Wie wichtig ist der Welterbe-Titel?

Windkraft in Peiting: Wieskirche könnte Unesco-Status verlieren

Wieskirche
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Sind die Tage der Wieskirche als Unesco-Weltkulturerbe gezählt? In der jüngsten Umweltausschusssitzung wurde darüber diskutiert, ob dieser Status für drei Windräder in Peiting aufs Spiel gesetzt werden sollte.

Peiting/Steingaden – Eigentlich war das Thema ja schon vom Tisch – so zumindest der Eindruck. Jetzt wurden die ehemals geplanten Windräder auf Peitinger Flur im jüngsten Umweltausschuss wieder aufs Tapet gebracht. Doch das ursprüngliche Problem ist dasselbe: die Wieskirche.

Auf der Tagesordnung des Umweltausschusses war das Thema Windkraft eigentlich nicht vorgesehen. Doch Josef Taffertshofer (BfL) brachte es ein, nachdem ausführlich über Photovoltaikanlagen im Landkreis geredet worden war. „Mir geht komplett die Windkraft ab“, äußerte sich der Kreisrat. Vom Landkreis würde das nicht gefördert, sondern eher gebremst werden. „Windkraft braucht fast keine Fläche, erzeugt aber eine Menge Strom.“

Nachdem das Thema Windkraft im Raum stand, dauerte es nicht mehr lange, bis die ursprünglich geplanten Windräder in Peiting zur Sprache kamen. Über diese wurde erstmals vor acht Jahren geredet. Drei Anlagen sollten entstehen – rund elf Kilometer von der Wieskirche entfernt. Doch für die Unesco, die die Wieskirche als Weltkulturerbe in ihrer Liste führt, war das zu nah. Sie schrieb in einer Stellungnahme lapidar, dass „die Erlaubnis zur Errichtung der geplanten Windräder verweigert werden sollte“. Im schlimmsten Fall würde man den Weltkulturerbe-Status aberkennen. Taffertshofer betonte in der Sitzung jedoch, dass die Windräder von der Wieskirche aus gar nicht zu sehen seien. „Die müssten dann schon 100 Meter hoch werden.“

Romana Asam (FW) fragte daraufhin: „Was würde denn passieren, wenn die Wieskirche ihren Status verliert?“ Eine Antwort darauf konnte niemand in der Runde liefern. Es wurde allerdings deutlich, dass mehrere Anwesende damit ohnehin kein Problem hätten. Neben Taffertshofer konnte auch Andreas Scharli, der als Teil des Fachbeirates Energie an der Sitzung teilnahm, die Einstellung der Unesco nicht nachvollziehen.

Hans Mummert (SPD) brachte noch die katholische Kirche ins Spiel. Die sollte seiner Meinung nach bei der Diskussion mitsprechen. Windkraft spiele einen entscheidenden Faktor beim Klimaschutz. Und bei diesem gehe es um „die Wahrung der Schöpfung“. Dies sollte auch der Kirche ein Anliegen sein.

Stefan Emeis (Grüne) sieht offensichtlich auch noch eine Chance, die Unesco mit Argumenten zu überzeugen. Geschichte und Moderne würden nämlich durchaus zusammen passen. „Wir werben auf vielen Fotos mit dem Radom, bei dem im Hintergrund eine kleine historische Kirche steht.“ Daran hätte sich bisher niemand gestört.

Einen Lösungsvorschlag, wie es in Sachen Windkraft und Wieskirche weitergehen soll, gab es bei der Sitzung nicht. Nur Steingadens Bürgermeister Max Bertl (CSU) schien etwas Konkreteres im Kopf zu haben. „Ich habe da was in der Hinterhand“, hielt er sich jedoch bedeckt. Dafür müssten sich die Verantwortlichen von der Unesco allerdings persönlich ein Bild vor Ort machen. Hört sich so an, als wäre bei diesem Thema das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Von Stephanie Novy

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