»Nicht deppert, sondern krank«

Alzheimer Gesellschaft und Stiftung Scheuklappen: Gemeinsame Ziele

Höpfl Kettner Scheuklappen Alzheimer
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Erwin Höpfl (links) und die Stiftung Scheuklappen unterstützen seit Beginn an. Erneut freut sich die 1. Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Lechrain e.V. Selbsthilfe Demenz Doris Kettner (rechts) über eine „großzügige Spende“.
  • VonRasso Schorer
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Schongau/Hohenpeißenberg – Zwei Zielen hat sich die Alzheimer Gesellschaft Lechrain e.V. Selbsthilfe Demenz verschrieben: das Alltagsleben für Angehörige zu erleichtern und Aufklärung in der Bevölkerung zu leisten. Der Schongauer Erwin Höpfl findet das gut, seine Stiftung Scheuklappen bringt sich mit einer größeren Spende in nicht genannter Höhe ein.

Die Liste der Projekte, die die 2020 gegründete Alzheimer Gesellschaft Lechrain bereits umsetzt oder plant, ist umfangreich (siehe www.alzheimer-lechrain.de). So sollen beispielsweise Ausflüge den Alltag für Demenzkranke und ihre Angehörigen schöner machen, ein demenzsensibler Urlaub auf dem Bauernhof zählt zu den neuesten Angeboten. Perspektivisch will der Verein eine Tagespflege aufbauen. Gleichzeitig, so 1. Vorsitzende Doris Kettner, gelte es, Informationsarbeit zu betreiben.

Denn wer unter Alzheimer oder Demenz leidet, werde eben nicht deppert – „sondern ist krank“. Steht man einem Menschen mit einer neurologischen Krankheit gegenüber, könne es schwerfallen, für sich selbst das richtige Verhalten zu finden. Selbst erwischen könne es allerdings jeden; vielleicht sei es ja aber eben genau diese Angst, die viele Menschen das Thema und damit seine Betroffenen lieber weit von sich wegschieben lasse. Das Krankheitsbild sei immer noch mit viel Scham besetzt. Aber wieso eigentlich? „Geredet wird eh, vielleicht ist es sinnvoller, wenn es die Nachbarn erfahren und mitschauen.“ Und wenn die Urenkel wissen, was mit dem Uropa los ist.

Die Statistik heruntergerechnet, müssten in Schongau 250 bis 300 Demenzkranke leben. „Je besser die Bevölkerung informiert ist, desto leichter ist es für betroffene Familien“, weiß Kettner. Ihm imponiere der Einsatz der Alzheimer Gesellschaft und wie sie Familien helfe, sagt Erwin Höpfl, Gründer der Scheuklappenstiftung, die sich unterstützend einbringt.

„Treten Sie frühzeitig mit uns in Kontakt“, lädt Kettner Angehörige Erkrankter ein, sich zu melden. „Die meisten kommen spät zu uns, wenn das Umfeld schon überlastet und die Erschöpfung groß ist.“ Gemeinsam sei es leichter: „Wenn uns wer kennt, dann kommt er wieder.“

Außenstehenden rät sie im Umgang mit Demenzkranken zu Gelassenheit, Aufmerksamkeit und Offenheit, auch gegenüber ungewöhnlichen Verhaltensweisen. „Sagts es, wenn jemand immer die gleichen Geschichten erzählt, aber hört zu, seid da.“ So lange wie möglich eingebunden zu sein, das tue den Menschen gut. „Schickts den Spezl nach 50 Jahren nicht weg, sondern setzt Euch dazu.“

Hier fördert die Stiftung die Alzheimer Gesellschaft

• Projekte zur Erleichterung der Situation betroffener Familien: Besuche auf Reiterhof, Sommernachmittag im Pavillon, Teile des Sommerprogramms inklusive Ausflügen Natur und Kultur, demenzsensibler Urlaub auf dem Bauernhof

• Projekte zur Sensibilisierung: Vorträge, zum Beispiel in Schulen und bei Jugendgruppen sowie künftig in Apotheken, Supermärkten etc.; Fünfte Aktionswoche vom 22. bis 26. September; Mitfinanzierung von Räumlichkeiten für Gruppenangebote, als Schulungsraum, für feste Beratungsstelle und zur erweiterten Präsenz in der Stadt

• Sonstige Aktivitäten: Lesestunden von Erwin Höpfl in Senioreneinrichtungen.

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