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Drei Bürgermeister des Landkreises fahren Hilfsgüter in die Ukraine

Hilfsgüteraktion für die Ukraine
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Drei Bürgermeister aus dem Landkreis machten sich auf den Weg, um Hilfsgüter in der Ukraine zu übergeben.
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Drei Bürgermeister aus dem Landkreis machten sich auf den Weg, um Hilfsgüter in der Ukraine zu übergeben.

Landkreis – Man kann es sich kaum vorstellen wie es ist, in einem Kriegsgebiet zu leben. Die drei Bürgermeister von Bernried, Rottenbuch und Pähl waren vor Kurzem in der ukrainischen Stadt Winnyzja, um Hilfsgüter zu übergeben.

Schützengräben, Straßensperrungen, Luftalarme. Was die Bürgermeister Markus Bader (Rottenbuch) und Werner Grünbauer (Pähl) von ihrer Reise in die Ukraine berichten, hinterlässt ein beklemmendes Gefühl. Mit einem vollgepackten Bus des Unternehmens Krieger hatten sie sich auf den Weg gemacht. An Bord: in erster Linie medizinisch notwendiges Material und Medikamente, sogar ein OP-Tisch war dabei. Wie berichtet, unterstützen die Bürgermeister des Landkreises die ukrainische Stadt Winnyzja. Bader und Grünbauer sowie Georg Malterer (Bernried), und Martin Pape (Polling) bilden die Arbeitsgruppe, die alles koordiniert.

Bader berichtet von der Lieferung der Hilfsgüter, er hat jede Menge Fotos gemacht. Unter anderem von dem Krankenhaus, dem sie dringend benötigtes medizinisches Material brachten. Vor dem Gebäude stapeln sich die Sandsäcke. Im Inneren werden unzählige Verwundete behandelt. „Das Krankenhaus ist voll mit Kriegsverletzten“, erzählt Bader. „Und parallel läuft natürlich der normale Betrieb weiter.“ Die Operationssäle sehen modern aus; von deutschen Äquivalenten als Laie kaum zu unterscheiden. Allerdings handelt es sich dabei um eine Universitätsklinik, die erst vor zwei Jahren überholt wurde. Im Vergleich zu den sieben anderen Krankenhäusern der Stadt ist die Ausstattung hier dementsprechend moderner. Allerdings war einer der OP-Tische kaputt. Die Höhe ließ sich nicht mehr verstellen, wie Bader sagt. Ein neuer konnte den ukrainischen Ärzten sogleich übergeben werden. Auch ein sogenannter C-Bogen, mit dem sich Röntgenbilder anfertigen lassen, steht abseits in einem Gang. Er funktioniert nicht mehr. Wie Bader erklärt, stelle die Krankenhaus GmbH ein gebrauchtes Gerät zur Verfügung. Es werde derzeit noch repariert; bei der nächsten Fahrt nach Winnyzja soll der C-Bogen mit an Bord sein.

Dass die Bürgermeister erneut in die Ukraine reisen werden, steht für sie außer Frage, wie Grünbauer betont: „Es geht um die Menschen.“ Dabei sagt er aber auch deutlich, dass bei dieser Reise jedem klar gewesen sei, „dass wir in ein Kriegsgebiet reisen“. Man könne sich nicht vorstellen wie es sei, dort zu leben. Sie selber hätten insgesamt drei Luftalarme mitgemacht, obwohl sie nur für knapp einen Tag vor Ort waren. Während die Bürgermeister in Winnyzja waren, gab es keine Einschläge. Nur einen Tag nach ihrer Abreise sei aber eine Rakete niedergegangen, wie Bader weiß. Er kritisiert auch, dass man in Europa lange vergessen oder sogar ignoriert habe, dass schon seit 2014 in der Ukraine „Bomben fallen“. „Deshalb ist der Austausch so wichtig“, dann hätte man das nicht verdrängen können. Grünbauer ergänzt, wie sich die Situation mittlerweile darstellt: „Die Menschen leiden nicht nur unter ihren eigenen Erfahrungen.“ Fast jeder Mann sei an der Front, „da ist die Sorge natürlich sehr groß“.

