der Nahverkehrsplan wird nicht in der Schublade verschwinden. Er ist unser Handwerkszeug.

Veronika Schellhorn

Peter Ostenrieder (CSU) bremste indes die Erwartungen im Zusammenhang mit dem Nahverkehrsplan: „Wir dürfen auch nicht zu viel wollen“, erklärte der Peitinger Bürgermeister. Man lebe in einem ländlichen Raum, in dem viele Bürger auf das Auto angewiesen seien. Das Problem beim ÖPNV sei „die letzte Meile“. In Peiting werde man deshalb einen Fahrservice einrichten.

Stefan Emeis (Grüne) widersprach Ostenrieder und dessen gedämpfter Erwartungshaltung. Man dürfe „nicht das Gewesene zementieren“, sondern müsse Visionen aufstellen. Emeis verwies auf den Großraum „Kopenhagen“. Dort liege der zentrale Verkehrsknotenpunkt nicht etwa in der Mitte der dänischen Hauptstadt, sondern auf dem Land. Runtergebrochen auf den Landkreis könnte laut Emeis ein solcher Knotenpunkt zum Beispiel in Polling mit der Reaktivierung des dortigen Bahnhofs entstehen.

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