Ein Macher geht in Ruhestand

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Zeit füreinander: Dr. Wolfgang Gebler freut sich auf die Stunden mit Ehefrau Lilo und den Enkeln. Am Mittwoch wurde der Schulleiter offiziell verabschiedet.

Schongau – „Habemus papam“, hatte jemand im Jahr 2001 ans schwarze Brett des Schongauer Welfen-Gymnasiums geschrieben, als bekannt geworden war, dass Dr. Wolfgang Gebler neuer Schulleiter werden würde. 16 Jahre später geht er in Ruhestand. Nicht als Papst, sondern als Lenker, der die Einrichtung mit Umsicht, Menschlichkeit und Durchsetzungskraft durch anspruchsvolle Zeiten geführt habe, bleibe er in Erinnerung, so der Tenor der Laudatoren bei seinem offiziellen Abschied am vergangenen Mittwoch.

Ausdruck dieser Wertschätzung: Die Verleihung des „Oscars für die beste Regie“ bei einer schulinternen Feier am Vorabend. Bei der Einführung des heute 66-Jährigens habe ein Redner Gebler harmonisches Miteinander, Zusammenhalt, Ausdauer, Erfolg und Lösungsorientiertheit gewünscht, erinnert sich der stellvertretende Schulleiter Huber Orthuber. „Diese Liste hast du vollumfänglich erfüllt.“

Auch Manfred Berchtold, Personalrat des Kollegiums, blickte zurück auf Geblers erste Momente in Schongau. Bei einem Fußballspiel habe der neue Direktor, der ihn optisch an Paul Breitner erinnert habe, viel dirigiert, selbst aber nicht durch Laufarbeit bestochen. Anders im täglichen Miteinader: „Du warst ein ausgezeichneter Mitspieler.“ Einer, der sich für nichts zu schade gewesen sei, selbst den Kopf hinhielt und beizeiten dazwischen grätschte. Dass Gebler sich auf die Hinterbeine stelle und gegebenenfalls keinen Konflikt scheue, ließen gleich mehrere Redner respektvoll anklingen.

„Er gewährt Augenhöhe, fordert sie aber auch ein“, beschrieb Frank Pfaffenberger. Der Leiter der Mittelschule verabschiedete seinen scheidenden Kollegen gemeinsam mit Armin Eder, Direktor der Pfaffenwinkel Realschule, und Ursula Heitmeier, Rektorin der Staufer Grundschule bei einem Quiz und Gstanzln. Dabei schienen erneut Kämpferqualitäten durch, wenn es um Vorteile für die Schule ging. Dennoch, Diskussionen seien stets sachlich abgelaufen, lobte Landrätin Andrea Jochner-Weiß den „Pädagogen und Alleskönner mit Manager-Qualitäten“.

Stephan Zahlhaas, Ministerialbeauftragter des Kulutsministeriums, blickte auf Geblers Werdegang zurück. Der Verabschiedete selbst erachtete seinen Lebenslauf als wenig linear und gestand ein, sich erst peu-à-peu mit dem Lehrerdasein identifiziert zu haben. Wieso er Schulleiter geworden sei, wisse er bis heute nicht so genau. „Vielleicht braucht es für ein Resümee noch Zeit.“

Errungenschaften seines Wirkens in Schongau und bedenkliche Entwicklungen benannte er hingegen detailliert. Der Übergang ins digitale Zeitalter sei erfolgreich vollzogen, baulich habe sich viel getan, künftige Maßnahmen seien angestoßen. Ferner nannte Gebler die Einführung des sozialwissenschaftlichen Zweigs in Schongau als bedeutsamen Schritt. Sorgen bereiteten ihm die sinkenden Schülerzahlen, undurchdachte Trends in der Lehre, G8, zunehmende Bürokratisierung und eine schwindende Leistungsfähigkeit sowie -bereitschaft unter einer Schülerschaft, die sich immer weniger für Naturwissenschaften interessiere. Dennoch übergebe er eine familiäre, liberale, innovative und leistungsorientierte Schule an Nachfolger Bernhard O‘Connor. „Ich bin stolz, hier der Chef gewesen zu sein.“

Die verstärkte Aufmerksamkeit gelte nun seinen Hobbys, den Enkeln und – hier wurde Geblers Stimme brüchig – seiner Frau. „Sie haben nun Zeit für Dinge, die Sie schon lange tun wollten“, hoffte Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman.

ras

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