Wieder voller Klang

200 Jahre alte Orgel in der Kreuzbergkirche wurde restauriert

Orgel der Kreuzbergkirche in Steingaden
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Die 200 Jahre alte Orgel in der Kreuzbergkirche ist nun aufwändig saniert worden.

Steingaden – Die 200 Jahre alte Orgel der Kreuzbergkirche ist restauriert. Befanden sich vor allem die Pfeifen in einem unspielbaren Zustand, wie Restaurator Eduard Heißerer in seinem Bericht schreibt, überzeugte eine erste Klangprobe Bürgermeister Max Bertl. Wie die Orgel eingeweiht werden kann, steht noch nicht fest. Die Heilig-Kreuz-Kirche steht auf einer Anhöhe südlich Steingaden zwischen Schlatt und Fronreiten, hier findet auch jährlich der Ulrichsritt statt.

Die Geschichte der Kreuzberg­kirchenorgel ist etwas länger, denn eigentlich war sie für Trauchgau, also den ersten Ort auf Ostallgäuer Seite gedacht. Laut den Recherchen von Eduard Heißerer wurde die Orgel in der Kreuzberg-Kirche von dem Schongauer Andreas Handmann Ende des 18. Jahrhunderts für Trauchgau gebaut. Auf der Rückseite der Orgel, schreibt Heißerer im Bericht über die Restaurierung, befindet sich eine Bleistiftinschrift: „Im Jahre 1819 wurde diese Orgel von Andreas Handmann Schongau erbaut.“ Seinerzeit muss die Orgel 367 Gulden gekostet haben. Weiter heißt es im Bericht Heißerers, dass die Handmann-Orgel in die Kreuzbichl-Kirche transferiert und dabei offensichtlich auch umgebaut wurde, als Balthasar Pröbstl im Jahre 1879 für Trauchgau eine neue Orgel baute.

Über den Schongauer Orgelbauer Andreas Handmann ist bekannt, dass er 1738 in Stiefenhofen im Oberallgäu geboren wurde und Schüler von Johann Feyrstein (Kaufbeuren) und von Balthasar Freiwiß (Aitrang) war. Handmann heiratet 1790 nach Schongau, wo er 1833 verstarb. Von ihm sind nur sechs Neubauten bekannt wie in dem Buch von Fischer und Wohnhaas über Historische Orgeln in Schwaben nachzulesen ist.

Den Umbau, vor allem den Umzug, bewerkstelligten die Brüder Mühlbauer, wie eine weitere Inschrift, die Heißerer bei der Restaurierung fand, belegt. So heißt es auf der Innenseite des Klaviaturdeckels „Orgelbauer Schongau Diese Orgel wurde den 24. April 1880 aufgestellt von Joseph u. Carl Mühlbauer“. Und eine zweite Inschrift am Spieltisch auf dem Querbrett über der Pedalklaviatur besagt: „Diese Orgel wurde von dem damaligen Bürgermeister Moser aus Schwarzenbach von Trauchgau nach Kreuzberg verbracht im Jahre 1880“.

Heißerer stellt gleich zu Beginn seines Berichtes klar, dass die Orgel sich vor den Restaurierungsarbeiten in einem schlechten, unspielbaren Zustand befand. „Ein Großteil des Metallpfeifenwerkes, darunter der gesamte Prospekt, war nicht mehr vorhanden. Auch einige Holzpfeifen fehlten“. Unter anderem musste Heißerer Arbeiten und Korrekturen im Bereich des Winddrucks , der Stimmtonhöhe und der Stimmungsart ausführen. Dazu bemerkt Heißerer: „Die zum Teil sehr deformierten Pfeifen wurden ausgeformt und offene Nähte oder schadhafte Füße gelötet.“ Ein Zulöten von evtl. offenen Pfeifenmündungen habe während des Richtens der Pfeifen noch nicht stattgefunden. Fehlende Pfeifen habe man in der vorgefundenen Bauart ergänzt.

Heißerer: „Zur Rekon­struktion des Winddruckes wurden die vier überkommenen Handmann-Holzregister (Gedeckt, Viola, Flöte und Subbass) auf die Windlade gestellt und der Winddruck mit Gewichten solange erhöht, bis diese vier Register am besten klangen“. Mit diesem Winddruck, eingestellt nach Gehör auf 60 Millimeter Wassersäule habe man die später einsetzte Gamba (gewachsener Bestand von Mühlbauer) und alle jetzt neu ergänzten Pfeifen in den „Handmannklang“ eingefügt. Aus dieser sich daraus ergebenden Stimmtonhöhe sei dann die Orgel letztendlich eingestimmt worden, heißt es weiter im Bericht.

Schlussendlich, stellt Heißerer fest, hätten sich keine Anhaltspunkte auf eine ungleichschwebende Stimmungsart ergeben. „Die Orgel wurde deshalb in der gleichstufigen Stimmungsart – wie sie ja zur Zeit Mühlbauers gang und gäbe war – auf Stimmtonhöhe 441 Hz bei 15° Celsius eingestimmt“. Auf diesen durchaus technischen Bericht ging Bertl kurz ein und stellte fest, dass die Orgel sehr gut geklungen habe bei einer Vorführung. Angesichts der derzeit herrschenden Pandemievorschriften stellt sich nur die Frage, in welchem Rahmen man die Orgel wird einweihen und der Öffentlichkeit zugänglich machen können.

Oliver Sommer

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