Nach Kostenberechnung:

Rolltreppe oder Schrägaufzug?

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In Schwarzenberg ist der Schrägaufzug bereits Realität. Ob er auch in Schongau umgesetzt wird, ist noch offen.

Schongau – Um Autofahrern die Parkplätze am Fuße der Schongauer Altstadt schmackhaft zu machen, gibt es seit längerem die Idee einer Aufstiegshilfe. Vor einem Jahr hatte das Stadtbauamt erstmals mögliche Kosten für einen möglichen Schrägaufzug ermittelt. Schon damals hatte Paul Huber (CSU) gefordert, auch eine Rolltreppe als Alternative zu prüfen. Die Zahlen reichte Stadtbaumeister Ulrich Knecht am Dienstag nach.

Wie im Falle des Schrägaufzugs hatte sich Knecht auch für die Rolltreppe auf die Suche nach einem vergleichbaren Projekt gemacht. Fündig wurde er in Landshut, wo eine Rolltreppe zwei Wohnanlagen verbindet. Diese müsse allerdings besondere Bedingungen erfüllen, damit sie im Freien einwandfrei funktioniere, sagte Knecht, der mit dem Hersteller Kontakt aufgenommen hatte. So sei eine Überdachung der Fahrtreppe erforderlich, um zu vermeiden, dass Laub und Dreck sowie Schnee die Technik lahmlege.

Ein weiteres Problem: Ein Wechselbetrieb – heißt, die Treppe kann sowohl für Auf- als auch Abwärtsfahrten genutzt werden – sei zwar theoretisch möglich. Allerdings müssten dafür die Temperaturen über fünf Grad liegen, wies der Stadtbaumeister hin. „Darunter schaltet die Rolltreppe aus technischen Gründen in den Dauerbetrieb.“ Das bedeutet, Fahrten wären dann nur noch in eine Richtung möglich. Der Wechselbetrieb hätte laut Knecht noch einen weiteren Nachteil, nämlich mögliche lange Wartezeiten.

Theoretisch allerdings wäre die Förderkapazität dem Schrägaufzug auch bei dieser Variante überlegen. 1800 Personen könnte die Rolltreppe pro Stunde den Berg hinauf befördern. „Dabei geht man aber davon aus, dass alle Stufen genutzt werden“, gab Knecht zu bedenken. Bei einer Doppelanlage wären es sogar 4000 Leute. Der Schrägaufzug schaffe maximal 480 Personen pro Stunde.

Das größte Problem der Rolltreppe sei jedoch, dass diese von Rollstuhlfahrern, Personen mit Gehwagen oder Kinderwagen nicht benutzt werden dürfe und deshalb nicht barrierefrei sei. „Wir würden deshalb keine Förderung bekommen“, so Knecht.

Die Auswirkung zeigte sich bei der Gegenüberstellung der Kosten für beide Varianten. Für den Schrägaufzug am Bahnberg hatte Knecht anhand des vergleichbaren Projekts in der sächsischen Stadt Schwarzenberg mit Baukosten von zwei Millionen Euro kalkuliert. Je nach Höhe des Fördersatzes von 60 oder 80 Prozent betrüge der Anteil der Stadt 0,8 bzw. sogar nur 0,4 Millionen Euro.

Die Doppel-Rolltreppenanlage – am Bahnberg wären aufgrund der örtlichen Gegebenheiten pro Richtung zwei aufeinander folgende Fahrtreppen nötig – würde dagegen zwar nur 1,45 Mio. Euro kosten. Diese müsste die Stadt jedoch mangels Fördermöglichkeit komplett allein stemmen. Verzichte man auf die Abwärts-Variante läge man immer noch bei 0,89 Mio. Euro, rechnete Knecht vor.

Für Friedrich Zeller (SPD) war die fehlende Barrierefreiheit das K.O.-Kriterium. „Wenn wir hier das Geld der Steuerzahler ausgeben, können wir nicht Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen ausschließen.“

Ganz anders sah es Paul Huber (CSU). Die Aufstiegshilfe sei ja gar nicht für den von Zeller genannten Personenkreis gedacht. „Die können und sollen ja nach wie vor in der Altstadt parken.“ Vielmehr gehe es um einen Komfortgewinn für Leute, die sonst den Fußweg hinauf in die Stadt scheuen würden, betonte er. Für diesen Zweck müsste die Roll­treppe noch nicht einmal ganz nach oben führen.

Entschieden wurde am Dienstag nichts. Im Rahmen des Wettbewerbs zum Stadtmauerumfeld sollen als nächstes erst einmal die möglichen Standorte für eine Aufstiegshilfe genauer untersucht werden. 

chpe

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