"Gemeinsam Heimat gestalten"

Altenstadts neuer Bürgermeister Andreas Kögl im Gespräch

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Der neugewählte Bürgermeister von Altenstadt Andreas Kögl vor dem Rathaus. Nach seiner mild verlaufenen Corona-Infektion nutzt er die Zeit, um bis zu seiner Vereidigung die neuen Aufgaben kennenzulernen.

Altenstadt – Nach 18 Jahren Amtszeit hatte Albert Hadersbeck schon vor den zurückliegenden Kommunalwahlen auf eine weitere Kandidatur als Bürgermeister von Altenstadt verzichtet. Damit ebnete er den Weg für die Kandidatur von Andreas Kögl, der wie Hadersbeck der CSU angehört und seit 15 Jahren Ortsvorsitzender der Partei ist.

Bei der Wahl am 15. März stimmte eine beachtliche Mehrheit der Gemeindeangehörigen für ihn. Bei einer Wahlbeteiligung von knapp 65 Prozent entfielen von den 1.593 abgegebenen gültigen Stimmen allein 1.316 auf Kögl. Das sind stolze 82,6 Prozent. Damit wurde dem in Altenstadt aufgewachsenen künftigen Bürgermeister ein überaus eindrucksvoller Vertrauensvorschuss entgegengebracht. Ganz offensichtlich wähnen die meisten Bürger die Wahrnehmung der Gemeindegeschicke bei ihm in guten Händen.

Nach seinem Abitur im Jahr 1988 leistete er Wehrdienst. Danach folgte die Lehre zum Bankkaufmann sowie eine zweijährige Traineeausbildung zum Kreditspezialisten. Daraufhin war er für eineinhalb Jahre als Kundenberater im sächsischen Leipzig eingesetzt.

Inzwischen ist Kögl bereits seit 1994 bei der Raiffeisenbank Pfaffenwinkel tätig. Neben seinem dortigen Vollzeitberuf absolvierte er beginnend 1996 ein Fernstudium der Betriebswirtschaftslehre mit dem Abschluss zum Dipl. Betriebswirt (FH). Aktuell ist er als Bereichsleiter Marketing eingesetzt.

Auch im örtlichen Vereinsleben zeigt er sich überaus präsent. Neben dem TSV, wo er 16 Jahre lang Schriftführer war, gehört er dem Schützenverein, den Maibaumfreunden, dem Veteranenverein, der Blaskapelle und zahlreichen weiteren Vereinen und Gruppen an. Außerdem ist er seit 33 Jahren aktiv in der Feuerwehr und seit 20 Jahren 1. Vorstand des Feuerwehrvereins. Der inzwischen 51-jährige Andreas Kögl ist verheiratet und hat eine Tochter und einen Sohn im Alter von 19 und 16 Jahren.

Sofern es die Lageentwicklung bei der Coronakrise zulässt, wird Andreas Kögl Anfang Mai in der ersten Sitzung des neuen Gemeinderates, dem er selbst schon seit 2008 angehört, als Bürgermeister vereidigt. Dort wird er dann viele bekannte Gesichter wiedersehen. Denn an der Mandatsverteilung des ebenfalls bei der Kommunalwahl neu gewählten Gemeinderats hat sich unter den vier Parteien und Gruppierungen nichts verändert.

Die CSU stellt sieben der insgesamt 16 Gemeinderäte und den neuen Bürgermeister, die Freien Wähler sind wie bereits zuvor mit fünf Räten vertreten. Die SPD kommt ebenso wie die Wählergemeinschaft Schwabniederhofen auf zwei Mandatsträger. Kein Wunder also, dass neun Räte dem Gremium bereits in der letzten Amtsperiode angehörten. Sieben Neue sind dazu gekommen. Auch wenn man von einer unverkennbaren Frauenpräsenz noch weit entfernt ist, gehören dem Gemeinderat künftig immerhin drei statt bislang zwei Frauen an.

Obwohl angesichts der andauernden Corona-Situation auch im Rathaus von Altenstadt von „Normalität“ noch keine Rede sein kann, hat der Kreisbote Andreas Kögl kurz vor seiner Vereidigung zum Bürgermeister ein paar Fragen gestellt:

Zwischen Ihrem klaren Wahlsieg im März und dem bevorstehenden Amtsantritt im Mai befanden Sie sich aufgrund der Gefahr, sich möglicherweise mit COVID-19 infiziert zu haben, zwei Wochen in häuslicher Isolation. Geht es Ihnen gesundheitlich gut?

Kögl: „Es bestand nicht die Gefahr, ich habe mich mit COVID-19 infiziert. Die Infektion ist bei mir sehr mild verlaufen. Ich hatte kein Fieber und auch keinen Husten oder ähnliche Symptome. Lediglich ein paar Tage, an denen ich einfach schlapp und müde war. Aber Zeit zum Schlafen hatte ich mehr als genügend. Jetzt geht es mir wieder richtig gut, ich habe die Infektion überstanden, kann niemanden mehr anstecken und bin (hoffentlich) eine Zeit lang immun.“

Zuerst ein bestimmt anstrengender Wahlkampf, dann Ihre Freude über den Sieg und dann häusliche Isolation. Ein Wechselbad der Gefühle, aus dem man vielleicht auch etwas Positives mitnimmt?

