»Keine Standortentscheidung«

Schongauer Bürgerversammlung: Landrätin will »beide Krankenhausstandorte in die Zukunft führen«

Jochner-Weiß Krankenhaus Schongau Weilheim Bürgerversammlung
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Bürgermeister Falk Sluyterman (links) hatte zur Bürgerversammlung geladen; weil das Thema Krankenhauszukunft und die Standpunkte von Landrätin Andrea Jochner-Weiß (stehend) von großem Interesse waren, wechselte er zwischenzeitlich in die Zuhörerrolle.
  • VonRasso Schorer
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Schongau – Recht viel zu berichten hatte Falk Sluyterman, galt es bei der Bürgerversammlung am gestrigen Donnerstagabend im Ballenhaussaal doch, auf gleich zwei Jahre zurückzublicken, nachdem die Veranstaltung 2020 wegen der damaligen Coronasituation ausgefallen war. Mindestens so im Mittelpunkt wie das Stadtoberhaupt stand aber Andrea Jochner-Weiß: Die Landrätin war gekommen, auch um sich zum Thema Krankenhauszukunft zu äußern. Der Schongauer Standort habe definitiv Zukunft, das genaue „Wie“ ließ sie aber mit Verweis auf anstehende Entscheidungen offen.

Alle Plätze des für knapp 60 Zuhörer bestuhlten Saals – das Jakob-Pfeiffer-Haus war anderweitig belegt – waren voll, als Sluyterman erstmals aufs Thema Krankenhaus zu sprechen kam. Am Ende seines Rechenschaftsberichts verwies er unter vereinzeltem Applaus auf die Resolution zu dessen Erhalt, die der Stadtrat Anfang Oktober formuliert hatte. Unter anderem damals hatten mehrere Gremiumsmitglieder das Verhalten Jochner-Weiß‘ kritisiert: Dass sie mehrere Einladungen nach Schongau ausgeschlagen habe, sei schlechter Stil, hieß es.

Am gestrigen Donnerstagabend nun war Jochner-Weiß da, Schongau erhielt den Vorzug gegenüber ihrer Heimatgemeinde Wielenbach, für deren zeitgleich stattfindende Bürgerversammlung sie ihre bereits gegebene Zusage zurücknahm. Der medizinischen Versorgung im Landkreis gelte allerhöchste Aufmerksamkeit, erklärte sie. Ein Fachkräftemangel, vor allem in der Pflege, eine alternde Bevölkerung und dass Gesetzgeber und Krankenkassen den ambulanten Bereich immer mehr gegenüber dem stationären in den Vordergrund rücken, das seien die bestimmenden Rahmenbedingungen.

Aktuell passe es an den beiden Krankenhausstandorten Schongau und Weilheim; das sei für deren Aufsichtsrat und sie selbst jedoch kein Grund, sich nicht jetzt schon Zukunftsthemen zu widmen. „Wir müssen schauen, was in zehn, 15 Jahren ist.“

„Ham‘s Vertrauen“, appellierte die Landrätin. Dass medizinische Aspekte den Vorrang vor finanziellen Überlegungen genössen, belege der Umstand, dass die hinzugezogene Beratungsfirma eben hier ihren Schwerpunkt habe – und nicht auf wirtschaftlichem Feld.

Es werde alles getan, um das Schongauer Haus in eine „gute Zukunft“ in kommunaler Trägerschaft zu führen. Auch künftig gebe es einen „Medizinstandort“ in der Lechstadt: „Der Standort wird nicht geschlossen.“ Bei der anstehenden Kreistagssitzung Ende November, in der Stadtratssitzung Anfang Oktober als Moment der Entscheidung ausgerufen, gehe es „definitiv nicht um eine Standortentscheidung“.

Umstrukturierungen

Sehr wohl müsse das Gremium aber zukunftsweisende Entscheidungen treffen. Details könne sie nicht nennen, solange nichts beschlossen ist, beharrte Jochner-Weiß mehrfach. Klar machte sie aber, dass es umzustrukturieren gelte. Patienten suchen sich heutzutage selbst das Krankenhaus für ihre Behandlungen aus – „wir müssen die Leute zu uns herholen“. Dafür brauche es „Leuchttürme“. Schongau habe diese, verwies sie auf die Geburtenabteilung, die Geriatrie, die zweizügige und eventuell bald dreizügige Krankenpflegeschule, das Weaningzentrum und den Aufbau des Ambulanzzentrums.

„Zündler“ seien jene, die den Schongauer Standort als bedroht bezeichnen. „Negative Schlagzeilen bringen das Team ins Bröckeln.“ Für sie selbst gehe es darum, „beide Standorte“, also Schongau und Weilheim, für die Zukunft aufzustellen.

Er wolle keine Wortmeldung abwürgen, meinte Bürgermeister Sluyterman früh während der anschließenden Fragerunde, doch solle das Thema Krankenhaus die Bürgerversammlung nicht allzu sehr dominieren. Die ersten Meldungen und mehrere weitere richteten sich aber auch weiterhin direkt an die Landrätin.

Zuhörerin Regina Haugg, Stellvertretende Vorsitzende der Schongauer SPD, sah „viele Millionen Euro“ nach Weilheim, nicht aber nach Schongau fließen, wo die Flächen zur Erweiterung eher da seien. Der Standort sei kein Leuchtturm mehr, sondern werde ein „Alterszentrum“. Man könne nicht an beiden Standorten alles vorhalten, entgegnete Jochner-Weiß. „Mein Vorgänger hat Schongau saniert, jetzt wurde Weilheim auf den neuesten Stand gebracht.“ Dieser Vorgänger, Friedrich Zeller, heutiger SPD-Stadtrat, trat wenig später selbst ans Mikrophon.

Klares »Ja«

Er warf der Landrätin vor, zu wenig konkret zu werden. „Sagen Sie hier und heute, was Sie vorhaben“, wollte er wissen, wie Jochner-Weiß‘ persönlicher Vorschlag zur Krankenhauszukunft aussehe. „Sehen Sie das Krankenhaus Schongau in drei Jahren noch als Grund- und Regelversorger?“ Das tue sie, entgegnete die Landrätin mit einem „Ja“, das sie später auch gegenüber SPD-Stadtrat und Notfallsanitäter Stefan Konrad nochmals bekräftigte.

Bei aller berechtigter Spezialisierung sah Konrad das Leistungsspektrum eines Grund- und Regelversorgers in Schongau schwinden: „Unfallchirurgie, Schlaganfall, Herzkatheter, Neurochirurgie – alles weg.“ Kurze Wege seien ökologisch und medizinisch wichtig. „Das meiste sollte man vor Ort schon noch behandeln können.“

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