Alpakas als Therapie

Von Wolle bis Dünger

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Bei Bärbel Schlamp und Thomas Lein auf dem Saliterhof dreht sich beinahe das ganze Leben um die Alpakas.

Peiting – Was als Hobby begann, ist inzwischen Alltag für Bärbel Schlamp und Thomas Lein auf dem Saliterhof in Peiting-Kurzenried. Mittlerweile leben dort 31 Alpakas, die zu Therapiezwecken eingesetzt und als Woll- und Düngerlieferant genutzt werden. Mehr Platz für die Tiere soll nun durch einen Neubau entstehen. Hier bekommen nicht nur die Alpakas einen größeren Stall, auch eine Wollmühle, ein Café und ein eigener Laden sollen auf dem neuen Erlebnishof Einzug halten.

Melina gibt die beste Wolle, Dobby ist der Clown und Molly kann schon einmal spucken, wenn ihr etwas nicht passt. Jedes Alpaka auf dem Saliterhof hat so seine Eigenheiten, erklärt Thomas Lein. Vor allem Schulklassen und Behindertenwerkstätten besuchen seine Tiere häufig. Die zur Familie der Kamele zählenden Alpakas seien besonders feinfühlig – zwar Herden- und auch Fluchttiere, aber durch ihre extreme Neugier eben auch sehr zutraulich. Lein vergleicht die Therapiemöglichkeiten mit Alpakas mit einer Delfintherapie. „Meistens suchen sich die Kinder auch automatisch das Tier aus, das am besten zu ihnen passt.“

Vor ungefähr vier Jahren sind Bärbel Schlamp und Thomas Lein durch eine Freundin auf die Paarhufer aus den Anden aufmerksam geworden. Und bei einem ersten Besuch der außergewöhnlichen Tiere bewahrheitete sich der Spruch „schau einem Alpaka nicht zu lange in die Augen, du könntest dich verlieben“ für die beiden. Mit zwölf Tieren hat das Paar auf dem elterlichen Hof von Bärbel Schlamp angefangen. Mittlerweile sind ihre Herden auf 31 Tiere angewachsen. Letztes Jahr wurde der Landschaftsarchitektin und dem Unternehmer dann bewusst, dass es sich hier nicht mehr um ein reines Hobby handelt. Beide gaben ihre Stellen in München auf und arbeiten seither auf dem Hof.

Um Pfingsten herum rückten die ersten Bagger an, seit acht Wochen ist die Baustelle auf dem Gelände in vollem Gange. Das Paar hat viel vor: Neben einem neuen Stall, einem Hofcafé und einem Hofladen, soll außerdem noch ein Biergarten, ein Rundweg und natürlich großflächige Weiden für die Tiere auf dem Gelände Platz finden. Thomas Lein hofft, dass die Halle im Oktober aufgestellt werden kann und bis zum Ende des Jahres ein Dach erhält. Eröffnung ist dann im Frühjahr geplant.

Bei Alpakas soll es aber nicht bleiben, zusätzlich wünscht sich Lein noch weitere tierische Mitbewohner auf dem Hof wie beispielsweise Erdmännchen und kleine Kängurus. „Die könnten dann auch zusammen mit den Alpakas in der Herde laufen“, sagt Lein. Außerdem leben noch drei ältere Pferde auf dem Saliterhof und verbringen dort ihren Lebensabend.

Neben ihren Therapie- und Wandereinsätzen haben die Alpakas natürlich noch etwas: ganz weiche Wolle. Einmal im Jahr werden die Tiere geschoren. Dafür kommt extra ein Neuseeländer, der eine Scher-Tour durch Europa macht, auf dem Hof des Paares vorbei. Theoretisch könnte das auch ein Schafscherer erledigen, mit dem kundigen Neuseeländer habe man aber einfach die besseren Erfahrungen gemacht, sagt Thomas Lein. Besonders wertvoll ist die Wolle vom Rücken der Anden-Kamele. Daraus kann das feinste Garn gesponnen werden. Seit Anfang des Jahres hat das Paar dafür eine eigene Wollmühle aus Kanada. Noch ist diese ausgelagert, aber auch sie soll dann in den Neubau einziehen.

Die Wolle der Alpakas habe mehrere Vorteile, wie Lein erläutert: Sie hat kein Wollfett, ist damit besonders für Allergiker geeignet und riecht nicht, wenn sie nass wird. Zudem ist sie sehr leicht. Mit der weniger qualitätvollen Wolle – beispielsweise von den Beinen – kann man Filzen oder die Füllung für Bettwäsche herstellen. Auch Seife kann aus Alpaka-Wolle gemacht werden. Und selbst den Kot der Tiere verarbeitet das Paar weiter. Er wird getrocknet und zu Pulver gemahlen – als Dünger.

Aber nicht nur die Wolle ist wertvoll, auch die Anschaffung der Tiere ist nicht ganz billig. Mehrere 100.000 Euro kann man für einen Hengst hinlegen. Denn nur die besten Tiere werden zur Zucht eingesetzt. Vier Fohlen gab es in diesem Jahr auf dem Saliterhof. Und auch zweibeinigen Nachwuchs gab es erst in der vergangenen Woche: Ludwig, der Sohn des Ehepaares hat das Licht der Welt erblickt. Deshalb gab es in diesem Jahr auch kein Hoffest: „Baustelle und dicker Bauch, das wäre zu viel gewesen“, sagt Schlamp. Die beiden hoffen aber, dass bis Weihnachten der Neubau so weit gediehen ist, dass eine Feier stattfinden kann.

Astrid Neumann

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