Kögl: „Das stimmt, es geht in letzter Zeit ganz schön auf und ab. Die Zeit zu Hause bringt zuerst einmal eine Entspannung von der Alltagshektik. Man kommt wieder mehr zur Ruhe und ich habe sogar Zeit gefunden, ein gutes Buch zu lesen, was in den letzten Monaten kaum noch machbar war. Die Ruhe bringt auch wieder eine Besinnung auf Dinge und Werte, die wirklich wichtig sind.“

Laut Internetseite der CSU Altenstadt und Schwabniederhofen wollen Sie nicht nur für die Bürger da sein, sondern mit diesen „Gemeinsam Heimat gestalten“. Welche konkreten Vorstellungen verbinden Sie damit?

Kögl: „Gemeinsam bedeutet für mich, dass nicht der Bürgermeister allein alles macht, sondern dass viele Menschen eingebunden sind. Der Mensch ist ein soziales Wesen, er braucht Gemeinschaft vom Baby bis ins hohe Alter. Da gehören viele dazu, z.B. Familien, Vereine, Nachbarschaften, Freunde, Kirchen, Kindergarten und Schule, eben überall wo sich Menschen um andere bemühen. Heimat ist für mich ein Gegenpol zu Globalisierung. Wenn alle Grenzen verschwimmen, wenn Entfernungen scheinbar mühelos überwindbar sind, dann suchen die Menschen einen ruhenden Pol, Beständigkeit und Geborgenheit. Das ist Heimat – ein sehr starkes Gefühl, das viele Menschen ihr Leben lang trägt. Letztlich ergibt sich daraus, dass wir mit unserem täglichen Handeln ein Stück die Heimat gestalten. Da kann jeder mitmachen, in welcher Form auch immer. Gerade in der jetzigen Zeit sieht man, wie viele Menschen sich einbringen, von sich aus aktiv werden und ganz intensiv Heimat mitgestalten.“

Ihr Vorgänger Albert Hadersbeck hat bereits viele mitunter kostenintensive Projekte zur Förderung der dörflichen Gemeinschaft auf den Weg gebracht. Dazu gehören die Neugestaltung des Marienplatzes in Altenstadt und der Sportanlage in Schwabniederhofen. Projekte zur Innenentwicklung und Flächensparen und zahlreiche weitere Punkte kommen hinzu. Setzen Sie dies alles im gleichen Maße fort?

Kögl: „Ich hoffe, dass das auch weiterhin möglich ist. Viele Maßnahmen sind in Zusammenarbeit mit der Dorferneuerung entstanden. Die wird in den nächsten Jahren vermutlich auslaufen. Solange wir aber noch Möglichkeiten haben, werden wir diese sicher nutzen. Die durchaus hohen Zuschüsse machen eben Dinge möglich, die die Gemeinde allein so nicht stemmen kann. Ich hoffe, dass die derzeitige Krise die Gemeindefinanzen in den kommenden Jahren nicht so belastet, dass wir wichtige Dinge nicht mehr anpacken können.“

Neben den bereits zum Teil genannten Vereinsmitgliedschaften gehören Sie auch dem Förderverein des Freibads an. Wie geht es angesichts zu erwartender hoher Investitionskosten weiter mit dem Freibad?

Kögl: „Das Freibad liegt nicht nur mir, sondern vielen Menschen in unserem Ort sehr am Herzen. Für die kommende Saison hat Albert Hadersbeck eine gute Lösung gefunden, wie das Bad betrieben werden kann. Die Weichen sind gestellt und ich hoffe, dass wir das Bad krisenbedingt auch öffnen können. Das ist die Lage auf Sicht. Wie es dauerhaft mit dem Freibad weiter geht, kann ich leider nicht vorhersagen. Die technische Anlage läuft hoffentlich noch lange, die Betreuung des Badebetriebes muss passen, die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen eingehalten werden (bisher sind diese noch nie vereinfacht worden) und die Gemeindefinanzen müssen das alles stemmen können. Man sieht, da gibt es viele Unwägbarkeiten, die wir hoffentlich noch lange im Griff behalten können.“

Unterstellen wir einmal, dass der Publikumsverkehr im Rathaus in absehbarer Zeit weniger eingeschränkt sein wird. Was machen Sie an Ihrem ersten Tag im Rathaus?

Kögl: „Ich denke das, was alle neuen Mitarbeiter machen. Sich im Haus vorstellen, den Arbeitsplatz einrichten bzw. übernehmen, die EDV und die ganz normalen Abläufe kennenlernen. Derzeit baue ich tageweise meinen Resturlaub in der Bank ab und nutze die Zeit, um in der Gemeinde die neuen Aufgaben kennenzulernen. Daher hoffe ich, dass ich am 4. Mai schon ein bisschen etwas weiß und nicht ganz blank dastehe.“

mel

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