Krankenhaus-Geschäftsführer sorgt für Unmut

Zoff im Kreistag Weilheim-Schongau

Das Weilheimer Krankenhaus von außen.
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Der Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH sorgte für Unmut bei den Kreisräten.
  • Ursula Gallmetzer
    VonUrsula Gallmetzer
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Landkreis – Es sollte nur ein kurzer Bericht zur Lage der Krankenhaus GmbH im Kreistag werden. Doch einigen Mitgliedern des Gremiums war das Verhalten des Geschäftsführers sauer aufgestoßen. So hagelte es laute Kritik.

Thomas Lippmann begann seinen Vortrag mit positiven Nachrichten. Derzeit gäbe es keinen Coronafall in den Krankenhäusern in Schongau und Weilheim. „Für eine vierte Welle sind wir gut gerüstet“, beruhigte der Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH weiter. Dies beinhalte auch die personelle Situation.

„Steigender Personaleinsatz“ sei in beiden Häusern zu verzeichnen. Rund 1 250 Mitarbeiter*innen sind momentan angestellt. Vor allem im pflegerischen Bereich wurde durch intensive Bewerbungskampagnen massiv aufgestockt.

Auch sonst blickte Lippmann zuversichtlich in die Zukunft. Zwar sei die Situation nicht einfach, denn „wir werden politisch gedrängt, viel ambulant zu behandeln“, dennoch sei auch diese Herausforderung im Konzept der GmbH bedacht. „Behandlungskapazitäten satt Betten“ seien neben der akut-stationären Grundversorgung in Planung. Hierfür soll auch die Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten weiter ausgebaut werden.

Als weiteren Schwerpunkt nannte Lippmann das Vorantreiben der Digitalisierung. Durch die Zusammenarbeit mit dem Klinikum rechts der Isar im Bereich der Schlaganfallbehandlung sei die Telemedizin bereits in Weilheim und Schongau etabliert. Auch die beiden Operationsroboter würden hervorragende Ergebnisse erzielen. Für das Kernprojekt einer digitalen Intensivstation seien bereits Förderungen in Höhe von 2,8 Millionen Euro angefragt worden. Nur durch diese Investitionen könnten sich die Krankenhäuser im Wettbewerb behaupten.

Äußerungen sorgen für Kritik

Für die Leistungen der Krankenhaus GmbH gab es von den Kreisrät*innen im Anschluss an den Vortrag keinerlei Kritik. Anders sah das hinsichtlich der Aussagen Lippmanns in einem Artikel des Weilheimer Tagblatts aus. Darin hatte er geäußert, eine Übernahme des Wolfratshausener Krankenhauses nicht ausschließen zu wollen und außerdem die einstige Abgabe des Penzberger Krankenhauses moniert. Dies sei nicht sein Kompetenzbereich, kritisierten einige Räte.

„Es geht nicht, dass Sie sich öffentlich zu bestimmten Dingen äußern“, wetterte Hans Mummert (SPD) und startete eine Schimpftirade. Dies erzürnte wiederum Landrätin Andrea Jochner-Weiß, die lautstark konterte und versuchte, Lippmanns Aussagen zu relativieren. „Im Nachhinein war es nicht richtig“, schätzte auch sie es mit heutigem Wissen negativ ein, dass Penzberg verkauft wurde.

Da eigentlich nur Verständnisfragen zu Lippmanns Vortrag zugelassen waren, entbrannte indes eine weitere Debatte. Nun darüber, ob man denn im Kreistag nun bei bloßen Berichten diskutieren dürfe oder ob die reinen Informationen so hingenommen werden sollten. „Es ist nicht immer klar, ob es eine Verständigungsfrage oder eine emotionale Äußerung ist“, befand Susann Enders (Freie Wähler), die außerdem kritisierte, dass Redner oft von der Landrätin gebremst würden und nicht ausreden dürften. Hans Schütz (Grüne) stieß ins gleiche Horn: „Ich habe die Bitte, dass das Gremium die Chance hat, Dinge auszudiskutieren“, mahnte er weiter die Disziplin einiger Kreistagskolleg*innen an, die bei Sitzungen „ab zwölf Uhr mit den Hufen scharren“.

Friedrich Zeller (SPD) platzte der Kragen: „Man kann auch Meinung kundtun. Eine Debatte muss möglich sein.“ Dann leitete er zum eigentlichen Thema zurück: Ihn störe, dass Lippmann bei der Böbinger Bürgerversammlung vor Kurzem vor Ort gewesen sei, jedoch dem Schongauer Stadtrat einen Besuch seit einiger Zeit verwehre. Aggressiv und mit deutlich erhobener Stimme ging der ehemalige Landrat Lippmann an: „In welcher Rolle sehen Sie sich? Verstehen Sie sich als Politiker? Finden Sie zurück zu Ihrer Rolle als Geschäftsführer!“

Jochner-Weiß sprang ein und versuchte zu besänftigen, denn in Böbing sei es lediglich um Bürgerthemen gegangen. Der Besuch im Stadtrat sei fest eingeplant, man wolle jedoch eine Sondersitzung des Aufsichtsrates der Krankenhaus GmbH abwarten und Neues auch noch im Kreistag besprechen.

Lippmann blieb zumindest augenscheinlich gelassen: „Ich sehe mich als Geschäftsführer, engagiere mich aber auch gesundheitspolitisch. Das ist untrennbar miteinander verbunden.“

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