Hilfe für Menschen in Not

Rettungshundestaffel: Lebensretter auf vier Beinen

Rettungshund und zwei Rettungshundeführer des BRK Weilheim-Schongau bei einer Übung.
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Ein starkes Team: Bei der BRK-Rettungshundestaffel arbeiten Zwei- und Vierbeiner eng zusammen. Damit das bei den Einsätzen auch reibungslos funktioniert, muss regelmäßig der Ernstfall trainiert werden.

Landkreis ‒ Der Hund ist nicht nur der beste Freund des Menschen. Er kann auch zum Lebensretter werden. So wie die Tiere bei der BRK-Rettungshundestaffel Weilheim-Schongau.

Insgesamt 17 Mitglieder zählt die Rettungshundestaffel. Hunde sind es noch einige mehr, da viele zwei Vierbeiner besitzen. Eine der Ehrenamtlichen ist Gabriele Röder. Sie ist zugleich stellvertretende Staffelleiterin und engagiert sich schon seit gut 20 Jahren bei dieser besonderen Einsatztruppe – zunächst bei der Landsberger Mannschaft und nun seit einiger Zeit bei der in Weilheim stationierten Gruppe. Dem Kreisboten erzählt Röder, wann die Staffel alarmiert wird, warum eine gewisse Fitness gefragt ist, welch intensive Ausbildung Hund und Herrchen beziehungsweise Frauchen machen müssen und dass es bei der Rettungshundestaffel manchmal auch nur darum geht, Freude zu schenken.

Spiel und Spaß. Das steht bei der Ausbildung und dem Training der Rettungshunde an oberster Stelle. Druck oder gar Gewalt sind tabu. „Die Hunde müssen es gerne machen“, betont Röder. Die Ausbildung dauert in der Regel zwei bis drei Jahre, wie Röder erzählt. Die intensive Vorbereitung auf Einsätze ist wichtig. Haben Hund und Mensch doch später eine oft lebensrettende Aufgabe. Meist wird die Rettungshundestaffel alarmiert, wenn es um eine Vermisstensuche geht. Verwirrte Menschen, suizidale Personen, oder Verletzte, die sich zum Beispiel abseits von Wegen in einem Waldgebiet aufhalten – die Gründe für eine Vermisstensuche sind vielfältig. Wobei Röder sagt, dass der Ablauf der Suche anders ist, als ihn sich viele vielleicht vorstellen. „In Filmen ist es ja immer so, dass die Hunde an einem Gegenstand der Person schnüffeln und dann den Menschen suchen.“ Doch solche Spürhunde gebe es in Weilheim nicht. „Es gibt wohl so eine Art allgemeinen Menschengeruch, den die Hunde wahrnehmen.“ Nach diesem suchen die Vierbeiner dann. Neben der Vermisstensuche wird die Rettungshundestaffel auch bei Verschüttungen, zum Beispiel durch eine Gasexplosion, eingesetzt.

Die Erfolgschancen bei Einsätzen seien grundsätzlich gut, wie Röder erklärt. Das liegt wohl nicht zuletzt an der intensiven Ausbildung und dem Training. „Wir stecken viel Zeit rein.“ Vor Corona habe man sich zweimal die Woche zu Übungen getroffen. Für die Tiere bedeutet die Ausbildung zum Rettungshund unter anderem Gehorsamkeits- und Gerätetraining. Sie brauchen für ihre Arbeit eine gute Trittsicherheit und dürfen sich vor nichts fürchten, weshalb bei den Übungen zum Beispiel Leitern, Wippen und Tunnel zum Einsatz kommen.

Aber auch die Menschen brauchen eine Ausbildung. Neben einer Sanitätsgrundausbildung stehen Themen wie Bombenfund, Evakuierungen und Funkausbildung auf dem Programm. Zudem müssen sie Erste Hilfe am Hund beherrschen, mit Karte, Kompass und GPS umgehen können sowie über Hundelehre Bescheid wissen. Dazu gehören zum Beispiel theoretische Inhalte wie das Wissen, wie man positive Verknüpfungen für das Tier herstellt.

