Urlaub auf Bauernhof: Trotz großer Nachfrage existenzgefährdet

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Der Berghof Walser darf ab 30. Mai wieder Urlaub auf dem Bauernhof anbieten.

Landkreis – Mit den Pfingstferien steigt auch die Reiselust bei vielen Menschen. Vor allem Familien verbringen dabei gerne ihren Urlaub auf einem Bauernhof. An Auswahl mangelt es dabei in der Region nicht. Doch aufgrund der Corona-Maßnahmen ist das bis Ende Mai nicht möglich. Für einige Betreiber eine existenzgefährdende Situation.

„Wir haben sehr darum gekämpft, früher aufmachen zu dürfen“, berichtet Gerda Walser, die den Berghof Walser in Obersöchering mit ihrer Familie betreibt. Doch von der Regierung habe es nie eine Rückmeldung gegeben. „Es gibt kleinere Betriebe, die sind existenzgefährdet“, erzählt Walser auf Nachfrage des Kreisboten. Einige Landwirte hätten vor der Krise viel investiert und könnten jetzt die Kredite nicht mehr bedienen. Walser hat die finanziellen Verluste der Anbieter hochgerechnet. Allein in Bayern gebe es demnach im Zeitraum vom 16. März bis 19. April einen Schaden von 39 Millionen Euro.

Die Regierung um Ministerpräsident Markus Söder hat in den letzten Wochen immer wieder über neue Lockerungen informiert. Nur für die Hotellerie und andere Urlaubsanbieter gab es keine guten Nachrichten. Diese Branche muss mit am längsten im Lockdown ausharren. Stichtag ist der 30. Mai. Von da an soll auch Urlaub auf dem Bauernhof wieder möglich sein. Für Walser „ein kleiner Lichtblick am Horizont“. Doch hatte sie gehofft, die Höfe dürften schon Mitte Mai wieder für Gäste öffnen. „Dann hätten wir Christi Himmelfahrt noch mitnehmen können.“ Es habe schon etliche Buchungen gegeben. „Die mussten wir jetzt alle wieder stornieren.“

Dabei hätten die betroffenen Landwirte schon mehrfach Briefe an die zuständigen Minister geschrieben – mit der Bitte, wieder früher öffnen zu können. Dazu ein Hygiene- und Schutzkonzept, um den Sicherheitsstandards zu entsprechen. „Es gab nie eine Reaktion darauf“, zeigt sich Walser enttäuscht und auch frustriert. Verstehen kann sie die Entscheidung der Regierung nicht. „Es ist so viel Platz auf den Höfen, da gibt es nur minimalen Kontakt.“ Zumal die Familien in eigenen Häusern wohnen würden, wo sie sich selbst versorgen könnten.

Verärgert ist Walser aber nicht nur über den Zeitpunkt der Wiedereröffnung, sondern auch über die finanzielle Unterstützung von der Regierung. Von Politikern wurden ja immer wieder die Sofortmaßnahmen gepriesen, die den Unternehmen schnell Hilfe leisten sollen. Doch Walser kritisiert das Vorgehen der Politiker: „Ich kenne Betriebe, die haben 9 000 Euro sofort bekommen. Andere Antragsteller mit der gleichen Betriebsstruktur haben keinen Cent gekriegt.“ Zudem gebe es ihres Wissens nach auch von Regierungsbezirk zu Regierungsbezirk Unterschiede.

Trotz der widrigen Umstände wird auf den Höfen für die Gäste alles fleißig vorbereitet. Walser erklärt, dass es neben Hygieneartikeln und Plexiglasscheiben an diversen Stellen auch ein Hygienekonzept beim Wohnungswechsel gebe. Zudem hoffe sie auf Unterstützung der Landwirtschaftsämter.

Besteht die Gefahr, dass ab Ende Mai nur wenige Gäste kommen werden? Viele könnten ja durchaus noch verunsichert sein. Walser sieht da kein Problem. Sie erlebe bei sich auf dem Hof eine Buchungswelle. „Da weiß man gar nicht wohin mit den Menschen“, lacht Walser. Gerade die Natur sei es, was sich viele Städter wünschen würden. Die Verluste wieder reinholen werde trotzdem nicht möglich sein, erklärt Walser. „Wir sind eigentlich immer bis Ende Oktober voll ausgebucht. Das war auch schon vor Corona so.“

Urlaub auf dem Bauernhof wird also bald wieder möglich sein. Dennoch müssen die Gäste mit ein paar Auflagen leben. „Es wird bestimmt auch im Sommer noch Einschränkungen geben.“ So würden Grillabende oder das Fahren der Kinder auf dem Traktor eher nicht stattfinden. „Wir sind aber bestrebt, den Menschen so viel wie möglich anzubieten.“

Von Stephanie Novy

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