Aktion zum Sonderzug-Sonntag

Fuchstalbahn "braucht Fahrplan" für Ausbau

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Bevor der historische Schienenbus VT 98 mit drei Triebwagen aus dem Schongauer Bahnhof abfährt, geben Politiker und Aktive aus dem Arbeitskreis grünes Licht für die Fuchstalbahn.

Schongau/Landsberg – „Wir müssen einen Fahrplan haben“: Diesen Satz münzte Andreas Holzhey – er ist Ingenieur für Verkehrswesen und Eigentümer der Bahnhöfe in Landsberg, Schongau und Murnau – auf künftige Aktivitäten zur Reaktivierung der Fuchstalbahn. Und: „Wir brauchen dringend den Druck von oben“, hieß es in einem Pressegespräch, nachdem Aktive aus dem Arbeitskreis Fuchstalbahn zusammen mit Politikern bei der Abfahrt des Sonderzuges im Schongauer Bahnhof „grünes Licht“ gegeben haben.

„Wir brauchen eine Vision, wo es hingeht“, betonte Verkehrsplaner Holzhey, der in Schongau aufgewachsen ist. Man dürfe sich auch in der Infrastruktur entlang der Strecke keine Zukunftschancen verbauen. Selbst Hohenfurch habe mit einem neuen nahegelegenen Wohngebiet durchaus Potenzial für einen Bahnhalt.

Norbert Moy von der Fahrgastinitiative „Pro Bahn“ bekundete, die Reaktivierung der Strecke zwischen Schongau und Landsberg für den Personenverkehr habe im Gegensatz zu anderen stillgelegten Strecken einen „ganz anderen Ansatz“. Denn es sei bereits wertvolle Infrastruktur vorhanden, die aber nur für zwei Güterzüge am Tag genutzt werde, welche zwischen den Papierfabriken in Augsburg und Schongau verkehren. Freilich plädierte Moy auch dafür, zumindest anfangs bei den Standards für Bahnhalte mal eine Stufe runterzugehen, damit nicht Maximalforderungen (Stichwort Barrierefreiheit) die Kosten in die Höhe treiben.

Gutes Argument

Hans Friedl, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler und Sprecher der Fraktion für Wohnen, Bauen und Verkehr, sieht die Kombination zwischen Güter- und Personenverkehr als gutes Argument für die Reaktivierungsbemühungen. Kriterien wie die vom Wirtschaftsministerium geforderte Zahl der 1.000 Fahrgäste pro Tag seien „nicht als starres Konstrukt“ zu bewerten, sagte Friedl beim Pressegespräch am Sonntagmittag in Schongau.

Der FW-Abgeordnete plädierte für mehr Angebote auf der Schiene. Denn es seien nicht nur die Straßen im Speckgürtel Münchens häufig überlastet; genauso gelange die B 17 zwischen Landsberg und Schongau schon an ihre Grenzen. Grundsätzlich sei es notwendig, die Mobilität „neu zu denken“ – wie z.B. im Land Tirol, wo ab 2020 die Zillertalbahn mit Brennstoffzelle und Wasserstoff-Antrieb fahren soll, fügte Friedl hinzu.

Seltener Anblick: Solange die Fuchstalbahn-Reaktivierung auf sich warten lässt, bleibt der Personenverkehr zwischen Landsberg und Schongau auf einzelne Anlässe begrenzt.

Der Weilheim-Schongauer Stimmkreisabgeordnete Harald Kühn („Bei der Bahn braucht man einen ganz langen Atem“) stellte zu Bedenken über ein Ende des Güterverkehrs klar, dass es derzeit „kein Verfahren zur Stilllegung der Strecke gibt“. Wichtig sei die Haltung der Kreistage von Weilheim-Schongau und Landsberg. Der CSU-Politiker ergänzte, das Wachstum der Region München werde „bis zu uns heraus durchschlagen“, was Potenzial für die Personenbeförderung auf der Schiene bedeute.

Kreisrat Hans Schütz (Peiting) vertritt die Ansicht, dass eine Reaktivierung der Fuchstalbahn für die Wirtschaft, für den Tourismus und für die Entlastung der Straßen förderlich sei. Man müsse dabei auch die Anbindung des Mittelzentrums Schongau/Peiting/Altenstadt an die starke Wachstumsregion Augsburg berücksichtigen.

Beitrag zur Verkehrswende

Harald Baumann und Irmgard Schreiber-Buhl vom Arbeitskreis Fuchstalbahn (beide aus Schongau) machten deutlich: „Wir sehen die Reaktivierung als Teil der Verkehrswende“. Allerdings sei das bisherige Tempo in den Bemühungen zu langsam. Auch die Staatsregierung müsse sich an der Reaktivierung dieser Strecke beteiligen. Zudem dürfe es beim „ökologischen Fußabdruck“ nicht so wie bisher bei Lippenbekenntnissen bleiben.

Der Schongauer Bürgermeister Falk Sluyterman sprach zwei Themen an. Die Politiker im Land und in der Region müssten „gleichwertige Verhältnisse“ im Landkreis Weilheim-Schongau schaffen, wo der Osten über die Schiene deutlich besser angebunden sei als der Westen. Zum anderen bedeute eine Fuchstalbahn eine Entlastung für den Kauferinger und Schongauer Bahnhof, wenn bereits an kleinen Bahnhalten zwischen Schongau und Landsberg Autos und Räder abgestellt werden.

Der Arbeitskreis Fuchstalbahn gehört zur Umweltinitiative Pfaffenwinkel. Deren Sprecher, Professor Dr. Gerhard Kral, versprühte nach dem Pressegespräch in Schongau durchaus Optimismus. „Kein Kriterium ist ein Naturgesetz“, sagte er mit Blick auf die bisher strenge Reaktivierungs-Vorgabe von 1.000 Fahrgästen am Tag. 

Infos zu den nächsten Schienenbusfahrten

So wie am letzten Sonntag im September am Schongauer Bahnhof wollen Mitglieder des Arbeitskreises Fuchstalbahn anlässlich der Sonderfahrten durchs Fuchstal auch am ersten Sonntag im Oktober – dann am Bahnhof in Landsberg – über Ziele und Aktionen informieren. Erwartet werden dort Landtagsabgeordneter Ludwig Hartmann und Kabarettist Helmut Schleich, der aus Schongau stammt. Der historische Schienenbus fährt um 10.15 Uhr in Landsberg ab in Richtung Süden. In Schongau ist Abfahrt um 11.20 Uhr. Kartenanfragen unter Tel. 0821/777-3410.

jj

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