Flächen- und Wohnraum-Management für Schongau

Erst eruieren, dann entscheiden

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Das geplante Wohngebiet im Schongauer Norden ist im Stadtrat nicht unumstritten.

Schongau – Braucht Schongau ein neues Wohngebiet im Norden der Stadt? Darüber herrscht im Stadtrat geteilte Meinung. Besonders groß sind die Zweifel an dessen Sinnhaftigkeit in der ALS-Fraktion. Für derart bedeutende Entscheidungen hinsichtlich der künftigen Stadtentwicklung hapert es aus Sicht der Alternativen Liste bislang an belastbaren Zahlen. Licht ins Dunkel soll jetzt ein Flächen- und Wohnraum-Management bringen.

Wie wichtig der ALS das Thema war, ließ sich am Umfang des Antrags erkennen. Auf zwei Seiten hatte die Alternative Liste ausführlich begründet, weshalb die Stadt dringend ein Flächen- und Wohnraum-Management benötige. Das nötigte auch Friedrich Zeller Respekt ab. So einen detaillierten Antrag lese man selten, stellte der SPD-Stadtrat fest. „Da steckt Herzblut drin.“

Konkret geht es der ALS darum, Daten über vorhandene Baulücken, leerstehende Gebäude und ungenutzte Grundstücke zu erfassen und in einem zweiten Schritt qualitativ zu bewerten. Ziel sei es, möglichst viele öffentliche und private Flächen zu mobilisieren, um keine neuen Baugebiete ausweisen zu müssen, heißt es in dem ALS-Antrag. 

Ein weiteres Wachsen am Stadtrand würde ansonsten auch in Schongau zu negativen Entwicklungen führen, wie sie andernorts schon zu beobachten seien: steigende Kosten für Infrastruktur, eine Altstadt, die durch immer größere Entfernungen zu den Wohngebieten an Bedeutung verliere oder ältere Viertel, deren sinkende Attraktivität eine Ghettobildung fördere.

Dafür, den Fokus auf die Innen­entwicklung zu legen, spricht aus Sicht der Alternativen Liste auch der demografische Wandel. So erreiche die Bevölkerungsentwicklung voraussichtlich 2035 in Oberbayern ihren Höhepunkt. Ab dann werde in Ballungszentren wieder Wohnraum frei, was eine „Landflucht“-Welle auslösen könnte – mit entsprechenden Folgen für die ländlichen Regionen.

„Für wichtige Entscheidungen der Stadtentwicklung brauchen wir belastbare Zahlen“, betonte Bettina Buresch. Die ALS-Stadträtin verglich die aktuelle Situation mit einem Mietshaus, von dem man gar nicht wisse, wer darin wohne. „Bevor wir entscheiden, ob wir anbauen, müssen wir erst einmal wissen, ob nicht noch Wohnungen frei sind.“

Buresch wies außerdem darauf hin, dass die Erstellung eines Flächen- und Wohnraum-Managements hoch von der Staatsregierung gefördert werde. Durch die Beauftragung eines externen Büros halte sich zudem die Belastung des städtischen Bauamts in Grenzen.

Von einem geeigneten Werkzeug gerade im Hinblick auf das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (Isek) sprach Stadtbauamtsmitarbeiter Sebastian Dietrich. Da man aktuell kurz davor stehe, die Planungsleistungen für letzteres zu vergeben, biete es sich an, das Flächen- und Wohnraum-Management gleich zum Bestandteil des Auftrags zu machen.

"Kein Allheilmittel"

Im Gremium wurde der Antrag durchaus kontrovers diskutiert. Innenentwicklung sei kein Allheilmittel, betonte Michael Eberle. Bei zu starker Nachverdichtung laufe man Gefahr, dass Viertel ihren Charakter verlören, warnte der CSU-Fraktionschef. Am neuen Wohngebiet Schongau Nord führe deshalb kein Weg vorbei. Gar nicht gefiel Eberle zudem, dass ein Fachbüro mit der Aufgabe betraut werden sollte. „Mir wäre ein Praktiker, der die Grundstücksbesitzer direkt anspricht, viel lieber.“

 Dem hielt Buresch freilich entgegen, dass es nicht nur um die Vermittlung von freien Grundstücken gehe, sondern demografische Aspekte eine große Rolle spielten. „Das kann nur ein Fachbüro leisten.“ Schon jetzt würden in manchen Vierteln Häuser leer stehen. Eine Entwicklung, die in den nächsten Jahren angesichts immer älter werdender Hausbesitzer noch zunehmen werde, ergänzte Siegfried Müller (ALS).

Doch auch Helmut Hunger (CSU) zweifelte am Nutzen einer weiteren theoretischen Prognose, von der man nicht wisse, ob sie überhaupt eintrete. „Sich darauf zu verlassen, halte ich für gewagt.“

Kein Problem mit einer Erweiterung des Isek hatte Stephan Hild. An Schongau Nord werde man aber dennoch nicht vorbei kommen, prophezeite der UWV-Stadtrat, denn eine Landflucht sehe er nicht – im Gegenteil: „Der Druck aus München in das Umfeld wächst.“

Bei der Abstimmung fand der ALS-Antrag schließlich eine breite Mehrheit. Mit 15:6-Stimmen votierten die Stadträte für die Erstellung eines Flächen- und Wohnraum-Managements.

Christoph Peters

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