Weniger Patienten, hohe Kosten

Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH über das Geschäftsjahr 2020

Thomas Lippmann, Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH.
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Thomas Lippmann, Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH, berichtete in einer Kreistagssitzung über das vergangene Geschäftsjahr.
  • Stephanie Novy
    vonStephanie Novy
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Landkreis – Was für ein Jahr. Die Pandemie hatte die Welt 2020 fest im Griff. An vorderster Front standen dabei natürlich auch die Mitarbeitenden der Krankenhaus GmbH. Geschäftsführer Thomas Lippmann stellte in der jüngsten Kreistagssitzung den Geschäftsbericht der GmbH vor – samt blutiger Videovorführung.

Die Information Lippmanns, dass es 2020 einen Fallzahlrückgang gegeben hat, war wohl keine große Überraschung. 13 850 waren es; das sind 2 700 weniger als im Vorjahr. Als Grund nannte der Geschäftsführer die Pandemie. Es seien viel weniger Menschen ins Krankenhaus gekommen – aus Angst. Oder sie kamen oft zu spät, was „schwere Krankheitsverläufe“ zur Folge hatte.

Mit der niedrigeren Fallzahl ging im vergangenen Jahr auch die Auslastung der beiden Krankenhäuser zurück. Während die Auslastung über die Jahre bis auf 78,3 Prozent (2019) anstieg, betrug sie 2020 nur noch 66,9 Prozent. Im Bereich der Reha und Tagesklinik ergibt sich bei den Fallzahlen und Belegungen ein ähnliches Bild.

Der Rückgang ist laut Lippmann auch damit zu erklären, dass im vergangenen Jahr alle Behandlungen und OPs, die nicht zwingend notwendig waren, verschoben wurden. Immerhin mussten über das Jahr verteilt 196 Patienten mit einer Corona-Infektion in den beiden Häusern behandelt werden. Davon waren 146 in Schongau untergebracht. Insgesamt 51 Menschen mit einer Corona-Infektion mussten auf der Intensivstation behandelt werden.

In dieser Zeit habe es „keine Mangelverwaltung“ gegeben, wie Lippmann gegenüber den Kreisräten betonte. Man habe frühzeitig und ausreichend Material und Schnelltests bestellt. Zum Hygienekonzept gehöre mittlerweile, dass „wir testen, testen, testen“. Dabei sei es ganz normal, dass man immer wieder positive Patienten „rausfische“. „Das ist ja der Sinn der Sache.“ Man müsse auch die Inkubationszeit von fünf bis sechs Tagen bedenken. So könne der erste Test negativ, ein weiterer aber positiv ausfallen. „Das ist ganz normal“, versicherte Lippmann.

Die aufwendige Versorgung der Covid-Patienten, speziell auf der Intensivstation, und auch das viele Testen führt natürlich zu einem hohen personellen Aufwand. Inmitten eines Pflegekräftemangels sicherlich eine noch größere Herausforderung. Lippmann zitierte aus einem Medienbericht, dass zwischen Anfang April und Ende Juli 2020 mehr als 9 000 Beschäftigte in der Pflege aus dem Beruf ausgeschieden seien. „Die Krankenhaus GmbH hält dagegen“, sagte der Geschäftsführer jedoch im gleichen Atemzug. Die Zahl der Mitarbeitenden steige nach wie vor an, vor allem in patientennahen Bereichen. Rund 1 250 Beschäftigte zählt die Krankenhaus GmbH derzeit.

Die Zukunft der kleinen Häuser

In diesem Zusammenhang ging Lippmann auch auf die allgemeine Situation der kleinen Krankenhäuser in Deutschland ein. „Berlin sieht die großen Häuser als Eckpfeiler der Gesundheitsversorgung.“ Dabei seien rund 27 Prozent, also etwa 47 000 Patienten, in Häusern mit bis zu 299 Betten behandelt worden. Von den Plänen des Gesundheitsministers Jens Spahn, kleine Häuser zu schließen, hält Lippmann offensichtlich nichts. Auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU) äußerte sich dazu: „Während der ersten Welle hat es immer geheißen ‚Zum Glück haben wir die kleinen Krankenhäuser‘. Das ist jetzt alles vergessen.“ Das Gesundheitsministerium halte an seinen Plänen fest.

