Escape Room hat eröffnet

Von Altenstadt aus die Welt retten

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60 Minuten gegen das Scheitern: Die beiden Kreisboten-Volontäre Rasso Schorer (li.) und Marco Tobisch haben sich den Herausforderungen Escape Rooms gestellt.

Altenstadt – Als CIA-Agent Mills auf der Sohle kehrt macht und zu seinem Schreibtisch zurück eilt, brechen die zwei Eindringlinge hinter der schweren Tür seines Büros kurz in blinde Hektik aus. Das Herz macht einen Satz, der Atem geht schneller. Dann dreht sich der Schlüssel im Schloss... Seit Mitte April ist der erste von drei Escape Rooms im one BREAK­OUT in Altenstadt buchbar, der Kreisbote hat das neuartige Rollenspiel-Konzept unter die Lupe genommen. Der Auftrag: Nichts geringeres, als die ganze Welt im kalten Krieg vor einem verheerenden Kollaps zu bewahren.

„Ich habe vergessen zuzusperren“, dröhnt die Stimme Mills‘ in den Verkehrslärm, der von außen gegen die Fensterscheiben des CIA-Hauptquartiers in Langley brandet. Dann werden seine Schritte leiser, der hochrangige Geheimdienst-Offizier entfernt sich. Die Schockstarre im Büro löst sich langsam, die Blicke der zwei Ermittler, die sich heimlich Zutritt zum Arbeitsplatz des Hochverräters verschafft haben, huschen über Schreibtisch, Schränke und Regale.

Irgendwo hier vermutet ihr Auftraggeber belastendes Beweismaterial, vielleicht sogar eine Mordwaffe. Verschwörer Mills eines, für die angespannten amerikanisch-sowjetischen Beziehungen des Jahres 1988 verhängnisvollen, Komplotts zu überführen, ist Ziel ihrer Mission. Doch der Überläufer hat Vorkehrungen getroffen und die Uhr tickt: Nur 60 Minuten bleiben, um die Hoffnungen zu erfüllen und den Auftrag zu erledigen.

Schon zu Beginn ereilen die beiden Ermittler bittere Rückschläge, der Start misslingt; zu unentschlossen gehen die beiden ans Werk. Entscheidende Hinweise werden übersehen, falschen Fährten zu viel Beachtung geschenkt. Das Puzzle an Hinweisen, die nötig sind, um Mills auf die Schliche zu kommen, setzt sich viel zu mühsam zusammen. Wichtige Minuten verstreichen, am Ende verrinnt die Zeit zu schnell. Der Überläufer kehrt in sein Büro zurück, seine Machenschaften bleiben ungesühnt.

"Ihr wart nah dran"

Nach 60 Minuten betritt Spielleiter Tobias Kalbitzer mit Rauschebart und blauem Kapuzenpulli, der eher nicht ins Agenten-Milieu der Achtzigerjahre passt, den Raum. Die Anspannung und der Druck fallen vom vormaligen Ermittler-Duo ab. Das von den Machern des Altenstadter Escape Rooms kre­ierte Szenario, in das die beiden Kreisboten-Volontäre Marco Tobisch und Rasso Schorer abgetaucht sind, zerbröckelt peu-à-peu. „Schade, Ihr wart am Ende richtig nah dran“, befindet Kalbitzer. Doch was hilft es, nah dran zu sein, wenn es um die Verhinderung des dritten Weltkriegs geht?

„Anfangs wart Ihr zu zögerlich, das hat Euch das Genick gebrochen“, fährt Kalbitzer fort. Immerhin: „Die Transferleistungen habt Ihr zackig hinbekommen.“ Dass jeder Teilnehmer sich unterschiedlich verhalte, sei normal, so der Schongauer Stadtrat, der sich mit one BREAK­OUT eine lange gehegte Idee erfüllt. Jeder Kurzzeit-Agent reagiere anders auf die Herausforderungen.

„Richtige Escape Game-Freaks stürmen sofort drauf los, durchwühlen alles und schreien sich laute Kommandos zu“, berichtet Kalbitzer aus einer noch eher unbekannten Welt, die aber immer mehr Neugierige anlockt. „Eine unserer Versuchspersonen, ein Polizist, hatte zwischendurch Angst, Fingerabdrücke zu hinterlassen.“ Jemand anderes habe während des Spiels angefangen, wieder aufzuräumen und Spuren zu beseitigen. „Die waren richtig in der Materie drin.“

Und tatsächlich: Auch in den Köpfen der beiden Kreisboten-Spürnasen hallen sie noch lange nach, die Gedanken rund um das sechzigminütige Geschehen. Rund um die Mission im Büro von Agent Mills.

ras

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