Altstadt: Nichts als heiße Luft – Stadtrat tritt beim Thema Marienplatz weiter auf der Stelle

Seit vielen Jahren beschäftigt sich der Stadtrat mit dem Thema Marienplatz, dessen Gestaltung und Verkehrsbelastung. Auch in der vergangenen Sitzung debattierte das Gremium mehr als drei Stunden lang darüber. Herausgekommen ist allerdings einmal mehr nichts als heiße Luft.

Wie das Kaninchen vor der Schlange – so verhalten sich die Stadträte, wenn es um Maßnahmen zur Entschärfung der Verkehrssituation in der Altstadt geht. Geredet wird viel und es hat schon fast den Anschein, dass die kommunalen Mandats-träger damit von ihrer eigentlichen Aufgabe ablenken wollen: Politische Entscheidungen zu fällen. Mehrere Planer und eine Vertreterin der Regierung von Oberbayern waren aus München zur Stadtratssitzung gekommen, um neue Ergebnisse einer Verkehrsuntersuchung vorzutragen. Rasch wurde deutlich, dass nicht die von manchen Räten immer wieder propagierte Parkplatzknappheit die Situation in der Altstadt zu gewissen Stunden unerträglich werden lässt, sondern die zahlreichen Dauerparker. „Ich kann mir vorstellen, dass dies gängige Praxis ist“, sagte Verkehrsplaner Robert Ulzhöfer. Dieser hatte im Auftrag der Stadt im vergangenen Mai und Juni an zwei Tagen eine große Erhebung gemacht und die Räte mit den Ergebnissen konfrontiert. Neben zahlreichen anderen, die an der Erhebung mitwirkten, habe er beobachtete, dass gegen 11 und 14 Uhr Scharen von Beschäftigten zu ihren Autos eilten und umparkten oder nur die Parkscheibe weiter drehten. „Dabei beträgt die maximale Parkzeit in der Innenstadt drei Stunden“, stellte Ulzhöfer fest. Der Verkehrsplaner hatte auf eine Reihe von Missständen aufmerksam gemacht, auf die er gestoßen war: Ein nicht unerheblicher Teil der Autos fuhr die Innenstadt nur an, um die Ampeln, die außerhalb der Altstadt den Verkehr regeln, zu umfahren. Dabei wurden die Kfz nicht nur gezählt, sondern auch die Kennzeichen festgehalten, um solche Rückschlüsse ziehen zu können. „Mehr als 1200 Kfz fuhren innerhalb von fünf Minuten durch ein Tor in die Altstadt rein und durch ein anderes wieder raus“, schilderte Ulzhöfer. Neben diesem Durchgangsverkehr würde auch so genannter Showverkehr problematische Ausmaße annehmen. „Bis zu zwölf Mal fahren da junge Männer in ihren aufgemotzten Kisten mit lauter Musik um den Marienplatz und durch die Altstadt“, schilderte der Sachverständige. Knapp 6000 Fahrzeuge waren während der zehnstündigen Zählung durch die drei Altstadttore ein- und ausgefahren. Anhand einiger Beispiele belegte der Fachmann die Parksituation. „550 Parkplätze gibt es in der Altstadt. 520 waren belegt. Insgesamt parkten 1617 Autos. Das heißt, dass jeder Parkplatz nur dreimal belegt war. Das ist ein sehr niedriger Wert und zeigt die hohe Dichte an Dauerparkern“, so Ulzhöfer. Teure Umgestaltung Eng gekoppelt mit der Verkehrssituation ist die Gestaltung des Marienplatzes. Architekt Axel Lohrer zeigte den Räten seinen Gestaltungsvorschlag auf, der allerdings nicht von allen Räten als gut befunden wurde, zumal die Kosten mit 700000 Euro – bei Wiederverwendung des alten Pflasters – beziehungsweise mit 1,3 Millionen Euro bei Verwendung von neuem Pflaster die kreditgebeutelte Stadtkasse stark strapazieren würde. „Wir sind auf einem Teilstück eines langen Weges“, meinte CSU-Stadtrat Michael Eberle in der anschließenden Diskussion. Über alle Fraktionen hinweg meldeten sich zahlreiche Räte und gaben ihre Meinung zum Besten. Dabei reichte die Palette von Zustimmung über Resignation bis zur völligen Ablehnung: „Dieses Verkehrskonzept ist ein Witz“, urteilte Roland Heger (UWV), während Peter Huber (SPD) deprimiert sagte: „Ich bin seit 25 Jahren im Stadtrat. Weder frühere Besetzungen noch die heutige werden es schaffen, hier was konstruktiv zu ändern.“ Nachdem die Sitzung nach 22 Uhr ohne weitere Ergebnisse abgebrochen werden musste, scheint eines klar zu sein: Peter Huber hat mit seiner Prognose recht.

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