Die Bürger sind gefragt

Vereine und Organisationen brauchen Unterstützung

Herz auf einem Teller
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Die Weilheimer Tafel gibt nach wie vor Lebensmittel aus und sorgt mit Einkaufsgutscheinen dafür, dass über die Weihnachtsfeiertage und an Neujahr niemand einen leeren Magen haben muss.

Landkreis – Es raschelt und knistert. Falten ziehen sich wie frische Furchen durch das Papier, Kanten drücken sich hinein. Fast bis an die Henkel werden die Tüten gefüllt, von Menschen, die auch in der Corona-Krise nicht nur an das Essen auf ihren eigenen Tellern denken: Die Helfer der Weilheimer Tafel blicken über den Rand ihres Porzellans hinaus und auf Teller, die nicht jeden Tag bis zur Kante bedeckt sind. Doch nicht nur das Tafel-Team setzt sein Engagement in diesen Zeiten unermüdlich fort, auch die Engagierten der Malteser in Weilheim, des Tierheims Schongau, der Albanienhilfe Weilheim und der Nachbarschaftshilfe Wielenbach. Doch um weiter helfen zu können, müssen die Ehrenamtlichen auf Alternativen und neue Ideen setzen – und natürlich auf Spenden.

Draußen vor der Weilheimer Tafel reflektiert das Glas eines Schaukastens das Sonnenlicht. Im Inneren des Gebäudes ist der Boden mit Einkaufstüten bedeckt. Nudeln, Reis, Tomatensoße. Die Taschen sind prall am Tag der Tafelausgabe. Donnerstags „bekommen die Kunden vorgepackte Tüten im Hof der evangelischen Kirche übergeben“, erzählt Eva-Maria Muche, Leiterin der Weilheimer Tafel. Damit sich die Abholer dabei nicht zu nahe kommen, gilt eine Einbahnregelung. Über die Krumpperstraße kommen die Gäste, über das Bürgerheim entschwinden sie. Probleme, an Lebensmittel zu gelangen, haben die Helfer dieser Tage nicht: „Wir haben viele Spenden bekommen und bekommen sie immer noch“, lächelt Muche. Vor allem haltbare Lebensmittel sind gern gesehene Spenden. Aber auch frisches Obst und Gemüse. Und so landen auch mal Champignonkörbchen oder Erdbeerpäckchen in den Sammelboxen, die bislang zu keinem Zeitpunkt leer blieben: „Beim ersten Lockdown sind viele der ehrenamtlichen Helfer zu Hause geblieben, aber es haben sich so viele Freiwillige spontan gemeldet“, berichtet Muche.

Auch im Advent soll wieder ordentlich eingepackt werden. „FOS/BOS, Gymnasium, Realschule und Oberlandschule sammeln Lebensmittel und verpacken diese in weihnachtlich geschmückte Pakete“, erzählt die Leiterin. Eine Woche vor Heiligabend werden die Pakete ausgegeben. Danach wird es ruhig, Heiligabend und Silvester fallen auf Donnerstage, sodass die nächste Ausgabe erst im neuen Jahr erfolgt. Vor leeren Tellern müssen die Tafel-Kunden aber über die Feiertage nicht sitzen, die Helfer verteilen zu Weihnachten Einkaufsgutscheine.

Ein Wunschbaum fürs Tierheim

Nicht auf Teller, sondern in Näpfe schauen die Mitarbeiter des Tierheims Schongau Tag für Tag. Seit März hat die Einrichtung nicht mehr zu den regulären Zeiten für Besucher geöffnet, was einen erhöhten organisatorischen Aufwand mit sich bringt. „Wir vergeben Einzeltermine für die Tiervermittlung, Gassigehen und so weiter“, erklärt Janine Weigelt, Vorsitzende des Tierschutzvereins im Landkreis Weilheim-Schongau. Eine schwere Entscheidung, doch eine notwendige. „Bei einer Ansteckung unserer Tierpfleger mit dem Corona-Virus und der daraus folgenden häuslichen Quarantäne könnten wir unsere Tiere nicht mehr ordentlich versorgen“, erläutert Weigelt.

