"Wollen kein Ghetto"

Worauf bei der Vermietung der Wohnungen im Peitinger Ahornpark geachtet wird

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Hinter den Eigentumswohnungen (vorne), die verkauft werden, der noch eingerüstete Gebäudeflügel mit den Wohnungen, wo die Mieter eine Förderung bekommen.

Peiting – Die 52 Wohnungen, die im Ahornpark am Peitinger Ostbahnhof errichtet werden, sollen in zwei Etappen bezogen werden. Der Großteil wird bereits im Juni mit Leben erfüllt. Der Westflügel des langgezogenen Gebäudekomplexes soll bis August so weit sein. Die 18 Eigentumswohnungen auf der Ostseite (Ferdinand-Reber-Straße) sind schon vor längerem verkauft worden.

Insgesamt sind es also 70 Wohnungen in diesem Quartier. Davon entfallen 52 auf die EOF; die drei Buchstaben stehen für einkommensorientierte Förderung. Dabei sind das Landratsamt Weilheim-Schongau und die Regierung von Oberbayern mit im Boot. Die Vermietung erfolgt über die Graf von Deym‘sche Immobilien ­GmbH, die ihren Sitz im Landkreis Starnberg hat.

„Wir wollen kein Ghetto“, betont Florian Graf von Deym gegenüber dem Kreisboten. Ein sozialer Brennpunkt solle trotz der Größe der Anlage vermieden werden. Darum habe man mit Blick auf die künftigen Mieter, die alle einen Berechtigungsschein des Landratsamts benötigen, auf eine breite Mischung Wert gelegt. Die Auswahl sei alles andere als einfach, fährt Graf von Deym fort. Man habe mit jedem der gut 120 Interessenten persönlich gesprochen – und doch viele enttäuschen müssen.

Unter den künftigen Mietern seien Familien mit Kindern ebenso wie Paare, Alleinerziehende, behinderte und nichtbehinderte Menschen, junge Erwachsene und Senioren, anerkannte Flüchtlinge, aber auch Leute, die schon obdachlos waren. Alle hätten einen Bezug zu Peiting, indem sie hier leben, arbeiten, Verwandtschaft am Ort haben beziehungsweise früher mal weggezogen sind und jetzt wieder zurückkommen wollen, schildert der Immobilienexperte.

Eine Besonderheit ist der Gemeinschaftsraum, der in der Mitte der langgezogenen Wohnanlage entsteht und der links des Durchlasses von der Bahnhofstraße in den Ahornpark eingerichtet wird. Dort soll Gemeinschaft entstehen, Geselligkeit gepflegt werden. Auch wird ein Büro berücksichtigt, wo ein Ansprechpartner der Siedlungsbetreuung zweimal die Woche vor Ort ist und die Mieter in ihrem Alltag unterstützt.

Begehrte Zwei-Zimmer-Wohnungen

Unter den 52 geförderten Einheiten befinden sich nur drei Vier-Zimmer-Wohnungen. Die Erfahrung zeige, dass der größte Bedarf bei den Zwei-Zimmer-Wohnungen da sei, weiß Florian Graf von Deym.

Die Miete zahlen die Bewohner an die Immobilien GmbH, die mit der Hausverwaltung betraut ist. In geförderten Wohnungen erhalten die Haushalte einen Mietzuschuss, der vom Einkommen abhängig ist. Die Mieterhaushalte bezahlen damit nur die für die Einkommensstufe zumutbare Miete. Diese variiert, weil es drei verschiedene Bereiche gibt.

In Einkommensstufe I sind es zwischen 3,50 Euro bis 6,00 Euro pro Quadratmeter. Dazu zählen Hartz-IV-Empfänger, wie Peitings Kämmerer Christian Hollrieder erklärt. In der Stufe II sind es zwischen 4,50 Euro bis 7,00 Euro pro Quadratmeter, und in der Einkommensstufe III wird die zumutbare Miete je Quadratmeter zwischen 5,50 Euro bis 8,00 Euro festgelegt.

Die Gemeinde Peiting hat – anders als die Stadt Schongau – keine Sozialwohnungen in ihrem Bestand. Eine Überlegung ist, zusammen mit Herzogsägmühle und mit der Graf von Deym‘sche Immobilien GmbH einen Wohnbau mit sozialer Ausrichtung anzugehen. Die Rede ist von 60 Wohneinheiten. Dafür kommt ein Gelände hinter dem Fußballplatz in Herzogsägmühle in Frage.

Zum Thema Sozialer Wohnungsbau hatte Gemeinderat Herbert Salzmann (SPD) schon Ende April nachgefragt. Der frühere Bürgermeister Michael Asam sagte dazu, dass ein Ausweiten der Wohnbau Weilheim auf den westlichen Landkreis keine Chance auf Realisierung habe. Und ein eigener Zusammenschluss für den westlichen Landkreis scheitere an den unterschiedlichen Erfordernissen. Kleine Gemeinden wollten allenfalls Mehrfamilienhäuser mit wenigen Wohneinheiten, aber keine größeren Komplexe wie in Städten und Marktgemeinden. 

jj

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