Trotz der Pandemie wurde im vergangenen Jahr viel Geld in die Krankenhaus GmbH investiert. Und zwar auch in Form eines neuen chirurgischen Roboters. Der DaVinci Xi war nach dem MAKO, der 2019 angeschafft wurde, die nächste technische Innovation der Krankenhaus GmbH. Gut zwei Millionen Euro wurden investiert. Lippmann schwärmte in der Sitzung förmlich von dem Roboter. Knapp 100 Eingriffe habe man damit in der Viszeralchirurgie bereits gemacht. Neu sei jetzt auch der Einsatz in der Gynäkologie. In ganz Oberbayern sei das einmalig.

Um den Kreisräten die Arbeit des DaVincis zu demonstrieren, zeigte Lippmann kurze Videos einer Laparoskopie und einer Hernien-OP. Erstere ohne und zweite mit dem Einsatz des Roboters. Lippmann quittierte die Videos mit der Aussage, dass Chirurgen vor der technischen Hilfe quasi „im Nebel rumgestochert“ hätten. Susann Enders (FW) zeigte sich empört über diese Art der Präsentation. Lippmanns Aussage stimme so nicht, sagte die gelernte OP- und Krankenschwester. „Ich weiß, dass Roboter ein präziseres Arbeiten ermöglichen.“ Doch den Kommentar „im Nebel herumstochern“ fände sie unpassend. Enders bat den Geschäftsführer zukünftig auf solche Präsentationen zu verzichten. Als Laie könne man das Filmmaterial gar nicht beurteilen.

Lippmann erwiderte, dass Prof. Dr. Reinhold Lang – der viele der OPs mit dem Roboter durchführt – bestätigen könne, dass zwischen den Operationen „Welten liegen“ würden. Doch Lippmann sagte auch, dass zukünftig solche Themen mit einem Arzt besprochen würden.

Kritik kam auch von Enders Parteikollegin Romana Asam. Diese bezog sich allerdings auf die Informationspolitik in Zusammenhang mit der Personalie Claus Rauschmeier. Er wird ab Sommer der neue stellvertretende Geschäftsführer der GmbH. „Ich war sehr überrascht, das aus der Zeitung zu erfahren“, kritisierte Asam. Lippmann entgegnete, dass Rauschmeier „satzungsgemäß vom Aufsichtsrat bestimmt und legitimiert“ wurde. Zu diesem gehören einige Kreistagsmitglieder, darunter auch die Landrätin.

Wie viel ist medizinische Versorgung wert?

Kreistagsmitglied Rüdiger Imgart (AfD) äußerte sich ebenfalls zum Bericht des Krankenhaus-Geschäftsführers. „Mir fehlen die Angaben zu den Finanzen.“ Imgart sprach von einem Zuschussbedarf von zehn Millionen Euro und wollte wissen, ob es da Einsparmöglichkeiten gebe. Lippmann erklärte zunächst, dass der Zuschuss eigentlich sieben Millionen Euro betrage. Drei Millionen seien im Herbst wegen der Pandemie zusätzlich im Haushalt eingestellt worden. Davon werde man aber nur die Hälfte benötigen. Der Überschuss geht laut Lippmann zurück an den Landkreis-Haushalt. Einsparungen sind wohl nicht möglich, „wenn wir die Struktur so lassen.“ Es gebe eine 24-Stunden-Bereitschaft, wachsende Pflegeanforderungen und eine Bezahlung der Mitarbeitenden nach öffentlichem Tarifvertrag. Peter Erhard (CSU) sagte zum Thema Finanzen: „Die Krankenhäuser sind wichtig für Bürger und Angestellte. Das Geld ist zweitrangig.“

Eine kritische Frage, die wohl persönlich motiviert war, wollte Franz Reßle (ÖDP) an den Geschäftsführer richten. Nachdem er jedoch begonnen hatte, von einer über 80-jährigen Dame im Krankenhaus zu erzählen, wurde er von der Landrätin unterbrochen. „Ich werde die Frage nicht zulassen“, sagte sie. Einzelfälle würden nicht in einer öffentlichen Sitzung behandelt. Reßle solle sich im Anschluss direkt an Lippmann wenden, empfahl die Landrätin. Doch Reßle gab sich damit nicht zufrieden. Er meinte, es gehe hier nicht um einen Einzelfall, sondern um das allgemeine Besuchermanagement. Es könne nicht sein, dass selbst nächste Angehörige einen Patienten nicht besuchen dürften. „Das ist fern jeder Würde.“

Lippmann erwiderte darauf: „Der Besucherstopp ist richtig und notwendig.“ Die Entscheidung darüber, „sollten wir den Medizinern überlassen“. Sie würden letztlich auch die Verantwortung tragen. Der GmbH-Geschäftsführer ergänzte, dass es bei Palliativpatienten zudem geregelte Abläufe für einen Besuch gebe.

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