In der Tierpension mussten viele Buchungen storniert werden, Einnahmen brachen weg. Und nicht nur diese. Auch spendenbringende Feste und Termine am Fressnapf in Weilheim und am V-Markt in Schongau mussten abgesagt werden. Umso dankbarer ist Weigelt für Unterstützer, die das Tierheim in Corona-Zeiten nicht vergessen. Jedoch appelliert sie an potenzielle Spender, vorab im Tierheim anzurufen und sich zu erkundigen, welche Gegenstände und welches Futter gebraucht werden. Geldspenden für Tierarztrechnungen oder Raum- und Personalkosten sind dagegen immer gefragt. Und während der Stand auf dem Weihnachtsmarkt der Herzogsägmühle heuer coronabedingt nicht aufgebaut werden kann, soll zumindest der Wunschbaum in den Fressnapf-Filialen in Schongau und Weilheim wieder in die Höhe ragen dürfen. An seinen Zweigen baumeln dann Wünsche, die tierliebe Menschen pflücken und den Bewohnern des Tierheims erfüllen können.

Ein armes Land noch ärmer

Noch weiter über den eigenen Tellerrand hinaus blickt Claus Nitzinger, Vorstand der Albanienhilfe Weilheim. Fröhlich klingt der 63-Jährige, wenn er von den Heimen in Elbasan, die der Verein aufgebaut hat, spricht. Fröhlich, weil er sich mit viel Leidenschaft engagiert. Doch Betrübnis legt sich auf seine Stimme, sobald er ins Detail geht und über die Lebensgeschichten der Mädchen und Jungen im Kinderhaus, dem Mädchenwohnheim und dem Kindergarten spricht.

Auch ein Armenhaus in Lac unterstützt der Verein finanziell. In den Heimen herrscht gerade hoher Personalbedarf, Hilfskräfte wurden eingestellt. Eine Psychologin arbeitet ganztägig vor Ort. „Die Kinder kommen aus Familienverhältnissen, die wir uns nicht vorstellen können“, sagt Nitzinger. Das Gefühl, geliebt zu werden, ist vielen Jungen und Mädchen fremd. Umso bemühter sind die Engagierten aus Weilheim und die Heimleiter vor Ort, um den Kindern die Schönheit des Lebens zu vermitteln. Doch die Pandemie macht auch vor der Balkanhalbinsel nicht Halt, „Corona hat Albanien unglaublich erwischt“, sagt Nitzinger und spricht von strengen Ausgangssperren und geschlossenen Einrichtungen, die das arme Land noch ärmer erscheinen lassen.

Auch in Deutschland bekommt die Albanienhilfe Corona zu spüren. „Die Leute haben nicht mehr so viel Geld locker“, sagt der 63-Jährige. Normalerweise erhält der Verein viele Spenden, die auf Hochzeiten, Jubiläen oder anderen Veranstaltungen anstelle von Geschenken erbeten werden. Ereignisse, die dieser Tage nur wenige Teilnehmer zählen. Dankbar zeigt sich Claus Nitzinger aber für die Spender, die dem Verein seit Jahren die Treue halten oder anonym Gutes tun. Manche von diesen hätten heuer noch mehr gespendet als gewöhnlich. Ein Weilheimer hat sogar 500 selbstgestaltete Weihnachtskarten dem Verein zum Verkauf übergeben. Um in der Weihnachtszeit an Spenden zu gelangen, verteilt der Verein Briefe an altbekannte wie potenzielle Unterstützer. Schreiben, die nicht nur informieren, sondern auch daran erinnern, die Kinder in Albanien nicht zu vergessen.

Die Helfer von nebenan

Auf den Teller anderer schauen auch die Ehrenamtlichen der Nachbarschaftshilfe Wielenbach. Corona spüren die Helfer dabei kaum. „Es läuft im Grunde genommen ganz gut“, sagt der Vereinsvorsitzende Wolfgang John in bestem Pfälzer Dialekt. Geholfen wird wie gewohnt, die Ehrenamtlichen begleiten auch in Pandemiezeiten zu Ämtern und Ärzten oder erledigen Einkäufe – nur eben mit mehr Abstand und einer Mund-Nasen-Bedeckung. Im Frühjahr, im ersten Lockdown, richtete der Verein eine Helferhotline ein. Doch das Läuten blieb aus. „Wir dachten, dass die uns die Bude einrennen“, erinnert sich John. Stattdessen Stille. Jedoch gewann der Verein weitere Helfer. Optimistisch betrachtet ein gutes Zeichen.

