Alles anders beim Faschingsbeginn 2020 in Hohenfurch

Ein »Schönau« per Telefonschaltung

Fasching Hohenfurch 11.11. Faschingsbeginn
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1. Präsident Johannes Linder, 2. Präsidentin Sabine Berghofer (links) und 3. Präsidentin Svenja Schratt an ihren Arbeitsplätzen um 11 Uhr 11. Gemeinsam stoßen sie per Telefonschaltung auf den für sie traurigen Fasching an. Der Präsident alkoholfrei.

Hohenfurch – Die Schönachgemeinde gilt als Faschingshochburg. Der Nachtumzug alle zwei Jahre ist über die Dorfgrenzen bekannt. In diesem Jahr ist alles anders: Nicht mal gemeinsam die Saison eröffnen durften die Narren des FCH. 

Seit Jahren wird es so zelebriert: Am 11.11. knallen im Innenhof von Gaby‘s Schmuckinsel um 11 Uhr 11 die Korken. Die Vorfreude auf die Saison infiziert spätestens dann alle. Spannung liegt in der Luft, weil das neue Prinzenpaar vorgestellt wird. Diesmal: Pustekuchen, alles abgesagt. Aber nicht ganz. Die drei Präsidenten erheben trotzdem ihre Gläser. Räumlich getrennt, aber per Telefon verbunden.

Altenstadt: Etwas ungeduldig blättert Sabine Berghofer in einem Fachkatalog. Die Mitarbeiterin von Elektro Schedl nimmt eine Bestellung auf. Nur noch wenige Minuten bis zum Beginn der neuen Faschingssaison, die eigentlich keine ist. „Ich kann es gar nicht fassen. Alleine im Büro, einfach traurig. Die ganze Spannung, wer Prinzenpaar wird, ist weg.“ Nur ihr eigenes Zepter von 2010/11 auf dem Schreibtisch erinnert an die turbulente Zeit.

Hohenfurch: Svenja Schratts Arbeitsplatz glitzert und blinkt. Sie steht hinter einer Verkaufstheke in Gaby‘s Schmuckinsel, die sie für den etwas anderen Faschingsbeginn umgestaltet hat. Die große Narrenkappe liegt bereit, der Mundschutz mit FCH-Logo ebenso. Auch für Svenja ist es ein ungewohnter Moment. „Es tut mir unendlich leid, dass der Fasching, der ja immer gute Laune ausstrahlt, einfach total wegbricht“, gesteht sie. Auch Svenja ist seit Kindheit vom Virus infiziert. Waren doch ihre Eltern Paul und Gaby 1985/1986 die Regenten des Vereins, sie selbst übernahm 2013/2014 das Zepter. Die schönste Zeit des Jahres entfällt.

„Es tut mir unendlich leid, dass der Fasching, der ja immer gute Laune ausstrahlt, einfach total wegbricht“

3. Präsidentin Svenja Schratt

Denklingen: Beruflich ist Johannes Linder Qualitätsassistent bei Hirschvogel. Im Herzen, mit Haut und Haaren ist er aber Obernarr des FCH, sein 1. Präsident. Auch Johannes harrt an diesem Faschingsbeginn um 11 Uhr 11 an seinem Arbeitsplatz aus. Mutterseelenallein hinter Aktenordnern und Papierkram. Selbst seiner Narrenkappe hat er an diesem Tag einen Mundschutz übergezogen. Nur der Faschingsorden auf dem Arbeits­shirt erinnert an seine Funktion. „Es ist wie ein Schlag vor den Kopf. Eigentlich wollten wir in der kommenden Zeit der Zwischenmenschlichkeit neuen Schwung verleiben...“, so der Präsident, dem es sonst selten die Sprache verschlägt.

Kurz vor 11 Uhr 11: Zweimal „Pflopp“ tönt es durch die Telefone, einmal „Zisch“. Sabine und Svenja haben einen Piccolo geöffnet, Johannes ein Weißbier. „Natürlich alkoholfrei“, wie er durch die Leitung ruft. Alle drei erheben die gefüllten Gläser und zählen die Sekunden ab. Dann ein Stimmenwirrwarr aus „Schönau“, begleitet von Sprachfetzten. Die Augen von Sabine und Svenja zeigen einen Hauch von Tränchen. Fasching, 11.11.2020.

hh

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