Kritik im Schulausschuss

Viele Lehrer gehen bei Laptopverteilung leer aus

Symbolfoto: Lehrerin sitzt im Klassenzimmer vor einem Laptop
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Viele Lehrer bekommen keinen Laptop gestellt und müssen fürs Homeschooling zwangsläufig auf private Rechner zurückgreifen.

Landkreis – Es klingt zunächst alles wunderbar: Der Bund hat ein Sonderprogramm aufgelegt, wonach Lehrer mit eigenen, digitalen Dienstgeräten ausgestattet werden sollen. 

Die bayerische Staatsregierung hat den Etat noch einmal aufgestockt, sodass im Freistaat 150 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Um die Beschaffung müssen sich die Landkreise kümmern. Doch wie sich in der jüngsten Sitzung des Kreis- und Schulausschusses zeigte, werden viele Lehrer nicht in den Genuss eines persönlichen digitalen Hilfsmittels kommen.

Die Digitalisierung an Schulen kommt trotz Pandemiezeiten mit Distanzunterricht und Homeschooling nach wie vor nur schleppend voran. Zwar stehen in dem Sonderbudget für Lehrerdienstgeräte jeweils 1 000 Euro an staatlichen Geldern pro Exemplar zur Verfügung – nämlich aufgeteilt in 750 Euro für die Beschaffung und 250 Euro für Verwaltungsgebühren. Allerdings gibt es einen gewaltigen Haken: So wird der Etat nur für 60 Prozent der Lehrerschaft ausreichen. „Die Schulleiter haben jetzt die schöne Aufgabe, die Geräte unter die Lehrer zu bringen“, kündigte Matthias Brugger, der stellvertretende Kreiskämmerer in der Ausschusssitzung an. Soll heißen: Letztlich müssen die Rektoren 40 Prozent ihrer Lehrer erklären, dass sie zunächst leer ausgehen.

Ein weiteres Problem: Einen Anspruch auf Ersatzbeschaffungen gibt es nicht. Geht das Gerät kaputt, müssen die Lehrer wieder auf private Geräte zurückgreifen. Zur Auswahl für die Dienstgeräte stehen drei Modelltypen vom klassischen Laptop bis hin zum Tablet. Als Onlinespeicher will der Freistaat eine „Online-Cloud“ installieren. Wann die Lehrkräfte darauf zurückgreifen können, steht allerdings noch in den Sternen.

Doch ad hoc werden die Pädagogen ohnehin keine eigenen Dienstgeräte bekommen. Die Beschaffung muss aufgrund des Volumens europaweit ausgeschrieben werden. Brugger nannte als „realistischen Lieferzeitpunkt“ den Beginn des neuen Schuljahres.

Die Ausschussmitglieder stimmten der Vorgehensweise zwar einhellig zu, in Anbetracht der Begleitumstände fiel die Resonanz aber eher kritisch aus. Alfred Honisch (Grüne) sprach wegen der begrenzten Kapazitäten von einer „halbseidenen Sache“. Auch Vize-Landrat Wolfgang Taffertshofer (BfL) sah „Schwächen“ – aber immerhin: Die Ausstattung der Lehrer mit persönlichen Dienstgeräten sei in puncto „Digitalisierung an Schulen“ zumindest ein Signal für einen Systemwechsel. „Der Freistaat ist schließlich Dienstherr für die Lehrer“, so Taffertshofer.

Von Bernhard Jepsen

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