Doch John denkt auch an all die Menschen, die sich einfach nicht trauen, um Hilfe zu bitten. Wenn es um die Frage nach Spenden geht, dann „sind wir total unaufgeregt“, sagt John. Ein finanzielles Polster ist da, über die Mitgliedsbeiträge werden die Versicherungskosten bezahlt, ansonsten gibt es eigentlich keine laufenden Kosten. Total unaufgeregt wird wohl auch die Adventszeit für die Nachbarschaftshelfer, wegen Corona können der monatliche Kaffeekranz und die Jahresabschlussfeier nicht stattfinden. Und spezielle Pläne für die Weihnachtszeit werden auch nicht gemacht. Man wolle erst einmal die weitere Entwicklung abwarten, so John, um Geld und Hilfe nicht „nach dem Gießkannenprinzip“ zu verschütten. „Aber vielleicht tut sich vor Weihnachten noch was auf“, meint ein ganz entspannter Vorsitzender.

Träume erfüllen

Auch in der Weilheimer Dienststelle des Malteser Hilfsdienstes herrscht derzeit kein Stillstand. Erste-Hilfe-Kurse, sozialpflegerische Ausbildungen sowie Fortbildungen für Betreuungskräfte finden nach wie vor statt. Risikogruppen will man in Zeiten von Corona dagegen keiner Infektionsgefahr aussetzen – auch wenn dadurch das Zwischenmenschliche leiden muss. „Seniorenarbeit findet leider nicht mehr statt, was sehr, sehr bedauert wird“, sagt Anke von Butler vom Malteser Hilfsdienst, Kreisgliederung Weilheim-Starnberg. Ruhen müssen demnach monatliche Angebote wie der Mittagstisch, der Kaffeetisch, das Gemeinsame Frühstück und die Bastel-, Sing- und Sitztanzstunden sowie der wöchentliche Besuchsdienst.

Wie auch bei der Tafel legen die Malteser aber großen Wert auf eine sichere Lebensmittelversorgung. Der Einkaufsdienst für Senioren und Menschen, die sich in Quarantäne befinden, bleibt bestehen. Einmal im Monat werden zudem Lebensmittelpakete gefüllt. Auch eine Winterhilfe, eine Heizöllieferung für Bedürftige, wird angeboten. Für Aktionen dieser Art sind die Malteser auf Spenden angewiesen. Unterstützung erfahren sie auch in Zeiten von Corona. „Ich würde sagen, die Spendenbereitschaft ist genauso wie letztes Jahr“, meint Jutta Zuber, Dienststellenleiterin vom Malteser Hilfsdienst in Weilheim. Gespendet wird in der Regel Geld. Zu Weihnachten erhoffen sich die Ehrenamtlichen aber nicht nur Scheine und Schecks. „Wir haben die Aktion ‚Wunschbäume erfüllen Träume‘ ins Leben gerufen“, freut sich Zuber.

Wie auch die Engagierten des Schongauer Tierheims stellen die Malteser mit weiteren Initiatoren einen Wunschbaum auf. Geschmückt werden die Zweige im Weilheimer Reisebüro Simader mit Sternen, die Wünsche von Senioren des städtischen Bürgerheims tragen. Wer etwas Gutes tun möchte, der zupft einfach einen der astralen Anhänger vom Baum, erfüllt den Wunsch und bringt Stern samt Geschenk ins Reisebüro. „Wir liefern dann ans Bürgerheim aus“, erklärt Zuber, die sich auch in Corona-Zeiten nicht vom Helfen abhalten lässt, so wie ihre Ehrenamtskollegen der Weilheimer Tafel, des Schongauer Tierheims, der Albanienhilfe Weilheim und der Nachbarschaftshilfe Wielenbach.

Von Antonia Reindl

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