75 Jahre Gemeinde Steingaden

Aus drei mach eine

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Gratulierten dem Bürgermeister der Gemeinde Steingaden, Xaver Wörle (2.v.l.) Josef Taffertshofer, Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Max Georg Freiherr von Eltz-Rübenach und der Premer Bürgermeister Herbert Sieber.

Steingaden – „Hoppala, da fehlt doch a Nuller“ habe sie überlegt, gestand Landrätin Andrea Jochner-Weiß. Um dann festzustellen, dass es die politische Gemeinde Steingaden so tatsächlich erst seit 75 Jahren gibt. Am 1.April 1939 wurde aus den Orten Lauterbach, Fronreiten und Urspring die Gemeinde Steingaden mit inzwischen 52 Ortsteilen. Am vergangenen Wochenende wurde das Jubiläum gefeiert, etwas kleiner als beim halben Jahrhundert.

Es war ein „schönes“ Weihnachtsgeschenk, das die Reichsregierung den Steingadenern im Jahre 1938 gemacht hatte. Am 23. Dezember sei ein Schreiben eingegangen, erinnerte Bürgermeister Xaver Wörle, in dem die Zusammenlegung der Orte zu einer Gemeinde beschlossen und für den ersten April 1939 terminiert wurde. Was sich daraus entwickeln würde, ließ Wörle in gut 80 Minuten Revue passieren. 

Man habe überlegt, so der Bürgermeister, wie man dieses Jubiläum begehen könne. Nicht so groß jedenfalls wie das halbe Jahrhundert. Dennoch hatten die Steingadener die Bürgermeister der benachbarten Orte eingeladen zu dem kleinen Festakt im Pfarrheim, dem ein Gottesdienst vorangegangen war. 

Immerhin verdankt der Ort der Kirche und ihren Bauwerken sehr viel. Weshalb eines der ersten Bilder, die Wörle für seinen Vortrag zusammengestellt hatte, auch über 800 Jahre zurückreicht. Es zeigt den Marktplatz des heutigen Steingaden, das kirchliche Zentrum der dritten Gemeinde, so Wörle, die es seit dem 12. Jahrhundert, genauer gesagt seit 1147 gibt. Der Marktplatz ist auch eines der markantesten Beispiele für die, positiven, Veränderungen, die die Gemeinde in den vergangenen 75 Jahren durchgemacht hat.

Natürlich durfte in Wörles Rückblick das dritte Reich nicht fehlen, das der Gemeinde 164 gefallene oder vermisste Bürger bescherte. Positiver hatte sich da eine gewisse Johanna Pfeffer ausgewirkt, die vor allem älteren Mitbürgern Steingadens noch in Erinnerung sein müsste, war sie doch die erste Lehrerin der Gemeinde ab 1940.

Und noch eine zweite Dame rief Wörle den Anwesenden in Erinnerung, sie saß sogar im Publikum. Hildegard Bauer arbeitet seit 72 Jahren für die Gemeinde und tauchte immer wieder auf den Bildern auf. Aber noch zwei weitere Frauen spielen in der Geschichte der Gemeinde eine große Rolle. Einmal Charlotte von Dürckheim, vielen eher als Charlotte von Kusserow bekannt. 

Nach ihr ist das Seniorenheim benannt, auf das man in der Gemeinde sehr stolz ist und das die soziale Tradition der Namensgeberin fortführt. Die Familie Dürckheim spielte in der Geschichte eine zentrale Rolle, ihr gehörte unter anderem der Fohlenhof, wo heute Verwaltung, Pfarrheim und Grundschule ein Dach gefunden haben.

Ebenfalls im Ort sehr präsent ist die Generalswitwe Marie Eberth, die sich ebenfalls sozial engagierte und für einen Kindergarten sorgte und auch das alte Krankenhaus unterstützte. Doch neben den sozialen Einrichtungen ist Steingaden auch bei Bildungseinrichtungen gut versorgt. Neben der Grundschule und der Mittelschule ist in Steingaden auch der 1958 gegründete Berufsschulverband zu Hause, 1959 kam dann die Landvolkshochschule in der Wies dazu, wie die Einrichtungen im Karl-Eberth-Haus und in der Langau für die Erwachsenenbildung zuständig. 

1990 wurde dann mit der Verschönerung des Ortes begonnen, erinnerte Wörle. Aus Mitteln der Städtebauförderung flossen Gelder, um etwa den Marktplatz zu sanieren, aus dem Konjunkturpaket wiederum die Mittel zur Sanierung der 1983 zum Welterbe erklärten Wieskirche. 

Dass man eine umtriebige Gemeinde im Landkreis hat, wusste auch die Landrätin. Es sei bestimmt kein leichter Schritt gewesen, sich zu einer Gemeinde zusammenzuschließen, stellte Jochner-Weiß fest. Aber der Zusammenschluss sei ein Glücksfall gewesen. „Besser kann es nicht laufen“. 

Die Gemeinde sei liebens- und lebenswert, lobte sie und der Bürgermeister könne zu Recht stolz darauf sein. Insbesondere, wenn man wie hier, Hand in Hand miteinander arbeite. Dies unterstrichen auch die Bürgermeister aus Wildsteig und Prem, mit denen Steingaden eine Verwaltungsgemeinschaft bildet. Wobei sich Josef Taffertshofer seine eigenen Gedanken gemacht hatte über Steingaden. Hier würden die gleichen Leute wie in Prem und Wildsteig leben, stellte der Wildsteiger Bürgermeister fest. „Aber doch ganz andere.“ Denn hier gebe es seit den Zeiten des Klosters „Andersdenkende“. Das gebe dem Ort eine besondere Note und wirke sich auf das Niveau in der Region aus.

Oliver Sommer

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