Zu lange gezögert

Neben der Übergabe der Hilfsgüter, wurden ausführliche Gespräche unter anderem mit dem Bürgermeister von Winnyzja Serhij Morhunow geführt. Unweigerlich kam da auch das Thema schwere Waffenlieferung auf. Grünbauer sagt: „Wir haben uns entschuldigt für das zögerliche Verhalten der Regierung.“ Für ihn hätte es wohl früher passieren müssen, denn: „Jeder Tag spielt eine Rolle.“ Rottenbuchs Bürgermeister hat dieselbe Haltung. Auch er spricht von einem zögerlichen Verhalten, schwere Waffen hätten schon viel früher geliefert werden müssen. Für ihn gebe es „keine Grenze zwischen militärischer, medizinischer und humanitärer Hilfe. Das spielt alles zusammen.“

Was Bader und Grünbauer von ihrem Aufenthalt in der ukrainischen Stadt berichten, löst Beklemmung aus. Aber auch Hoffnung. Bader sagt: „Wir sind nicht hingefahren, um den Ukrainern Mut zu zusprechen, sondern um zu helfen. Wir wollen nun vom Mut der Ukrainer in Deutschland berichten.“

Trotz des kurzen Aufenthalts in Winnyzja blieb noch etwas Zeit, sich die Stadt näher anzuschauen. Auf der einen Seite bunte Autos mit „Beatles-Nummernschild“, kunstvolle und heitere Skulpturen, Kinos.... Auf der anderen Seite Denkmäler des Zweiten Weltkrieges. Unzählige Namen von Getöteten auf Tafeln. „Die Ukrainer sind sehr geschichtsbewusst“, meint Bader. Es finden sich auch Statuen und Straßennamen von russischen beziehungsweise sowjetischen Personen. Diese werden allerdings nicht einfach entfernt. Dafür gebe es ein Bürgerkomitee, das demokratisch darüber abstimmen wird, was mit dieser Art der Ehrung und des Gedenkens geschehen soll. Die Statue des sowjetischen Soldaten im Memorial Park der Stadt wird zum Beispiel nach dem Krieg abgebaut. Sie soll in ein Museum kommen. „Das ist der Geist, den ich schon 2019 gesehen habe“, erinnert sich Rottenbuchs Bürgermeister an seinen damaligen Aufenthalt in der Stadt. Auch die vielen Europa-Flaggen spricht er an. Er sei sich sicher, dass die Ukrainer „mit jeder Faser“ für Europa sind.

Nachdem die Hilfsgüter übergeben wurden, blieb der Bus auf der Rückfahrt allerdings nicht leer. 24 Personen, darunter elf Kinder, konnten mit nach Deutschland genommen werden. Dabei handelte es sich laut Bader vorwiegend um Menschen, die medizinisch versorgt werden müssen.

Allerdings war der Übertritt nach Europa an der polnischen Grenze alles andere als einfach. Wie Grünbauer berichtet, hätten die polnischen Soldaten die Ukrainer nicht einfach so einreisen lassen. Nur der Busfahrer durfte über die Grenze. Alle anderen mussten aussteigen, ihr gesamtes Hab und Gut in Tüten und Einkaufswägen gepackt, und dann zu Fuß zurück auf ukrainisches Territorium. Über eine Erfassungsstelle kamen sie dann schließlich nach Polen. Grünbauer meint, das sei „kein Lehrstück für Europa gewesen“. Er spricht auch von „Willkür der polnischen Soldaten“. Bader ergänzt, es sei ein „beklemmendes Gefühl“ gewesen, vollbepackt bei Dunkelheit in einem fremden Land zu sein, dessen Sprache man nicht spricht. „Man hat einen Eindruck bekommen, wie sich Flüchtlinge wohl fühlen müssen.“

Die nächste Fahrt nach Winnyzja soll schon bald losgehen. Dafür werden derzeit noch Hilfsgüter gesammelt. Auf den Websiten der Gemeinden Bernried, Rottenbuch und Polling finden sich Listen, was benötigt wird. Auch Geldspenden werden weiterhin angenommen. Rund 55 000 Euro sind bisher schon zusammengekommen, wie der Pollinger Bürgermeister Martin Pape zu berichten weiß. Pape kann auch bestätigen, dass ein dringend benötigtes Löschfahrzeug für die nahe gelegene Stadt Tultschyn beschafft werden konnte, dass bei der nächsten Hilfsgüterlieferung übergeben werden soll.

Wie viele Fahrten in die Ukraine es noch geben wird, ist offen. Bader betont: „Wenn der Krieg noch ein Jahr dauert, helfen wir ein Jahr. Wenn der Krieg noch vier Jahre dauert, helfen wir vier Jahre.“ Im Zuge dessen bedanken sich die Bürgermeister auch bei allen, die diese Hilfsaktion überhaupt möglich machen: von Bus- und Lkw-Fahrern über diverse Unternehmen, Dolmetschern und Spendern bis hin zu allen Ehrenamtlichen, die sich im Landkreis für die Geflüchteten engagieren.

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Rubriklistenbild: © Bader

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