Schlechte Arbeit zum Wucherpreis

800 Euro für mangelhafte Rohrreinigung: Abzocke bei Schongauer Ehepaar

So sieht ein Ausschnitt der Originalrechnung, die der Redaktion vorliegt, der beauftragten Firma aus.
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So sieht ein Ausschnitt der Originalrechnung, die der Redaktion vorliegt, der beauftragten Firma aus.

Schongau/Landkreis – Fast täglich wird in den Medien vor Personen und Firmen gewarnt, die mit Angeboten locken, die sich später als unseriöse Abzocke entpuppen. Wurde erst vor wenigen Tagen eine Dame in Weilheim Opfer einer Rohrreinigungsfirma, die für ihre minderwertige Arbeit von etwas über einer Stunde satte 782 Euro „Freundschaftspreis“ verlangten, musste nun auch ein Schongauer Senioren-Ehepaar Lehrgeld zahlen.

„Wäre dieser Artikel über die Abzocke in Weilheim zwei Tage früher erschienen, wäre uns viel Ärger erspart geblieben“, erzählt der Schongauer Rainer St. in seiner Küche. Dabei zeigt er auf die Spüle, um die es sich im Endeffekt dreht. „Vom Geld gar nicht zu reden“, schiebt seine Ehefrau Elisabeth hinterher. Sie hat den Stein ins Rollen gebracht.

Seit Tagen hat sie beobachtet, dass das Wasser in der Spüle nicht mehr so flüssig abläuft. Da sich Familienbesuch angesagt hat, wollte sie einer eventuellen Panne in Sachen Ablauf vorbeugen. Und da ja bekanntlich laut Sprichwort „im Dutzend alles günstiger“ ist, sollte auch ein Blick auf den Badewannenabfluss geworfen werden. Rainer St. greift also zum Telefon und ruft eine ihm bekannte heimische Firma an. Leider ist diese für die nächsten drei Tage ausgebucht. Also blättert er in den bekannten „Gelben Seiten regional“, um unter dem Stichwort „Rohrreinigung“ fündig zu werden. Ein sprichwörtlicher Griff ins Klo, wie sich am Ende herausstellt.

Das Symbolbild der Anzeige der Rohrreinigungsfirma, die mit drei verschiedenen Mobil-Telefonnummern in Weilheim, Schongau und Penz­berg wirbt, weckt Vertrauen. Der Monteur in Latzhose zeigt ein sympathisches Lächeln, dazu trägt er einen Gummi-Pömpel mit Holzgriff lässig über der Schulter. Dazu der Schriftzug 24 h Notdienst. Und was diese Firma nicht alles für Dienste anbietet. Eine ganze Litanei ist mit auf der Anzeige in fetten Lettern abgedruckt. „Die müssen unser kleines Pro­blem doch bestimmt locker hinbekommen“, so der Gedanke von Rainer St. Er wählt kurz vor dem Mittagessen die angegebene Mobilnummer für den Bereich Schongau.

„Zwischen 14 und 16 Uhr sind wir vor Ort“, so die Stimme am anderen Ende der Leitung. Und tatsächlich. Um 15 Uhr standen zwei Männer vor der Türe. „Das war das einzige, was geklappt hat“, so Ehefrau Elisabeth. Aber als sie das Werkzeug sah, was die beiden mitbrachten, wurde sie stutzig. „Das war ja aus der Zeit vor der Sintflut“, bezeichnet es die Seniorin, die technisch sehr bewandert ist. Auch war sie verwundert, dass ein Handwerker mit einem verbundenen Arm anrückte.

Es geht zur Sache. Mit einer Spirale versucht der Kollege, irgendwie in Richtung Ursache zu kommen. Nicht gerade von Erfolg gekrönt. Zwar diagnostiziert er nach einer gewissen Zeit, dass alles frei sei. Fehldiagnose. Als die Hausfrau später das Ergebnis nachprüfen will, läuft die Suppe noch genauso langsam ab wie vorher. Ähnlich sieht es im Bad aus. Von freiem schnellen Ablauf alles weit entfernt. „Wir hätten uns das ganze Prozedere sparen können“, so die Einschätzung der Seniorin am Abend.

Nach eineinhalb Stunden die Präsentation der Rechnung. Von wegen Firma aus dem Umland. Der Rechnungsvordruck zeigt nun eine Firma aus 46149 Oberhausen. Also weit, weit weg. In Zeile Arbeitsbericht ist ein „Rohr gefräst und gereinigt, vom Fallrohr bis Hauptrohr“ zu lesen. Dann kommen Bezeichnungen wie Einsatzpauschale, E.M. Reinigung, Sp-Pumpe. Zusammen ergibt sich ein Betrag von knapp 800 Euro. Kräftiges Durchatmen von Rainer St., dann die Weigerung, diesen Betrag zu zahlen. Er greift zum Telefonhörer und wählt die Nummer der Polizei. Plötzliches Einlenken des Handwerkers. Alle Rechnungsangaben werden auf dem Vordruck von ihm durch Streichungen unkenntlich gemacht, ein „Festpreiß“ von 300 Euro bleibt sichtbar. Den begleicht Rainer St. notgedrungen.

Mit seinem Weg an die Öffentlichkeit will Rainer St. versuchen zu verhindern, dass andere auf solche „Abzocker“ hereinfallen. Einen Schmunzler kann er der Rechnung doch noch abgewinnen. Unter dem Firmenlogo ist das Motto zu lesen: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich…“

Hans-Helmut Herold

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