Emotionales Thema

Wenn Bäume verschwinden

+
Tabula rasa: Hier stand eine der beiden Kastanien.

Peiting – In der Peitinger Schönriedlstraße blühen im Mai zwei, von außen betrachtet, prächtige Kastanien. Dann geht alles ganz schnell: Sägen heulen auf, wenig später sind die Bäume gefällt und abtransportiert. Aufmerksame Leser haben sich jetzt an den Kreisboten gewandt. Sie wollen wissen, ob bei den Arbeiten alles mit rechten Dingen ablief. Doch die Nachfragen verlaufen unbefriedigend: Das zuständige Landratsamt spart mit Informationen, die Hausverwaltung der Wohnanlage, auf deren Grundstück die Bäume standen, blockt ab.

Das Stadtmauerumfeld in Schongau, der Bürgerentscheid rund um die Peitinger Bahnhofstraße – die Liste an Beispielen dafür, wann die Entfernung von Bäumen für Wirbel sorgte, ließe sich beliebig fortführen. Denn die Diskussion darüber, welche Gehölze fallen und welche stehen bleiben, wird bisweilen emotional geführt. „Uns erreichen etliche Anrufe von Menschen, die sich darüber wundern, wenn Bäume gefällt werden“, sagt Friedrich von der Mülbe. Er ist Abteilungsleiter Bau- und Umweltverwaltung und Landesplanung am Landrats­amt in Weilheim.

Viele Hinweise aus der aufmerksamen Bevölkerung, dass Bäume widerrechtlich gefällt worden seien, ließen sich schon am Telefon aufklären, so der Fachmann. Denn häufig ginge, wenn Axt und Säge anrücken, alles mit rechten Dingen zu. Doch gebe es auch andere Beispiele. Solche, in denen Grundstückseigentümer sich über Vorschriften und geltendes Recht hinwegsetzen und Bäumen verbotenerweise zu Leibe rücken.

Ein Kavaliersdelikt ist das nicht, wird eine Ordnungswidrigkeit festgestellt, droht ein Bußgeldverfahren. Steht ein Verdachtsmoment im Raum, entsendet das Landratsamt eine Kontrolle. „Die nimmt den Sachverhalt auf und leitet ihn an Fachleute weiter, die ihn bewerten“, erklärt von der Mülbe. Kein ganz einfaches Unterfangen, denn rechtlich spielen einige Faktoren in die Entscheidung mit hinein.

Einiges zu beachten

So heißt es im Bundesnaturschutzgesetz: „In der Zeit vom 1. März bis 30. September ist es verboten, Bäume, die außerhalb gärtnerisch genutzter Grundflächen stehen, abzuschneiden.“ Das weiß auch Stefan Kort, Geschäftsstellenleiter der Peitinger Verwaltung. Er hat, wie alle zuständigen Gemeindevertreter, jüngst ein ausführliches Merkblatt zum Thema vom Landrats­amt erhalten. Die Bäume seien im genannten Zeitraum streng geschützt. „Außer, es gibt dramatische Gründe“, fasst er mögliche Ausnahmen zusammen.

Auch darüber gibt das Merkblatt Auskunft: Beispielsweise das Argument „Gefahr im Verzug“ könne eine statthafte Begründung zum Fällen sein oder das Bemühen um die Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit. Ferner darf die untere Naturschutzbehörde eine Genehmigung zwischen März und September erteilen, wenn ein Verbot ansonsten zu unzumutbaren Belastungen führen könnte. Weitere Komplexität erhält die Frage, ob ein Baum gefällt werden darf oder nicht, unter anderem durch mögliche Regelungen im Bebauungsplan, einen Freiflächengestaltungsplan, eine Baumschutzverordnung oder die Einstufung als Naturdenkmal.

Zu spät im Bilde

Jede Menge Entscheidungsgrundlagen also für die Experten, die in der Praxis aber oft einem ganz anderen Problem gegenüberstehen: „Es gibt immer wieder Fällungen, von denen wir zu spät erfahren“, bedauert Heike Grosser, beim Landratsamt zuständig für Gartenkultur und Landespflege. Sanktionen zu verhängen sei nicht einfach, wenn das Beweismaterial beim Eintreffen der Kontrolleure schon verschwunden sei. Auch das Schicksal der beiden Kastanien in der Peitinger Schönriedlstraße, die am 10. Mai – und damit mitten in der eigentlich gesperrten Zeit – der Säge zum Opfer fielen, lässt sich kaum mehr nachvollziehen.

Spärliche Informationen

Bei der zuständigen Hausverwaltung gibt man sich zugeknöpft, will zum Sachverhalt nichts sagen. Auch der Anruf beim Landratsamt bringt kein Licht in die Frage: „Zu Einzelverfahren geben wir generell keine Informationen heraus“, gibt von der Mülbe zu verstehen.

Offenkundig im vorliegenden Fall ist damit nur: Das Landrats­amt hat sich nachträglich mit der Fällung beschäftigt – mit welchem Ausgang und ob am Ende ein Bußgeld verhängt wurde oder noch wird, bleibt unter Verschluss. „Es hätte sicher einen besseren Zeitpunkt gegeben, die Kastanien zu entfernen“, schätzt Grosser aber ein.

Die Fachfrau vom Landrats­amt appelliert an alle Bürger, die Augen grundsätzlich nach nicht gänzlich astreinen Aktionen offen zu halten. „Wir sind auf Hinweise angewiesen und bemühen uns sehr, die Sensibilität zu erhöhen.“ Dem pflichtet von der Mülbe, den jährlich 30 bis 40 derartige Anrufe aus der Bevölkerung erreichen, bei.

Wie viele davon in einem Verfahren oder Strafen münden, möchte der Abteilungsleiter Bau- und Umweltverwaltung und Landesplanung nicht kundtun. Zu ändern, dass zügig abtransportierte Bäume zu einem Mangel an Beweisen und damit ungeschoren davon kommenden Natursündern führen, obliege nicht dem Landratsamt: „Würden wir einen Missstand erkennen, würden wir uns an eine höhere Stelle wenden.“ Hierzu habe er noch keine Veranlassung gesehen.

ras

    503 Service Unavailable

    Hoppla!

    Leider ist unsere Website zur Zeit nicht erreichbar. Wir beeilen uns, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es gleich nochmal.

  • E-Mail
  • Google+
  • 503 Service Unavailable

    Hoppla!

    Leider ist unsere Website zur Zeit nicht erreichbar. Wir beeilen uns, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es gleich nochmal.

  • Weitere
    schließen

Auch interessant

Meistgelesen

"Den Berg nauf und Spaß dabei"
"Den Berg nauf und Spaß dabei"
Zug prallt auf Lkw
Zug prallt auf Lkw
Gegen Stolperfallen
Gegen Stolperfallen
Erst zwei Stelen, dann das Konzept
Erst zwei Stelen, dann das Konzept

Kommentare