"Man muss sich was einfallen lassen"

Pflegeoffensive der Krankenhaus GmbH hat sich bezahlt gemacht und teils für Kritik gesorgt

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Die Teams der Krankenhäuser Weilheim und Schongau sind innerhalb eines Jahres um über 130 Fachkräfte gewachsen. Zur aktuellen Mannschaft gehören (v.li. hinten): Sandra Buchner (Pflegedienstleiterin), Robert Schröter, Anne Ertel (Pflegedirektorin), Claudia Koch (Pflegedienstleiterin), Anke Pohl, Odette Hörenz, Fabian Carow und Kirsten von der Heide.

Landkreis – Der Pflegenotstand in deutschen Krankenhäusern ist schon lange ein Thema. Die Situation in den beiden Krankenhäusern in Weilheim und Schongau ist derweil recht entspannt. Mehr als 130 neue Pflegekräfte konnten innerhalb eines Jahres eingestellt werden. Dabei hat die Krankenhaus GmbH auch Methoden angewandt, die bei der Konkurrenz teils gar nicht gut ankamen.

Pflegedirektorin Anne Ertel und die beiden Pflegedienstleiterinnen Sandra Buchner und Claudia Koch sind zufrieden. Mit den über 130 neuen Pflegekräften, darunter auch 26, die in Schongau ausgebildet wurden, sei man auf einem guten Weg, wie Ertel sagt. Doch wie konnte die Krankenhaus GmbH so viel Personal akquirieren, während in anderen Häusern sogar teilweise Betten geschlossen werden mussten, weil es vorne und hinten an Pflegekräften mangelt?

Robert Schröter, Leiter der Station Intermediate Care in Weilheim, begründet das unter anderem mit den flexiblen Arbeitszeiten. Er ist seit Januar Teil des Teams, zuvor war er in Murnau. Als Familienvater sei ihm eine Arbeitszeit, die sich mit Kita & Co. gut vereinbaren lässt, wichtig gewesen.

Ertel ergänzt, dass in den Krankenhäusern in einem Drei-Schicht-System gearbeitet werde. „Das sind nicht sehr Kita-freundliche Arbeitszeiten.“ Und da es in der Pflege sehr „frauenlastig“ zugehe, führe das oft zum Problem. Daher gibt es seit einiger Zeit bei der Krankenhaus GmbH die Möglichkeit, Dienst während der Kernarbeitszeiten zu machen. „Dadurch kamen einige Neue zu uns.“

Eine von den Neuen ist Odette Hörenz. Sie ist seit April die Leiterin der Unfallchirurgischen Station. Allerdings so ganz neu ist sie nicht. Ihre Ausbildung hatte Hörenz 2003 nämlich im Weilheimer Krankenhaus absolviert. Danach ging es für sie nach Murnau. Warum ist sie wieder zu ihren Anfängen zurückgekehrt? „In den letzten 15 Jahren hat sich hier vieles positiv verändert“, sagt sie. Auf ihrer Station gehe es sehr freundschaftlich, teils familiär zu. Eine unkomplizierte Bewerbung habe ihr den Wechsel erleichtert. Bewerbungen bei der Krankenhaus GmbH sind nicht nur unkompliziert, sondern auch recht unkonventionell. Keine steifen Gespräche in einem Büro. Kein routinemäßiges Auflisten von eigenen Stärken und Schwächen. Stattdessen finden regelmäßig kleine Events statt, wie etwa die Bewerbernacht oder eine Halloween-Bewerber-Party. Im Januar gab es sogar einen Eispalast. Als Wohlfühlatmosphäre mit gutem Essen beschreibt Pflegedienstleiterin Buchner die ungewöhnliche Veranstaltung. Man habe sich viel Zeit für die Bewerber genommen und wer wollte habe sogar Freunde oder Familie mitbringen dürfen. „Es gab auch durchaus am selben Tag Einstellungszusagen“, erzählt Buchner. Solche Veranstaltungen sind ihrer Meinung nach Selbstläufer. „Die kommen richtig gut an.“

Andere Methoden, um Pflegekräfte zu gewinnen, stießen derweil auf mächtig Kritik. Und zwar von anderen Kliniken. So hat sich die Krankenhaus GmbH mit einer Plakataktion auf dem Gelände der Nachbar-Kliniken keine Freunde bei den dortigen Chefs gemacht.

Fachkräfte direkt von anderen Einrichtungen abzuwerben, mag vielleicht nicht die feine englische Art sein – aber es scheint zu funktionieren. Anfang des Jahres sind Ertel und Buchner nach Aschersleben in Sachsen-Anhalt gefahren. Dort gab es an einer Klinik einen Generalstreik. „Wir haben vor Ort Vorstellungsgespräche angeboten“, erinnert sich Ertel. „Wir waren zunächst unsicher, aber es sind einige gekommen.“ Mit mehreren unterschriebenen Verträgen ging es zurück nach Bayern.

Fast 400 Pflegekräfte gibt es nach der großen Pflegeoffensive nun insgesamt in den beiden Häusern. Eingestellt wird weiterhin. So findet zum Beispiel regelmäßig der Pflege-Bewerbertag „First Monday for Jobs“ statt. Der nächste ist am 7. September von 8 bis 20 Uhr im Weilheimer Krankenhaus geplant.

Nur Personal einstellen reicht aber natürlich nicht. Man muss auch dafür sorgen, dass es einem erhalten bleibt. Das scheint ebenfalls recht gut zu funktionieren. „Wir haben eine ganz geringe Fluktuation“, meint Ertel. Damit das so bleibt bietet die Krankenhaus GmbH umfangreiche Fortbildungsmöglichkeiten an. Auch um die Karrierechancen scheint es gut bestellt zu sein. So konnten einige der neuen Angestellten bereits Leitungspositionen übernehmen.

Was es in Zukunft noch für Aktionen geben wird, um Fachkräfte zu gewinnen, ist offen. „Die Ideen kommen oft spontan“, sagt Buchner. Ertel fügt hinzu, dass es aufgrund der Klinikdichte einen großen Konkurrenzkampf gebe. „Da muss man sich was einfallen lassen.“ Man darf also gespannt sein, was da noch so alles kommt.
Von Stephanie Novy

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