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Trotz gestiegener Arbeitslosenquote: Arbeitsagentur Weilheim zeigt sich zuversichtlich

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Symbolfoto: Computertastatur und Ordner mit Arbeitsamt-Aufschrift.
Die Arbeitsagentur Weilheim hat die neuesten Zahlen für den Landkreis bekanntgegeben. © Symbolfoto: PantherMedia / Randolf Berold

Landkreis – Um 0,5 Prozent ist die Arbeitslosenquote im Landkreis Weilheim-Schongau im Januar im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Die Arbeitsagentur spricht von einem „saisonalen Anstieg“.

In Weilheim-Schongau erhöhte sich die Arbeitslosigkeit von Dezember auf Januar auf 2 185 Personen. Das waren 401 Arbeitslose weniger als noch vor einem Jahr. Das macht aktuell eine Quote von 2,9 Prozent (2,4 Prozent im Vormonat); vor einem Jahr stand diese bei 3,4 Prozent. Dem gegenüber stehen 212 neue und damit insgesamt 1 515 freie Stellen im Weilheim-Schongauer Raum.

„Von Dezember 2021 auf Januar 2022 haben wir im Agenturbezirk Weilheim einen deutlichen Zugang in Arbeitslosigkeit erfasst. Anstiege in diesem Ausmaß sind jedoch saisonal üblich und im aktuellen Berichtsmonat sogar deutlich geringer als im Vorjahr und auch geringer als im Vergleichszeitraum vor der Pandemie,“ kommentiert Markus Nitsch, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Weilheim.

Das erlaubt weiterhin zumindest verhalten optimistisch in die Zukunft zu schauen. Doch besonders die vergangenen beiden Jahre haben gezeigt, dass jegliche Art von Prognosen schnell als obsolet oder überholt gelten können, vor allem wenn sie von einem sich ändernden Pandemiegeschehen eingeholt werden. Eine Vorhersage, die bislang doch als sehr wahrscheinlich gilt, betrifft die steigende Nachfrage nach Fachkräften. „Eine unserer größten Aufgaben für 2022 wird die Bekämpfung des Fachkräftemangels darstellen“, konstatiert Nitsch. „Wenn wir den Arbeitsmarkt der Region aktiv mitgestalten möchten, müssen wir trotz Pandemie ganz nah an den Menschen sein.“

Daher bleiben die Geschäftsstellen auch trotz sehr hoher Infektionszahlen weiter geöffnet. Damit eine sichere Zusammenarbeit gewährleistet werden kann, gilt für alle Kund*innen die 2G-Regel. Wer diesen Nachweis nicht erbringen kann oder wem ein persönliches Vorsprechen aus anderen Gründen nicht sinnvoll erscheint, findet neben der telefonischen Erreichbarkeit auch ein gut ausgebautes digitales Angebot vor. „Vor allem die Möglichkeit der Videoberatung und die Online-Arbeitslosmeldung, die ab dem 1. Januar 2022 flächendeckend implementiert wurde, sind hervorragende Beispiele für unsere Weiterentwicklung im digitalen Bereich. So können wir für alle Bürgerinnen und Bürger unabhängig von ihrem Impfstatus höchste Sicherheit und doch Zugang zu unserem kompetenten Beratungsangebot gewährleisten“, so der Agenturchef.

Orientierung geben

Das Thema Fachkräftesicherung löst jedoch nicht der eine Königsweg, verschiedene Ansätze gilt es zu verfolgen. „Wir setzen auf unser Portfolio: Jugendlichen Orientierung geben, Arbeitslose aktivieren oder weiterbilden, Beschäftigte qualifizieren und die Arbeitsmarktberatung unserer Unternehmen quantifizieren, um Bedarfe festzustellen und Lösungsansätze zu generieren. Zudem erweitern wir das Bewährte vermehrt um eigene Veranstaltungen und regionale Projekte“, erläutert Nitsch.

So wird etwa die gezielte Akquise ausländischer Arbeitskräfte durch die Agentur für Arbeit Weilheim verstärkt. Vor allem das Vermittlungsprojekt „Generalistik ProAktiv“ sorgt für eine Minderung des Fachkräftemangels in der Pflege durch die Ausbildung ungelernter Kräfte aus dem europäischen Ausland – unter Verwendung von EU-Fördermitteln und organisiert von der Agentur für Arbeit Weilheim.

Außerdem findet demnächst eine digitale Informationsveranstaltung unter der Überschrift „Fachkräftesicherung mit System – Machen Sie sich fit für die Zukunft“ statt. Am 15. Februar ab 18 Uhr können sich Arbeitgeber über die Weiterbildung von bereits im Betrieb Beschäftigten, die Arbeits- und Fachkräftegewinnung aus dem Ausland und die Möglichkeit von Qualifizierungsverbünden der Branchen Elektro und Metall informieren. Interessierte melden sich über die E-Mail-Adresse Weilheim.PresseMarketing@arbeitsagentur.de, um den Zugangslink für die Online-Veranstaltung zu erhalten.

Besuch aus Berlin

Bundestagsabgeordnete der SPD Carmen Wegge besuchte kürzlich die Agentur in Weilheim, um sich über die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt der Region auszutauschen. Aufgrund der Corona-Lage fand das Gespräch mit Geschäftsführer Nitsch in einem digitalen Format statt. Die beiden tauschten sich vor allem über den Fachkräftemangel aus, den viele Betriebe spüren.

Wegge erklärte im Nachgang: „Markus Nitsch berichtete mir aus der Praxis, welche absurden Wege Unternehmen gehen müssen, wenn sie qualifiziertes Personal aus dem Ausland beschäftigen wollen. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz hat hier schon einiges verbessert, aber da müssen wir in Berlin noch einmal ran. Die Verbesserung des Einwanderungsrechts wird uns im Innenausschuss beschäftigen. Nur mit praktikablen Regeln zur Anerkennung von Berufsabschlüssen oder auch von Berufserfahrung werden wir die Unternehmen unterstützen können, den Fachkräftemangel zu bekämpfen.“

Auch über die zum 1. Oktober geplante Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro sprachen Wegge und Nitsch. Die Bundestagsabgeordnete meinte dazu: „Die Region rund um den Starnberger See wird von außen häufig als reich abgestempelt. Aber es gibt auch bei uns viele Menschen, die trotz Vollzeitjob ein sehr niedriges Monatseinkommen haben. Der geplante Mindestlohn von 12 Euro bedeutet für sie ein spürbares Plus.“

Nach einer aktuellen Studie der Hans-Böckler-Stiftung verdienen zum Beispiel 12,9 Prozent der Vollzeitbeschäftigten im Landkreis Weilheim-Schongau einen Monatslohn von unter 2 284 Euro brutto und zählen damit zur Gruppe der Geringverdienenden. Das bedeutet, dass sie weniger als 2/3 des mittleren monatlichen Bruttoarbeitsentgeltes aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten verdienen. „Vor allem die Beschäftigten im Hotel- und Gastgewerbe werden vom 12-Euro-Mindestlohn profitieren“, ist sich Wegge sicher.

Von Kreisbote

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