Wieder selbstständig atmen

Nun Weaningzentrum im Schongauer Krankenhaus

Weaning Krankenhaus Schongau Michel Amor Breunig
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„Weaning ist Teamarbeit“: Rick Breunig, pflegerische Leitung der Intensivstation, und die beiden Leiter des Weaningzentrums Dr. Florian Amor und Dr. Hans Michel (v. links).
  • VonRasso Schorer
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Schongau – Künstliche Beatmung ist durch Corona besonders ins Bewusstsein gerückt. Das sogenannte Weaning, das Entwöhnen der Patienten von der maschinellen Beatmung, ist ein langer, intensiver Prozess, an dem verschiedene Fachrichtungen beteiligt sind. Weaningzentren sind rar, das Krankenhaus Schongau gilt seit 15. September als eines.

„Der Patient erlangt durch das Weaning wieder fundamentale Qualitäten, nämlich Atmen, Sprechen, Schlucken und Essen und damit seine Autonomie zurück“, erläutert Dr. Hans Michel, Leiter des Weaningzentrums. Dieses besteht aus vier Einzelzimmern und ist in der interdisziplinären Intensivstation voll integriert. Schritt für Schritt wird die Beatmung dort reduziert, am Ende soll der Patient bereit für einen Aufenthalt in einer Rehaeinrichtung sein.

Der Weg zur Besserung, der einem Marathon gleiche, sei durch „wahnsinnig viele Stolpersteine“ gekennzeichnet, erklärt Dr. Florian Amor, ebenfalls Leiter des Weaningzentrums: Die Bereiche Darm, Galle, Niere seien während dieses Prozesses anfällig. An der Trachealkanüle, durch die geatmet wird, drohen Infektionen, weil dieser Kunststoffschlauch in einen Luftröhrenschnitt eingesetzt ist.

Die Gründe, maschinell beatmet werden zu müssen, können vielfältig sein: Schlaganfall, schwere Lungenentzündung, Embolie – oder Covid. „Corona ist ein weiterer Teil in diesem Spektrum“, ordnet Dr. Amor ein.

„Wieder selber atmen zu können, muss antrainiert werden.“ Die allermeisten Patienten schaffen das recht schnell, erklärt Dr. Amor. Doch es gibt auch Ausnahmen. „Das sind schwerst erkrankte Patienten, die glücklich überlebt haben“, schildert Dr. Michel. Oftmals bringen sie mehrere Grunderkrankungen mit.

Viele Krankenhäuser stelle die Verweildauer dieser Patienten von zwei bis acht Wochen in Intensivbetten angesichts knapper Kapazitäten vor Probleme, so Dr. Amor. Schongau habe diese Ressourcen und wird daher bei Bedarf gezielt von anderen Kliniken kontaktiert.

Die nächste Weaning-Klinik ist in Gauting, die Patienten, die nach Schongau kommen, stammen unter anderem aus dem Bereich der Lechstadt selbst, aus München, Augsburg, Fürstenfeldbruck, Landsberg und so weiter. Die Zusammenarbeit mit Freising sei insbesondere seit Corona intensiviert worden.

Aktuell kümmert sich das Schongauer Weaningzentrum um eine Patientin, im bisherigen Jahr waren es 25 bis 30, so Dr. Amor am Mittwoch. Covid-Patienten wurden zum Zeitpunkt des Pressegesprächs am Mittwoch übrigens keine in Schongau behandelt.

Nach Übernahme der Patienten im Weaningzentrum wird eine ausführliche Diagnostik durchgeführt mit dem Ziel, ein differenziertes Behandlungsschema festzulegen. „Es handelt sich um einen multiprofessionellen Ansatz für ein multifaktorielles Geschehen“, sagt Dr. Amor.

„Weaning ist absolute Teamarbeit“, erklärt Rick Breunig, pflegerische Leitung der Intensivstation. Die Patienten werden täglich durch Fachärzte mit der Weiterbildung Intensivmedizin visitiert. Das therapeutische Team besteht weiterhin aus den Fachgruppen Atmungstherapie, Physiotherapie und Logopädie. Jederzeit können Teammitglieder aus den Bereichen Ergotherapie, Psychologie und Schmerztherapie hinzugezogen werden.

„Wir sind ein kleines Haus, das aber viele verschiedene benötigte Disziplinen bietet“, erklärt Dr. Michel. Die Idee, Weaningzentrum zu werden, habe schon länger bestanden, nachdem die Erkenntnis feststand: „Wir müssten dafür gar nicht groß draufsatteln.“ „Wir haben damit einer Nachfrage entsprochen“, fasst Dr. Amor zusammen.

kb/ras

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