Für andere uneigennützig da

Die Liste für die Ausführung der ehrenamtlichen Tätigkeit ist also ziemlich lang und die Leistungen, die Mensch und Tier aufbringen müssen, enorm. Und dann sind da auch noch die Kosten. Die Hunde gehören nicht dem BRK, sondern dem jeweiligen Hundeführer. Laut Röder muss dieser auch selbst für Futter- und Tierarztkosten aufkommen. Auch die Fahrten zum Training müssen selbst gezahlt werden. Wobei es mittlerweile ein „Staffelauto“ gibt, mit dem gemeinsam zu den Übungsplätzen gefahren werden kann. Zumindest war das vor den Corona-Maßnahmen so.

Das Training findet unter anderem in Wäldern statt. Aber man sei auch immer auf der Suche nach neuen Trainingsörtlichkeiten, berichtet Röder. Alte Firmengelände, leerstehende Gebäude oder auch ein alter Bauernhof. Besonders um Trümmereinsätze zu üben, werden geeignete Plätze gesucht. Diese würden den Hunden nämlich besonders viel Spaß machen. „Die müssen dann ganz genau überlegen, wie sie da hin kommen.“ Eine Herausforderung, die die Vierbeiner anscheinend lieben. Wer also ein passendes Gelände anbieten kann, würde auch den Tieren etwas Gutes tun.

Eine intensive Ausbildung und regelmäßiges Training sind Pflicht bei der Rettungshundestaffel.

Die tatsächlichen Einsätze kommen auf etwa 25 bis 30 pro Jahr, wie Röder schätzt. „Heuer war es aber ein ruhiges Jahr.“ Die Einsätze seien daher weniger gewesen. Diese finden in der Regel nur im Landkreis Weilheim-Schongau statt. Wobei auch mal in anderen Landkreisen, zum Beispiel zur Urlaubszeit, ausgeholfen wird. Oder auch bei besonderen Einsätzen. „In Pfaffenhofen wurde mal ein Kind vermisst“, erinnert sich Röder. „Da werden dann alle Ressourcen mobilisiert.“

Ausdauer und Leidenschaft

Mitmachen kann bei der Rettungshundestaffel eigentlich jeder. Wobei für Röder feststeht, dass Ehrenamtliche genug Zeit für diese Arbeit einplanen müssen. Und nicht zu vergessen, sollte auch eine gewisse Leidenschaft für die Arbeit mit den Hunden vorhanden sein.

Apropos Hunde. Müssen die eigentlich auch bestimmte Voraussetzungen erfüllen? „Fast jeder sportliche Hund kann mitmachen“, sagt Röder. Er müsse sich gerne bewegen und brauche eine gewisse Ausdauer. Nicht nur körperlich. Die Suche nach einer Person könne lange dauern. Da müssen die Tiere auch vom Kopf und der Motivation her Ausdauer aufbringen. Die Rasse ist indes nicht so wichtig. Nur zu groß sollte der Hund nicht sein. Röder und ihr Mann, der sich ebenfalls bei der Rettungshundestaffel engagiert, haben einen 12 Jahre alten Labrador. „Der ist immer noch topfit.“ Außerdem gehört ein vier Jahre alter belgischer Schäferhund zur Familie.

Mit den Hunden sind Röder und die anderen Ehrenamtlichen übrigens nicht nur bei Notfällen unterwegs. „Es geht auch darum, Menschen eine Freude zu machen.“ So sind die Lebensretter gern gesehene Gäste in Altenheimen und Kindergärten. „Die freuen sich immer wahnsinnig, wenn wir kommen.“ Und auch ihnen selbst mache das viel Spaß, erzählt Röder.

Mehr Infos zur Rettungshundestaffel und die Kontaktdaten gibt es auf deren Webseite.

Von Stephanie Novy

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